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M. Streck: Last Call: Boris Johnson, der ewige Schwerenöter, rüstet sich für den Einzug in 10 Downing Street

Boris Johnson ist wieder mal in den Schlagzeilen. Seine Frau lässt sich scheiden, er turtelt mit einer Jungen. Aber auch das wird an ihm abtropfen. Wie immer.

Boris Johnson, ehemaliger Außenminister von Großbritannien

Boris Johnson, ehemaliger Außenminister von Großbritannien

Am Ende einer überaus turbulenten Woche holte Boris Johnson noch mal aus. Diesmal in der "Mail on Sunday". Er keilte gegen die seines Erachtens zu weichen Pläne der Premierministerin für den Brexit und verglich die mit einem Sprengstoffgürtel, den Brüssel jederzeit detonieren lassen könne. Außerdem wirke Mays Britannien gerade wie ein leichtgewichtiger Schwächling, den ein 500 Pfund schwerer Gorilla durch die Mangel zieht. Bumm, Bumm, Boris. Wieder mal.

Putzigerweise erschien sein Kommentar in einer Ausgabe, die er auch ansonsten weitgehend füllte. Denn der frühere Außenminister, hauptamtliche Brexit-Lautsprecher und ewige May-Widersacher lässt sich nach 25 Jahren Ehe von seiner Frau Marina Wheeler scheiden. Oder besser umgekehrt. Wheeler, die Mutter ihrer vier gemeinsamen Kinder, zieht nach diversen Affären ihres Noch-Gatten endgültig die Reißleine. Es entbehrt dabei nicht einer gewissen Ironie, dass sich die beiden just zu einem Zeitpunkt kennen und lieben lernten, als Johnson noch mit seiner ersten Frau verheiratet war.

Boris Johnson soll mit einer jungen Schönen aus der eigenen Partei turteln

Wheeler, eine Anwältin, kannte das mithin aus erster Hand, warf ihn mehrere Male aus dem Haus und nahm ihn wieder auf, wenn er reuig angekrochen kam. Nun aber ist endgültig Schluss, weil der libidinös agile Boris dem Vernehmen nach mit einer jungen Schönen aus der eigenen Partei turtelt und daraus auch gar kein Geheimnis macht. Die junge Schöne könnte seine Tochter sein. Ihn selbst überrascht sein Schlag bei den Frauen. Seiner ehemaligen Geliebten Petronella Wyatt vertraute er mal an, er schaffe es immer wieder bei den Damen zu landen, obwohl er sich keineswegs für attraktiv halte und nach eigenem Bekunden wenigstens eine halbe Stunde dafür brauche, sein Gesicht wegzureden.

Das ist sein Erfolgsgeheimnis, genau das kann er am besten: reden. Auf diese Art bekam er den Brexit hin, obschon er es mit Wahrheit und Fakten nie genau hielt und während seiner Zeit als Journalist ein paar Mal gefeuert wurde wegen Übertreibungen und Lügen.

Er überstand alles, ging in die Politik. Und nun wird die Chose etwas komplizierter. Johnsons turbulentes Liebesleben? Geschenkt. Sein Umgang mit der Wahrheit? Nicht geschenkt. An dieser Stelle, auch darin weiden sich die Blätter genüsslich, kommt Downing Street ins Spiel, die der ewigen Ausfälle und Beckmessereien Johnsons überdrüssig ist. Offenkundig haben Theresa Mays Berater ein Dossier angelegt, eine Art Schmutzkladde – Affären, Koks, Pleiten und Pannen und diplomatische Peinlichkeiten. Wenn wirklich alles da drin steht, dürfte die Kladde dick wie Tolstois "Krieg und Frieden" sein.

Brexit-Hardliner sehen Johnson als neuen Premierminister

Bislang war es allerdings so, dass an Boris alles abtropfte, darin Donald Trump nicht unähnlich. Er konnte tun und sagen, was er wollte – in konservativen Kreisen blieb und bleibt er der populärste Politiker. Die Brexit-Hardliner sehen in ihm auch deshalb den idealen Nachfolger für die schwächelnde Premierministerin. Ihm kommt dabei zupass, dass er sein Geschwätz von gestern gleich am nächsten Morgen schon vergessen hat. Einst sagte er, seine Chancen Premierminister zu werden, seien in etwa so groß "wie Elvis Presley auf dem Mars zu finden oder als Olive wiedergeboren zu werden". Und vor gar nicht langer Zeit noch pries er auch die Europäische Union in höchsten Tönen. Ein Rückzug aus der Gemeinschaft "würde Großbritanniens Einfluss besorgniserregend mindern".

Auch das steht in der Schmutzkladde, die in Westminster unter dem Pseudonym "War Book 2" firmiert und wohl dann gespielt wird, wenn Johnson mobil macht. Boris, muss man wissen, rüstet offenbar für den bevorstehenden Parteitag der Konservativen in Birmingham und will dort die Temperatur für einen Coup testen. Insofern kommen ihm die Veröffentlichungen über die Scheidung und seine neue Flamme gar nicht mal ungelegen. Bis zur Konferenz hat sich das versendet. War ja immer so. Er wird dort vor tausend Leuten reden, er wird Applaus bekommen, womöglich sogar Ovationen.

Es ist jedenfalls nicht ausgeschlossen, dass eine wiedergeborene Olive in die Downing Street zieht und Elvis ihm dazu vom Mars ein Ständchen bringt. Wie wär's mit "Love me tender"?