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Nach Abstürzen: 737-Desaster für Boeing – immer wieder Pannen bei neuen Modellen

Die Boeing 737 Max und ihr Hersteller stehen nach zwei Abstürzen innerhalb weniger Monate in der Kritik. Es ist aber nicht das erste Mal, dass Boeing Probleme mit einem neuen Modell hatte.

Eine Boeing 787 "Dreamliner"

Die Boeing 787 "Dreamliner" sorgte über Jahre bei Boeing für schwere Probleme

DPA

Sie sollte der Heilsbringer für den US-Flugzeughersteller Boeing werden, das neue "Arbeitstier" der Luftfahrt: die Boeing 737 Max. Die Verkaufszahlen und Bestellungen ließen den Flugzeugbauer optimistisch in die Zukunft blicken. Über 5000 Bestellungen stehen in den Auftragsbüchern, mehr als 350 Stück des Max-Jets wurden ausgeliefert.

Die beiden Abstürze einer 737 Max – zuerst im Oktober 2018 bei Lion Air und jüngst bei Ethiopian Air – lösten international nicht nur Bestürzung, sondern auch Kritik am Hersteller Boeing und Zweifel an der Sicherheit des neuen Flugzeugs aus. Bereits im vergangenen Jahr warnten US-Piloten vor Problemen mit Sensoren im Flugzeug, die bei Fehlfunktion einen Sturzflug einleiten könnten.

Probleme bei Prestigeflieger "Dreamliner"

Das Image von Boeing ist durch die Abstürze und die entflammte Diskussion um die Sicherheit der Flieger deutlich angekratzt. Doch es ist nicht das erste Mal, dass Boeing wegen Pannen und Sicherheitsmängeln in ein schlechtes Licht gerät.

Bereits beim Großprojekt Boeing 787, auch bekannt als "Dreamliner", reihte sich eine Panne an die andere, es kam auch – wie jetzt bei der 737 Max – zu einem Flugverbot. Der neue Jet sollte die starke Position des Flugzeugherstellers im Langstrecken-Markt festigen. Doch schon zu Beginn wurde es für Boeing und sein neues Projekt nicht einfach.

Schon 2007 erste Schwierigkeiten

Im Jahr 2007 hatte Boeing erste Probleme mit japanischen Zulieferern für die 787. Der Erstflug sollte im darauffolgenden Jahr stattfinden. Noch im selben Jahr gab es zusätzlich noch Softwareprobleme. Diese sollten acht Jahre später – als der Langstreckenflieger schon bei vielen Airlines im Dienst war – nochmal zum Problem werden.

Die Probleme gingen auch im Jahr 2009 weiter, noch bevor der "Dreamliner" im Dezember desselben Jahres zu einem ersten Testflug abheben konnte. Im Jahr zuvor gab es Probleme mit den Nieten am Flugzeug. Der Konzern musste wegen neu aufgetauchter Fehler auf der Außenhaut des Prestigefliegers die Produktion von Rumpfteilen bei einem Zulieferer stoppen lassen. Außerdem gab es Strukturprobleme an dem Jet. Schon zu diesem Zeitpunkt lag Boeing zwei Jahre hinter dem Zeitplan. Der erste Auslieferungstermin wurde damals auf 2010 verschoben.

Liefertermin mehrfach verschoben

Eine Ursache für die Probleme mit den Flugzeugteilen: Das Flugzeug sollte nicht wie sonst üblich aus Aluminium, sondern aus Verbundfaserstoffen bestehen. Auf diese Weise sollte der "Dreamliner" leichter werden und weniger Treibstoff verbrauchen. Doch wegen des verzögerten Zeitplans stornierten schon erste Kunden ihre Aufträge. 2010 musste der Auslieferungstermin nochmal verschoben werden, weil es Probleme mit der Energieversorgung des Flugzeugs gab. Boeing behob die Probleme.

2011 war es dann endlich soweit: Erstkunde All Nippon Airways nahm den ersten "Dreamliner" in Dienst. Doch Boeing konnte nicht lange aufatmen. Im Januar 2013 kam es kurz hintereinander zu zwei Bränden an Batterien durch Überhitzung in den nagelneuen Flugzeugen, zuerst bei Japan Airlines und neun tage später bei All Nippon Airways. Die US-Luftfahrtbehörde FAA ordnete ein Flugverbot des Flugzeugtyps an. Im April durfte der "Dreamliner" wieder mit Passagieren abheben, nachdem es Testflüge gab.

Auch bei Airbus gibt es Probleme

Dann gab es einen neuen Schreck bei der 787: Die FAA ordnete einen Austausch der Software an, da diese bei längerem Betrieb die Generatoren abschaltet und einen Stromausfall im Flugzeug verursacht, womit Piloten die Kontrolle über das Flugzeug verlieren könnten. Doch mittlerweile fliegt die Boeing 787 ohne größere Probleme. Über 1400 Mal ist das Flugzeug von Airlines bestellt worden, 800 Stück sind schon geliefert und im Einsatz rund um die Welt.

Doch nicht nur Boeing hat mit Problemen zu kämpfen. Konkurrent Airbus hatte bei seinem Prestigeflieger A380 Probleme mit Rissen in den Tragflächen und den Triebwerken. Inzwischen zogen viele ihre Bestellungen für den A380 zurück, das Ende der Produktion des Modells ist inzwischen angekündigt.

An einer Maschine der australischen Quantas explodierte sogar eines der Triebwerke während eines Fluges. Beim neuen Airbus A320neo gibt es ebenfalls Probleme mit den Triebwerken, allerdings bei einem Zulieferer.

Flugzeugmodell 737 MAX 8: Sperrungen nach Boeing-Absturz – Druck auf US-Luftfahrtbehörde steigt

Quellen: Boeing (1), Boeing (2), Boeing (3), Boeing (4), Nachrichtenagentur AP (1)Nachrichtenagentur AP (2), "WirtschaftsWoche", "Handelsblatt", Tagesschau (1), Tagesschau (2), aero.de, "Welt", Nachrichtenagentur Reuters, "Süddeutsche Zeitung" (1), "Süddeutsche Zeitung" (2), "The New York Times", NBC News, "Spiegel Online", FAA

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