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Podcast "heute wichtig" Wenn Tafeln nicht mehr helfen können: Zwischen Wut und Hilflosigkeit

Kunden stehen vor der Tafel in Essen
Jede Menge Enkaufstrolleys: Kunden stehen vor der Tafel in Essen Schlange
© Roland Weihrauch / DPA
Seit Monaten schlagen die Tafeln Alarm, dass sie dem Andrang der Bedürftigen nicht mehr gerecht werden – jetzt steht der Winter vor der Tür. Die Leiterin der Potsdamer Tafel, Imke Georgiew, berichtet vom Helfen jenseits der Belastungsgrenze, Verzweiflung und Wut.
Der Krieg in der Ukraine, die Pandemie, die Energiekrise, die Inflation – die Zahl der Menschen, die durch die steigenden Energie- und Lebensmittelkosten nicht mehr um die Runden kommen, steigt. "Wir sind mal angetreten, um Menschen in einer Notsituation zu helfen, jetzt ist es aber so, dass wir für viele unserer Kunden eine Dauerunterstützung darstellen", berichtet die Leiterin der Potsdamer Tafel, Imke Georgiew, in der 396. Folge "heute wichtig".

Tafel verhängt Aufnahmestopp aus Hilflosigkeit

Seit Kriegsbeginn habe sich die Zahl der Bedürftigen bei der Potsdamer Tafel fast verdoppelt, 3500 Menschen pro Woche haben in der Einrichtung Hilfe gesucht – bis Imke Georgiew im Juni die Reißleine ziehen musste und einen Aufnahmestopp verhängt hat: "Das war auf Dauer nicht mehr zu leisten." Der Aufnahmestopp soll nun zum Teil wieder aufgehoben werden, sagt sie im Podcast. Allerdings müsse man die Zahl der Neukund:innen begrenzen. Und das, obwohl der Winter vor der Tür steht und sie nun auch mit Kund:innen rechnet, die zuvor nicht auf die Hilfe der Tafeln angewiesen waren und jetzt aufgrund der steigenden Lebenshaltungskosten in Not geraten.

Die Tafel basiert auf zwei Säulen: Lebensmittel retten und Menschen helfen. Weil aber immer mehr Menschen Unterstützung benötigen, gerät das System ins Ungleichgewicht, sagt Imke Georgiew. Das Dramatische daran: Zumindest in Potsdam liege es ihren Aussagen nach nicht einmal daran, dass es nicht genug Lebensmittel gäbe, sondern an der Logistik. Was fehlt, sind größere Räumlichkeiten und Personal. Die Mitarbeiter:innen, die bei den Tafeln arbeiten, tun dies in der Regel ehrenamtlich. Und ihr Einsatz bringe sie zunehmend an ihre körperlichen und psychischen Grenzen. "Der Stress und der Druck, unter dem gearbeitet wird, ist einfach extrem hoch", sagt Imke Georgiew. Dass sie nun Menschen wegschicken müssen, sei eine belastende, frustrierende Situation für die Mitarbeiter:innen ebenso wie für die Kundschaft. Die reagiere oft mit Wut, Verzweiflung, Tränen und Beschimpfungen. "Das Elend und der Druck, der auf den Menschen lastet, geht einem natürlich unfassbar nah", sagt sie bei "heute wichtig".

Helfen bis zur Belastungsgrenze

Michel Abdollahi
© TVNOW / Andreas Friese

Podcast "heute wichtig"

Klar, meinungsstark, auf die 12: "heute wichtig" ist nicht nur ein Nachrichten-Podcast. Wir setzen Themen und stoßen Debatten an – mit Haltung und auch mal unbequem. Dafür sprechen Host Michel Abdollahi und sein Team aus stern- und RTL-Reporter:innen mit den spannendsten Menschen aus Politik, Gesellschaft und Unterhaltung. Sie lassen alle Stimmen zu Wort kommen, die leisen und die lauten. Wer "heute wichtig" hört, startet informiert in den Tag und kann fundiert mitreden.

Noch zeichne sich keine akute Lösung für die prekäre Situation der Tafeln ab, klar ist aber: "Wir können nur helfen, wenn wir finanziell unterstützt werden." Wo der Platz nicht reicht, wie zum Beispiel in Potsdam, müsse es zumindest die Aussicht auf neue Ausgabestellen geben. Unterstützung fordert Imke Georgiew auch direkt vom Staat: "Wenn man den Menschen nicht direkt helfen kann, dann muss man zumindest den Tafeln helfen."

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wue

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