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Rassismus-Debatte: Betreiberin der "Hofapotheke zum Mohren" will Namen nicht ändern

Apothekerin Kerstin Podszus sorgt sich nach der aktuellen Diskussion in Frankfurt darum, dass sich womöglich bald alle "Mohren-Apotheken" in Hessen einen neuen Namen suchen müssen. Obwohl es bisher keinerlei Vorgaben dazu gibt, startete die 47-Jährige eine Unterschriftenaktion.

Das Schild einer deutschen Mohren-Apotheke

Es gibt in Deutschland viele "Mohren-Apotheken". Ob das sein muss, darüber wurde aktuell in Frankfurt diskutiert.

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Tradition hin oder her – in Frankfurt ist man im Jahr 2018 der Meinung: Rassistische Namen und Logos haben im Stadtbild nichts mehr verloren. Zumindest einem Vorschlag der dortigen Kommunalen Ausländervertretung zufolge. Die regte an, beispielsweise die zahlreichen "Mohren- " umzubennen. Die heißen größtenteils seit mehr als hundert Jahren so, heute gilt "Mohr" aber als rassistischer Begriff.

Zur Verdeutlichung: Es handelt sich hier um einen Vorschlag vor der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung, nicht um ein Gesetz oder einen Befehl. Bisher wird lediglich darüber diskutiert. Doch wie zu erwarten war, teilten sich die Meinungen schnell in zwei extreme Lager: Eine Seite fand die Anregung richtig und längst überfällig, die andere hatte Angst, dass ihr irgendetwas weggenommen wird, und pöbelte auf die "übertriebene Political Correctness".

Eine Apothekerin aus dem hessischen Friedberg nutzte die allgemeine Aufregung für eine Marketingaktion in eigener Sache. Seit 1621 existiert in Friedberg die "Hofapotheke zum Mohren". Nach der Namens-Diskussion in packte die Betreiberin Kerstin Podszus, 47, die Sorge, auch bald den Namen des Ladens ändern zu müssen.

Ihre ganz menschliche Befürchtung – seit immerhin 99 Jahren ist die Apotheke in Familienbesitz – stieß allerdings im falschen Lager auf Beifall. Rechtskonservative sprangen der Frau bei, obwohl ihr noch gar keine konkrete "Gefahr" droht. Und Kerstin Podszus ließ sich zu unglücklichen Äußerungen hinreißen wie der, dass kürzlich auch ein "Farbiger" bei ihr eingekauft und den Namen der Apotheke nicht störend gefunden habe. Als sei das übertragbar auf alle in Deutschland lebenden (und einkaufenden) Schwarzen.

Podszus startete sogar eine Unterschriftenaktion. Für den Fall, dass "von oben" die Forderung einer Namensänderung komme. Alle ihre Kunden hätten bisher unterschrieben, so die Apothekerin. „Wir sind eine Institution, die jeder kennt. Ich wüsste nicht, ob ich als kleine Einzelapothekerin dann weiterbestehen könnte“, sagte die 47-Jährige der "Bad Vilbeler Neuen Presse". „Nicht eine Sekunde denke ich über eine Namensänderung nach.“

Es ist allerdings zu vermuten, dass nur die wenigsten Kunden wegen des Namens in einer speziellen Apotheke einkaufen – oder diesen überhaupt bewusst wahrnehmen. Sondern eher, weil dort die Mitarbeiter besonders freundlich sind, die benötigten Medikamente immer vorrätig sind oder der Laden praktischerweise auf dem Weg liegt.

Und wenn überhaupt ein Name positiv auffällt, dann ist es doch "Einhorn-Apotheke", oder?

WT
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