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Die Morgenlage: Deutsche Kliniken erwarten drastische Zunahme der Zahl von Corona-Patienten

Frankreich verhängt wegen Coronavirus-Pandemie Ausgangssperre +++ Merkel wirbt bei Bürgern um Verständnis für Anti-Corona-Maßnahmen +++ CureVac bekommt "bis zu 80 Millionen Euro" EU-Kredite für Corona-Impfstoff +++ Die News zum Start in den Tag auf stern.de

Ein Mitarbeiter vom Klinikum Bremen-Ost läuft in Schutzkleidung durch die Zelte der Corona-Ambulanz

Ein Mitarbeiter vom Klinikum Bremen-Ost läuft in Schutzkleidung durch die Zelte der Corona-Ambulanz, in denen Patienten auf den Corona-Test warten. Experten rechnen damit, dass auch deutsche Kliniken im Zuge der Corona-Pandemie an ihre Grenzen geraten werden.

DPA

Guten Morgen, liebe Leserinnen und liebe Leser,

noch immer sterben jeden Tag weltweit hunderte Menschen an den Folgen des Coronavirus. Und trotzdem scheint es so, als hätten einige den Ernst der Lage noch nicht erkannt: Aus mehreren deutschen Städten berichten Reporter von vollen Einkaufsstraßen, Biergärten, Cafés und Restaurants. Die Gefahr einer Ansteckung ist vielen noch nicht bewusst – obwohl Kanzlerin Angela Merkel in den letzten Tagen immer wieder an die Vernunft der Bürger appelliert hatte, Sozialkontakte einzuschränken.

Frankreich geht nun einen drastischeren Weg: Am Montagabend verkündete Präsident Emmanuel Macron eine landesweite Ausgangssperre. Hilft sie dabei, das Virus endlich einzudämmen?

Die Schlagzeilen zum Start in den Tag:

"Wir sind im Krieg": Frankreich verhängt wegen Coronavirus-Pandemie Ausgangssperre

Im Kampf gegen die Verbreitung des Coronavirus schränkt Frankreich die Bewegungsfreiheit seiner Bürger stark ein. Die Menschen dürfen ihre Häuser nur noch verlassen, um einzukaufen oder zum Arzt oder zur Arbeit zu gehen, sagte Staatschef Emmanuel Macron am Montagabend in einer TV-Ansprache. "Wir sind im Krieg", sagte er. Die Einschränkungen sollen von Dienstagmittag an gelten und für mindestens 15 Tage aufrechterhalten werden. "Wir kämpfen weder gegen Armeen noch gegen eine andere Nation. Aber der Feind ist da, unsichtbar - und er rückt vor."

Merkel wirbt bei Bürgern um Verständnis für Anti-Corona-Maßnahmen

Bundeskanzlerin Merkel hat bei den Bürgern um Verständnis für die drastischen Einschränkungen zum Schutz vor Corona-Infektionen mit dem Coronavirus geworben. Einschneidende Maßnahmen seien nötig, "um das Infektionsgeschehen zu verlangsamen", sagte Merkel am Abend in Berlin. Sie hob hervor, dass die Beschlüsse zwischen Bund und Ländern abgestimmt seien, um ein möglichst einheitliches Vorgehen zu gewährleisten.

Zuvor hatte die Bundesregierung mitgeteilt, dass Geschäfte mit Ausnahme des Lebensmittelhandels und anderer lebensnotwendiger Bereiche geschlossen werden sollen. Auch sonst soll das öffentliche Leben weitgehend lahmgelegt werden. So soll es keine Veranstaltungen oder Versammlungen über den kleinen, privaten Kreis hinaus mehr geben. Reisen sollen nicht nur ins Ausland, sondern auch im Inland abgesehen von dringenden Fällen nicht mehr stattfinden.

Deutsche Kliniken erwarten drastische Zunahme der Zahl von Corona-Patienten

ie deutschen Krankenhäuser erwarten, dass die Zahl ihrer Corona-Patienten in den nächsten Tagen drastisch steigt. Sollte es bis Ende der Woche 20.000 bestätigte Infektionsfälle in Deutschland geben, sei damit zu rechnen, dass davon bis zu 1500 Patienten in den Krankenhäusern behandelt werden müssten, sagte der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gaß, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Dies wäre nach seinen Angaben eine Verdreifachung der Zahl der derzeit in den Klinken behandelten Corona-Patienten. Die Krankenhäuser seien aber auf einen solchen Anstieg der Corona-Krankenzahlen vorbereitet und nicht überfordert. Nach den jüngsten Zahlen des Robert-Koch-Instituts gibt es hierzulande inzwischen 6012 bestätigte Corona-Infektionen. 13 der Infizierten starben.

