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"heute wichtig" Das Supermarktregal, das mitlernt: Wie Gorillas & Co. uns manipulieren

heute wichtig Gorillas
Gewusst wer und was: Lieferdienste wie Gorillas lernen ihre Kunden erschreckend gut kennen. 
© Wolfgang Kumm / DPA
Ob Klamotten shoppen oder Lebensmittel – alles ändert sich im Zuge der Digitalisierung. Doch besonders beim Essen werden wir zu gläsernen Bürger:innen, sagt stern-Kolumnistin Denise Wachter.

Die Corona Pandemie hat viele negative Auswirkungen mit sich gebracht. Menschen haben ihren Job verloren, Branchen mussten komplett schließen, und Unternehmen waren gezwungen Insolvenz anzumelden. Doch neben diesen negativen Beispielen gibt es auch klare Gewinner:innen der Pandemie. Zu ihnen zählen zum Beispiel digitale Lebensmittellieferdienste. Denise Wachter ist kulinarische Expertin beim stern und hat den Lieferdienst Gorillas genauer unter die Lupe genommen. So bequem diese auch sind, in der 325. Folge von "heute wichtig" warnt sie vor einer "Filterblase".

Digitale Supermärkte sammeln die Daten

Gorillas und Co. sind sehr praktisch, wenn man schnell Lebensmittel braucht und nicht vor die Tür gehen möchte. Denn die bestellte Ware wird einem innerhalb von zehn Minuten geliefert. Da fragt man sich automatisch, wo der Haken ist. Denise Wachter hat ihn gefunden – sie beschreibt Gorillas als einen "digitalen Supermarkt mit einem Regal, das mitlernt". Denn Lebensmittellieferdienste sammeln die Daten ihrer Nutzer:innen, um herauszufinden, welche Ware sie vorrätig haben sollten.

Wenn jemand zum Beispiel viele Süßigkeiten oder Fertigprodukte bestellt, wird ihm automatisch mehr ungesunde Ware angezeigt, weil Gorillas und Co. eine Art Filterblase geschaffen haben. Außerdem sagt die stern-Redakteurin, dass heutzutage so viel Datenschutz betrieben werde, jedoch nicht in diesem Bereich, und genau das sei der Knackpunkt. Denn "beim Essen haben wir dieses Bewusstsein nicht". Die Menschen müssen also selbst für sich entscheiden, ob sie ihre Daten teilen wollen und bei digitalen Supermärkten bestellen oder eben nicht.

Digitalisierung macht auch vor Essen nicht halt

Neben Gorillas, Flink, Getir und Co. haben es mittlerweile auch andere Apps geschafft, die Welt der Supermärkte in Großstädten zu verändern. Dabei ist nicht alles schlecht: "Es gibt natürlich auch so gute Beispiele, es gibt ja zum Beispiel die App ToGoodToGo", so Denise Wachter. Bei dieser App können Lebensmittelgeschäfte ihre übriggebliebenen oder abgelaufenen Waren zu einem günstigen Preis anbieten. Besonders für Menschen mit wenig Einkommen kann so ein Angebot eine wahre Erleichterung sein – und es wird weniger Nahrung weggeschmissen. Ein Gewinn für alle. Außerdem betont Denise Wachter, dass diese Apps das Leben einfacher machen. Der Lebensmittelhandel verändere sich im Moment, so Wachter, Grund dafür sei die Digitalisierung. Deshalb ist sie sich auch sicher: "In zehn Jahren haben wir dann bestimmt alle den smarten Kühlschrank installiert."

Michel Abdollahi
© TVNOW / Andreas Friese

Podcast "heute wichtig"

Klar, meinungsstark, auf die 12: "heute wichtig" ist nicht nur ein Nachrichten-Podcast. Wir setzen Themen und stoßen Debatten an – mit Haltung und auch mal unbequem. Dafür sprechen Host Michel Abdollahi und sein Team aus stern- und RTL-Reporter:innen mit den spannendsten Menschen aus Politik, Gesellschaft und Unterhaltung. Sie lassen alle Stimmen zu Wort kommen, die leisen und die lauten. Wer "heute wichtig" hört, startet informiert in den Tag und kann fundiert mitreden.

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nik

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