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Katrin Göring-Eckardt "Wenn du das Klo nicht putzen kannst, findest du nie eine Frau!"

Katrin Göring-Eckardt
Katrin Göring-Eckardt
© Carolin Windel / stern
Katrin Göring-Eckardt ist Politikerin und Fraktionsvorsitzende Bündnis90/Die Grünen. Als eine von 40 Frauen spricht sie sich im stern solidarisch für die Frauenquote aus.

Frau Göring-Eckardt, warum gibt es immer noch so wenig Frauen in Spitzenpositionen in Deutschland?    

Ich glaube, die alten Seilschaften funktionieren einfach zu gut. Mit Bitten erreichen wir zu wenig. Wir brauchen Verpflichtungen. Und ich finde auch, wir haben keinen Grund zu bitten. Die Hälfte der Menschheit sind Frauen, es gibt keinen Grund darum nur zu bitten, dass sich dies auch in den Unternehmen widerspiegelt. 

Was waren die Momente in Ihrer beruflichen Laufbahn, wo Sie gemerkt haben, ich werde anders behandelt?  

Als Politikerin merken sie das schon, wenn sie eine Rede im Deutschen Bundestag halten. Die Mikroanlage ist nur auf Männerstimmen ausgelegt und nicht auf Frauenstimmen, die etwas heller sind. Das heißt, wenn sie sich als Frau nicht auf die Anlage einstellen und bewusst tiefer sprechen, dann wird ihre Stimme nicht gut übertragen, sondern kommt nur bis zur Hälfte des Plenarsaals.

Wenn jemand Sie als Quotenfrau bezeichnet, sind Sie dann stolz oder empfinden Sie das als Beleidigung?

Der Stolz hat sich erst im Laufe der Zeit entwickelt. Der negative Unterton: Du bist ja hier nur, weil du eine Frau bist, ist weg. Heute sage ich mit Stolz und voller Überzeugung: Ja, ich bin eine Quotenfrau.

Frauen haben heutzutage die gleiche Ausbildung wie Männer, oft sogar die besseren Abschlüsse – und kaum kommt ein Kind auf die Welt, fallen sie in alte Rollenklischees zurück. Wieso?

Viele reduzieren dann auf Teilzeit oder steigen ganz aus – und zwar nicht nur für ein paar Monate, sondern für Jahre. Da muss es andere Weichenstellungen geben, etwa beim Elterngeld. Der Anreiz muss sein, dass beide gleichlang in Elternzeit gehen. Die Quote allein reicht nicht, um Frauen zu fördern.

Müssen sich Frauen auch gegenseitig stärker stützen?

Klar, im Zeitalter von Social Media geht das auch sehr gut. Ich kommentiere und like beispielsweise ganz oft junge, interessante Frauen, die ich mit meiner Reichweite voranbringen kann. Ich bringe auch gerne Leute zusammen oder gebe meine Erfahrungen weiter. Aber nicht so, dass sie denken, da kommt Muddi und die sagt dir mal, wo es lang geht. Das wissen die schon selbst sehr gut.

Sie haben zwei erwachsene Söhne. Haben Sie bei der Erziehung darauf geachtet, keine Chauvis ranzuziehen?

Wir hatten immer den Spruch: Wenn du das Klo nicht putzen kannst, findest du nie eine Frau. Ich hoffe, dass das ganz gut geklappt hat. Beide haben eine Partnerin und teilen sich - soweit ich das weiß - die Hausarbeit und die Zeiten mit den Kids.

Uns interessieren auch Ihre Erfahrungen und Ihre Meinung. Wie sieht es in Ihrem Job aus? Könnten Sie mehr Frauen oder Männer gebrauchen? Schreiben Sie uns unter quotenfrau@stern.de


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