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Umstrittene Offerte: Sotheby's-Franchise will Hitler-Hotel verkaufen – und bricht damit Diskussion vom Zaun

Eine Liegenschaft mit düsterer Vergangenheit bietet zurzeit das Auktionshaus Sotheby's International Realty an. 3,65 Millionen Euro müssen Interessenten für das Hotel "Zum Türken" auf dem Obersalzberg hinlegen – ein Haus, in dem Adolf Hitler und die Gestapo einst Pläne schmiedeten. 

Das Hotel "Zum Türken" auf dem Obersalzberg

Ein "denkmalgeschütztes Hotel mit Nebenhaus und Kiosk" bietet das Auktionshaus Sotheby's München im Internet an. Doch die Liegenschaft auf dem Obersalzberg hat eine dunkle Vergangenheit. 

DPA

Normalerweise lecken sich finanzkräftige Investoren die Finger nach denkmalgeschützten Immobilien. Zumal in einer solch exquisiten Lage wie dieser. Doch bei dem Objekt, das Sotheby's International Realty derzeit auf seiner Website anbietet, ist das womöglich anders. Im Angebot ist das Hotel "Zum Türken" im Berchtesgadener Land. Die Anschrift: Hintereck 2, 83472 Berchtesgaden. Das 1911 erbaute Gasthaus steht in exponierter Lage auf dem Obersalzberg. Und spätestens jetzt dürfte es bei vielen klingeln. 

Sotheby's schwärmt – düstere Vergangenheit tabu

Von einem "außerordentlich schönen Anwesen, das sich seinen Charme bewahrt hat" ist in der Anzeige die Rede. Als "Zeitreise durch eine traumhafte Landschaft" wird die Immobilie mit 17 Schlafzimmern beschrieben. Was Sotheby's International Realty komplett verschweigt: In der 1.280 Quadratmeter großen Herberge residierten und nächtigten einst Mitarbeiter des Reichssicherheitsdienstes und der Gestapo. Direkt nebenan – im nach Kriegsende gesprengten Landsitz "Berghof" – bernachtete Adolf Hitler. Häufig hielt er in dem Nachbarhaus Reden – schwörte seine Schergen auf die perfiden Pläne ein. Kein Wort findet man dazu in der Anzeige.

Nazi-Schmiereien offenbaren mangelnde Deutschkenntnisse

Das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte wird in dem Inserat mit keiner Silbe erwähnt und schlicht unter den Teppich gekehrt. Stattdessen soll der Käufer mit dem Haus "seinen Traum vom eigenen Hotel in Berchtesgaden wahr machen". Zuerst hatte die "Passauer Neue Presse" über die Auktion berichtet. Demnach befasst sich sogar der bayerische Landtag mit dem Thema.

Rechtsextreme haben offenbar kein Interesse

So fürchtet Karl Feller, Vizepräsident des bayerischen Landtags und Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, dass das Objekt in falsche Hände geraten und als Wallfahrtsstätte instrumentalisiert werden könnte. Im "Donaukurier" fordert er deshalb den Freistaat Bayern auf, sich das Anwesen zu sichern. Laut der Zeitung habe der Verfassungsschutz des Landes derzeit aber keine Befürchtung, dass die Anlage in falsche Hände fallen könnte. Es lägen keine Erkenntnisse darüber vor, dass Rechtsextreme eine Kaufabsicht kommuniziert hätten. Und selbst wenn dem so wäre, gibt es laut Innenministerium keine Möglichkeit, rechtlich gegen potenzielle Käufer vorzugehen. Auch dann nicht, wenn es sich um "Ewiggestrige" handle.

js

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