VG-Wort Pixel

"Heute wichtig" Russland und die Ukraine: "Es ist ein höchst riskantes Spiel, was Putin da betreibt"

Ein älterer weißer Mann mit schütterem, grau-blondem Seitenscheitel sitzt im Anzug an einem Konferenztisch und lächelt
Russlands Präsident Wladimir Putin bedroht mit einem Truppenaufmarsch an der Grenze die Ukraine
© Alexei Nikolsky/Pool Sputnik Kremlin/AP / DPA
Das Normandie-Format ist zurück – heute setzen sich Vertreter:innen von Russland, Deutschland, Frankreich und der Ukraine an einen Tisch. Das zentrale Thema: Lösungsansätze für den Russland-Ukraine-Konflikt finden. Doch wäre Putin überhaupt bereit, einen Einmarsch in die Ukraine zu riskieren?

Seit Wochen beobachtet der Journalist und Internationale Korrespondent Dirk Emmerich die Truppenbewegungen an der russisch-ukrainischen Grenze mit großer Sorge. Dort hat Wladimir Putin etwa 100.000 russische Soldaten zusammengezogen. Mittlerweile wird auch Militär ins benachbarte Belarus gebracht und auch auf den Seeweg geschickt, sodass die Ukraine von drei Seiten umstellt ist. Dirk Emmerich ist immer wieder in Russland unterwegs und hat auch die Eskalation im Jahr 2014 beobachtet. In Folge #198 des Podcast "heute wichtig" rechnet er allerdings nicht damit, dass Putin bis zum Äußersten gehen würde: "Ich denke nach wie vor, dass es nicht das Hauptziel von Putin ist, in der Ukraine militärisch zu intervenieren, sondern dass er diese Drohkulisse an der Grenze aufgebaut hat, um dem Westen die Zusicherung abzuringen, dass die NATO sich nicht weiter Richtung Osten ausdehnt."  

Russland kann sich keinen Krieg leisten

Stand heute, so Emmerich, wäre für den russischen Präsidenten Wladimir Putin ein Krieg sehr ungünstig, auch im eigenen Land müsste er ein solches Vorgehen rechtfertigen. Denn: "Eine militärische Intervention in der Ukraine wäre für Russland mit gewaltigen finanziellen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Zudem müsste er neue Sanktionen befürchten, das alles kann nicht im Interesse Russlands sein, aber es ist ein höchst riskantes Spiel, was Putin da betreibt."  

Vitali Klitschko fordert mehr Unterstützung von Deutschland

Ex-Boxprofi Vitali Klitschko ist seit 2014 Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Im Interview mit RTL und n-tv fordert er deutlich mehr Signale von Deutschland: "Die Entscheidung, was Nord Stream 2 betrifft, die Entscheidung, was Waffenlieferungen betrifft, klingt einfach unfreundlich für die Ukraine. Wenn wir über Freundschaft sprechen, sprechen wir über Unterstützung und unsere gemeinsamen Ziele und Werte." 

Klitschko spricht aus, was Putin wohl am meisten ärgert, nämlich die großen Pläne der gebeutelten Ukraine: "Unser Ziel: in bestimmter, kurzer Zeit ein Teil der europäischen Familie zu werden. Wir kämpfen dafür. Unsere Pläne passen nicht in den Rahmen unseres östlichen Nachbarn. Denn Russland sieht die Ukraine als Teil des russischen Imperiums. Wir waren in der Sowjetunion, wir wollen nicht zurück in die UdSSR. Wir sehen unsere Zukunft in der europäischen Familie." 

So abonnieren Sie "heute wichtig" 

Verpassen Sie keine Folge von "heute wichtig" und abonnieren Sie unseren Podcast bei: Audio Now,Spotify, Apple Podcasts, Deezer, Castbox oder in ihrer Lieblings-Podcast-App. Bei inhaltlichen Fragen oder Anregungen schreiben Sie uns an heutewichtig@stern.de.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker