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"heute wichtig" Warum Ravensburger mit der Winnetou-Debatte doch etwas Gutes getan hat

Der junge Häuptling Winnetou (Mika Ullritz) in einer Szene aus "Der junge Häuptling Winnetou"
Der junge Häuptling Winnetou (Mika Ullritz) in einer Szene aus "Der junge Häuptling Winnetou". Der Film, der am 11. August in die Kinos kam, steht in der Kritik. Er bediene rassistische Vorurteile und nutze eine kolonialistische Erzählweise.
© Marc Reimann/Leonine Studios / DPA
Der Ravensburger Verlag stoppt das Kinderbuch "Der junge Häuptling Winnetou". Der Grund: Das Feedback der Nutzer:innen habe gezeigt, "dass wir mit den Winnetou-Titeln die Gefühle anderer verletzt haben". Niklas Ennen von der Organisation "Survival international" befürwortet die Entscheidung.  

Die Debatte ist in vollem Gange – von Ex-Außenminister Sigmar Gabriel, der sich als Winnetou-Fan outet bis zur Schauspielerin Uschi Glas, die das Verbot für übertrieben hält, äußern sich ganz viele prominente Köpfe dazu. Niklas Ennen arbeitet für "Survival international", seine Organisation arbeitet eng mit indigenen Völkern zusammen, führt Kampagnen durch und kämpft zum Beispiel für die Landrechte der Menschen. Ennen sagt in der 347. Ausgabe des Podcasts "heute wichtig": "Wir freuen uns darüber, dass die Diskussion angestoßen wurde, dass wir in der Gesellschaft darüber sprechen, wie stellen wir indigene Völker dar. Und gleichzeitig sagt das ja viel darüber aus, wie sehr die Geschichten von Winnetou und Bücher von Karl May unser Bild in Deutschland von diesen Völkern geprägt hat." 

"Winnetou"-Bücher sparen Teil der Geschichte aus

Mit der Kritik am Verlag kommt immer wieder auch das Argument, in den Büchern würde es ja um Freundschaft und Zusammenhalt gehen, alles ganz positiv aufgeladen. Doch genau das ist auch das Problem daran, meint auch Niklas Ennen: "Man muss ganz klar sagen, dass die weiße Siedlergesellschaft die indigene Bevölkerung Nordamerikas schrecklich behandelt hat, da kam es zu Übertragung von Krankheiten, zu einer brutalen Auslöschung der indigenen Bevölkerung und schlussendlich zu einem Völkermord." Und dieser Teil der Geschichte wird eben ausgespart, so entstehen schon bei Kindern und Jugendlichen ganz falsche Bilder im Kopf.  

Bedrohung durch die Mehrheitsgesellschaft  

Weltweit leben etwa 370 Millionen Menschen in etwa 70 Ländern, die eine indigene Herkunft haben. Sie haben oft einen anderen Lebensstil, einen ganz engen Bezug zu ihrem Land und einen engen Zusammenhalt in Gruppen. Durch Einmischung der Mehrheitsgesellschaft werden die indigenen Völker immer wieder verdrängt. "Christliche Missionare sind der Meinung, dass sie in indigene Gebiete vordringen dürfen, um zu missionieren, was häufig mit der Übertragung von Krankheiten und der Ausrottung dieser Menschen einhergeht. Ein weiteres großes Problem ist Landraub, das sehen wir meistens bei großem Ressourcenabbau oder Infrastrukturprojekten, dass sich das Land von indigenen Völkern angeeignet wird oder geraubt wird und auch das basiert auf einer kolonialen oder rassistischen Annahme, dass man diesen Menschen eine gewissen Entwicklung bringen müsste und dass sie selbst nicht wüssten, wie sie ihre Gebiete zu verwalten hätten", so Niklas Ennen bei "heute wichtig".  

Michel Abdollahi
© TVNOW / Andreas Friese

Podcast "heute wichtig"

Klar, meinungsstark, auf die 12: "heute wichtig" ist nicht nur ein Nachrichten-Podcast. Wir setzen Themen und stoßen Debatten an – mit Haltung und auch mal unbequem. Dafür sprechen Host Michel Abdollahi und sein Team aus stern- und RTL-Reporter:innen mit den spannendsten Menschen aus Politik, Gesellschaft und Unterhaltung. Sie lassen alle Stimmen zu Wort kommen, die leisen und die lauten. Wer "heute wichtig" hört, startet informiert in den Tag und kann fundiert mitreden.

Menschenrechte gelten auch für die indigene Bevölkerung  

Ein gutes Zusammenleben ist möglich, dabei müssen aber die Menschenrechte respektiert werden und diese Völker auch als zeitgenössische Gesellschaften wahrgenommen werden. Ganz zentral für indigene Völker ist das Recht auf Selbstbestimmung, dass sie selber entscheiden können, wie sie leben und dann ganz entscheidend ihre Landrechte. 

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les / rw

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