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"heute wichtig" Zoonosen: Wenn Tiere den Menschen krank machen

Fledermäuse in einer Höhle in Thailand: Krankheitsübertragungen vom Tier auf den Menschen wird es auch in Zukunft geben
Fledermäuse in einer Höhle in Thailand: Krankheitsübertragungen vom Tier auf den Menschen wird es auch in Zukunft geben
© Picture Alliance
Wenn Krankheitserreger von Tieren auf den Menschen übergehen, nennt man das Zoonose – wie vermutlich beim Coronavirus geschehen. Sicher ist: Sars-CoV-2 wird nicht die letzte Pandemie gewesen sein, sagt der Virologe und Zoonosen-Experte Prof. Stephan Ludwig.

Seit mehr als zwei Jahren beschäftigt die Corona-Pandemie Regierungen und Gesellschaften auf der ganzen Welt. Ihr Beginn könnte eine kleine Fledermaus in Wuhan gewesen sein, auf dem Huanan-Tiermarkt, auf dem auch wilde Tiere verkauft werden. Das hält die Weltgesundheitsorganisation WHO momentan für das wahrscheinlichste Szenario. In der 200. Folge des Podcasts "heute wichtig" geht Moderator Michel Abdollahi deshalb der Frage nach: Was sind eigentlich Zoonosen, welche Rolle spielen Fledermäuse dabei und was können wir tun, um weitere Pandemien dieses Ursprungs abzumildern? Antworten darauf liefert der Virologe und Zoonosen-Experte Prof. Stephan Ludwig, der auch auf die Bedrohung durch künftige Zoonosen hinweist: "Das ist eine große Gefahr, weil bei diesem Wirtswechsel Erreger auf den Menschen kommen können, von denen das menschliche Immunsystem noch nie etwas gehört hat. Und dann hat so ein Erreger natürlich leichtes Spiel." Denn Corona wird wohl nicht die letzte Pandemie sein, die wir erleben werden – dessen ist sich Prof. Ludwig sicher.

Die Schweinegrippe 2009 war auch eine Zoonose 

Wenn man über Pandemien spricht, ist der häufigste Vergleich zu Corona meist die Spanische Grippe, die zwischen 1918 und 1920 zwischen 20 und 100 Millionen Menschen dahinraffte – je nach Schätzung. Dabei ist die letzte Pandemie gar nicht mal so lange her, erinnert Prof. Ludwig, und verweist auf die sogenannte Schweinegrippe von 2009: "Die hatte glücklicherweise keine so schlimmen Auswirkungen, ist aber trotzdem um die ganze Welt gezogen, ohne dass irgendeine Maßnahme sie hätte stoppen können." 

Zoonosen sind gar nicht mal so selten, richten aber in den wenigsten Fällen einen so großen Schaden an, wie zum Beispiel Corona: "Wir können davon ausgehen, dass es Übertragungen von Tieren auf den Menschen relativ häufig gibt, wahrscheinlich täglich. Nur in den wenigsten Fällen schaffen es die Erreger, sich so anzupassen, dass sie sich im Menschen vermehren können. Das ist glücklicherweise relativ selten." Dabei wird es zukünftig eher noch mehr als weniger Zoonosen geben, erklärt Prof. Ludwig. Die Weltbevölkerung wächst und sucht sich neue Lebensräume, womit sie in das Ökosystem von Tieren eindringt, die ebenfalls ihre eigenen Erreger haben. Die könnten potenziell übertragen werden und sich durch den technischen Fortschritt auch weltweit schneller ausbreiten, erklärt der Virologe. 

Michel Abdollahi
© TVNOW / Andreas Friese

Podcast "heute wichtig"

Klar, meinungsstark, auf die 12: "heute wichtig" ist nicht nur ein Nachrichten-Podcast. Wir setzen Themen und stoßen Debatten an – mit Haltung und auch mal unbequem. Dafür sprechen Host Michel Abdollahi und sein Team aus stern- und RTL-Reporter:innen mit den spannendsten Menschen aus Politik, Gesellschaft und Unterhaltung. Sie lassen alle Stimmen zu Wort kommen, die leisen und die lauten. Wer "heute wichtig" hört, startet informiert in den Tag und kann fundiert mitreden.

Der One-Health-Ansatz 

Was können wir also tun, was haben wir aus der Corona-Pandemie gelernt? Eine Antwort auf mögliche weitere Pandemien könnte der One-Health-Ansatz sein. "One Health" bedeutet nichts anderes als die Achtung aller Lebewesen, von der am Ende auch die Menschen profitieren. "Es gibt nur eine Gesundheit: Die Gesundheit der Umwelt, die Gesundheit von Tieren und die Gesundheit des Menschen. Das ist alles eins und steht in einer sehr engen Balance", so der Zoonosen-Experte Stephan Ludwig bei "heute wichtig". Dieser respektvolle Umgang mit allem, was lebt, könnte demnach nicht nur präventiv für künftige Pandemien sein, sondern möglicherweise auch die Antwort auf andere Bedrohungen wie die Klimakrise.

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tis / db

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