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120 Radrouten ADAC prüft Radwege in Großstädten: Nur Kiel überzeugt – und das sind die Schlusslichter

ADAC testet Radwege: Radfahrer muss Auto auf Radweg ausweichen
Insgesamt 120 Radrouten in zehn deutschen Großstädten hat der ADAC auf Herz und Nieren geprüft. Das Gesamturteil fiel durchwachsen aus. Nur eine Stadt konnte die Tester restlos überzeugen.
© Hauke-Christian Dittrich / Picture Alliance
Ein durchwachsenes Zeugnis hat der ADAC den Radwegen in zehn deutschen Großstädten ausgestellt. Nur ein Nordlicht konnte die Tester komplett überzeugen. Dagegen kassierten zwei Landeshauptstädte für ihre Radwege das Urteil "Mangelhaft". 

Nach einem aktuellen Test hat der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) die häufig zu schmalen Radwege in den deutschen Städten scharf kritisiert. Rund jeder dritte Radweg erfülle nicht einmal den Mindeststandard, teilte der ADAC unter Berufung auf eine aktuelle Stichprobe von 120 Routen in zehn Städten mit. "Die Regelbreiten erreichte oder überschritt sogar nur jeder fünfte Radweg." Das ist vor allem deshalb bedenklich, weil in Zeiten von Corona immer mehr Menschen das Zweirad neu für sich entdecken. 

Vorbildlich: Kiel kann ADAC-Tester überzeugen

Der Auto-Club hatte in den fünf Landeshauptstädten mit dem höchsten sowie den fünf Landeshauptstädten mit dem niedrigsten Radanteil am Verkehr überprüft, ob die bestehenden Radwege dem immer größer werdenden Andrang gewachsen sind. Als Maßstab legten die Münchner die geltenden gesetzlichen Empfehlungen an, wonach beispielsweise ein nur in einer Richtung zu befahrender Radweg mindestens 1,60 Meter, im Regelfall aber mindestens zwei Meter breit sein sollte. Doch davon waren die meisten der 120 Routen zum Teil weit entfernt. Einzig Kiel, die 250.000-Einwohnerstadt an der Förde, erreichte bei dem Test ein gutes Gesamturteil. Dort fiel keine einzige der elf geprüften Routen durch. Fünf bewertete der ADAC mit dem Urteil "sehr gut" oder "gut".

ADAC - Grafik mit den Ergebnissen des Radwege-Tests
120 Radrouten in zehn Landeshauptstädten nahmen die Tester des ADAC unter die Reifen. Und das sind die Bewertungen im Detail.
© ADAC e.V.

Ganz anders das Bild im Rest der Republik. Bremen, Dresden, Erfurt, München, Saarbrücken, Stuttgart und Wiesbaden erhielten für ihre Radwege im Durchschnitt ein "ausreichend". In der Schule entspricht das der Note 4. Oder anders gesagt: Ausbaufähig. Mit insgesamt vier guten oder sehr guten Radwegen sticht die sächsischen Landeshauptstadt Dresden aus der Liste dieser sieben Städte heraus.  

"Sehr mangelhaft": Die "rote Laterne" hängt im Südwesten

Noch düsterer sieht es in Hannover und Mainz aus. Dort trifft es Radfahrer nach Meinung der ADAC-Experten besonders hart. Mit dem Prädikat "mangelhaft" quittierten sie die meisten der dort untersuchten Radwege. Die rote Laterne geht an die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt. Dort bewerteten die Prüfer 70 Prozent der Routen als mangelhaft oder sehr mangelhaft. ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand verlangt von den Städten vor allem, auf den Boom von Lastenfahrrädern, Anhängern und E-Scootern zu reagieren. Beim Bau neuer Radwege solle auf die Einhaltung der Regelbreite geachtet werden und die Mindestbreite nur eine Ausnahme sein, so Hillebrand. Zugleich wies er darauf hin, dass dabei "die Belange aller Beteiligten wie Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer, Anwohner, Gewerbetreibende und Lieferverkehr" berücksichtigt werden müssten.

Neben oft unzureichend breiten Radwegen stellten die Tester beim Abfahren der Strecken auch andere Behinderungen fest: In einigen Städten werden Radfahrer durch falsch geparkte Autos, wuchernde Pflanzen, Bäume, Masten oder schlecht angebrachte Verkehrsschilder behindert. Auch hier liegt es an den Städten und Kommunen, auf frei befahrbare Radwege zu achten und Verstöße zu ahnden.

Quelle:  ADAC e.V.

js DPA

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