CureVac bekommt "bis zu 80 Millionen Euro" EU-Kredite für Corona-Impfstoff

Das deutsche Pharmaunternehmen CureVac soll von der EU Kredite von bis zu 80 Millionen Euro erhalten, um die Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus zu beschleunigen. Nach Angaben der EU-Kommission soll die finanzielle Unterstützung über ein per EU-Garantie abgesichertes Darlehen der Europäischen Investitionsbank erfolgen. Den Angaben zufolge hat CureVac bereits ein laufendes Entwicklungsprogramm für einen Impfstoff gegen das Coronavirus und will klinische Tests im Juni starten. Das im Jahr 2000 gegründete Unternehmen aus Tübingen hatte am Sonntag Medienberichte dementiert, es gebe ein Kaufangebot der US-Regierung, die sich die Produktion eines möglichen Impfstoffes sichern wolle.

Dax fällt erstmals seit 2016 unter die Schwelle von 9000 Punkten

Die Talfahrt der Börsen wegen der Coronavirus-Pandemie hat sich auch zu Wochenbeginn fortgesetzt. Der Deutsche Aktienindex (Dax) schloss gestern mit 8742 Punkten und einem Minus von 5,31 Prozent. Auch die US-Börsen erlebten erneut einen schwarzen Tag. An der Wall Street brach der Leitindex Dow Jones um knapp 13 Prozent ein und endete bei rund 20.188 Punkten. Das war der stärkste Rückgang seit dem sogenannten schwarzen Montag vom Oktober 1987. 

Das wird heute wichtig:

Uefa berät über Verschiebung von Fußball-EM wegen Coronavirus-Pandemie

Der europäische Fußballverband Uefa berät heute (14 Uhr) in einer Videokonferenz darüber, ob die Europameisterschaft wegen der Coronavirus-Pandemie möglicherweise verschoben wird. Laut Sportinformationsdienst (sid) wird das Turnier voraussichtlich nicht in der bisher geplanten Form stattfinden. Wegen der Ausbreitung des Coronavirus sind bereits zahlreiche Fußballpartien in Europa und weltweit abgesagt worden, darunter Begegnungen der Champions League und der Europa League. Die Europameisterschaft soll eigentlich vom 12. Juni bis zum 12. Juli in mehreren europäischen Ländern, darunter Deutschland, stattfinden. Für das Eröffnungsspiel ist Rom, die Hauptstadt des besonders stark von der Corona-Pandemie betroffenen Italien, vorgesehen. Die EM könnte um ein paar Monate verschoben oder sogar in den Sommer 2021 verlegt werden. 

Merkel und Erdogan beraten per Telefonkonferenz über Flüchtlingskrise

Bundeskanzlerin Merkel, Frankreichs Staatschef Macron und der türkische Präsident Erdogan beraten heute über die Flüchtlingskrise an der türkisch-griechischen Grenze. Wegen der Coronavirus-Pandemie finden die Beratungen nicht wie geplant in Istanbul statt, sondern per Telefonkonferenz.

Erdogan hatte Ende Februar die Grenzen seines Landes zur EU für geöffnet erklärt. Daraufhin kam es zu einem starken Flüchtlingsandrang an der türkisch-griechischen Grenze. Griechische Behörden hielten die Grenzen geschlossen und drängten Flüchtlinge teilweise unter dem Einsatz von Tränengas zurück. Die Lage befeuerte den Flüchtlingsstreit zwischen der Türkei und der EU. Die EU wirft der Türkei vor, die Migranten als Druckmittel zu missbrauchen. Die Türkei wiederum beschuldigt die EU, ihre Zusagen aus dem im März 2016 geschlossenen Flüchtlingsabkommen nicht einzuhalten.

Nächste Vorwahlrunde der US-Demokraten

Im Duell der demokratischen US-Präsidentschaftsbewerber Joe Biden und Bernie Sanders steht an diesem Dienstag die nächste große Vorwahl-Runde an. Abgestimmt wird in mindestens drei Bundesstaaten: Arizona, Florida und Illinois. Auch in Ohio sollte abgestimmt werden, dort sollen nach dem Willen des Gouverneurs aber die Gesundheitsbehörden dafür sorgen, dass wegen der Gefahren des Coronovirus die Wahllokale geschlossen bleiben. Erste Wahllokale öffnen gegen Mittag deutscher Zeit. Ergebnisse werden nach deutscher Zeit erst am Mittwoch erwartet.

Die Demokraten stimmen darüber ab, wen sie für den besten Kandidaten ihrer Partei für die Präsidentschaftswahl im November halten. Ex-US-Vizepräsident Biden, 77, und der linke Senator Sanders, 78, liefern sich einen Zweikampf um die Nominierung. Es könnte eine wegweisende Vorwahl-Runde werden.

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag und gute Nerven im Alltag in Coronavirus-Zeiten.
Ihre stern.de-Redaktion

mik / DPA / AFP