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Fragen und Antworten: Immer mehr Flugverbote für Boeing 737 Max - was bedeutet das für Passagiere?

Für Flugzeuge vom Typ Boeing 737 Max 8 herrscht in Europa und weiten Teilen Asiens nun Flugverbot. Was bedeutet das für Fluggäste? Mit wie vielen Flugausfällen müssen sie rechnen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Mehrere Boeing 737 Max 8 werden hier im Boeing-Werk im US-Bundesstaat Washington gefertigt

Die Liste der Länder, die ihren Luftraum für Flugzeuge vom Typ Boeing 737 Max 8 sperren, wird immer länger. Das bedeutet auch, dass die Fluglinien Ersatzmaschinen für die Flüge heranschaffen müssen, die eigentlich mit Boeing 737 Max 8 bedient werden sollten. Ist das logistisch zu schaffen? Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Folgen der Ausfälle der Boeing 737 Max 8.

Müssen Passagiere Flugausfälle fürchten?

Noch nicht. Nach Einschätzung von Experten sind derzeit ausreichend Ersatzflugzeuge und Reserven vorhanden, so dass größere Störungen im Flugbetrieb verhindert werden dürften. Das erst 2017 eingeführte Modell sei noch nicht so stark im Markt vertreten, sagte der Airline-Berater Gerd Pontius der Deutschen Presse-Agentur

Wartungsereignisse bei den anderen Maschinen könnten verschoben werden, eigene und angemietete Ersatzmaschinen an Stelle der Boeings fliegen. Vereinzelt würden die Airlines sicherlich auch Flüge streichen und die Gäste umbuchen. 

"Wir befinden uns noch in der Wintersaison, in der es ausreichend Flugzeuge gibt", sagte auch Gerald Wissel von der Airborne-Beratung. Es komme jetzt darauf an, wie schnell der Unfall in Äthiopien aufgeklärt und die richtigen Folgerungen daraus gezogen werden könnten. Sollte sich das Flugverbot bis in die Osterferien ziehen, werde es erste spürbare Kapazitätsprobleme geben, meinte der Experte.

Wie ist die Lage an deutschen Flughäfen?

In Frankfurt am Main sind am Mittwoch vom Flugverbot lediglich zwei Flüge betroffen. Dabei handelt es sich um einen Flug nach Warschau, wie ein Flughafensprecher sagte. Die betroffene Maschine werde durch einen anderen Flieger ersetzt. Außerdem sei ein Charterflug nach Mazedonien gestrichen worden. Die Passagiere würden auf andere Flüge umgebucht. 

An den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld gibt es nach Angaben der Flughafensprecher keine Beeinträchtigungen. Das Gleiche gilt für die Flughäfen Köln/Bonn in Nordrhein-Westfalen, Hannover in Niedersachsen, Leipzig/Halle und Dresden in Sachsen sowie für Hamburg. Auch auf den Betrieb an den Flughäfen München und Nürnberg gab es keine Auswirkungen.

Wieso sind die Auswirkungen für Fluggäste bislang so gering?

Nach Angaben von Wissel waren in Europa bis zur Sperre 70 Flugzeuge des Typs bereits im Einsatz und weitere 17 in der Auslieferung. Das falle bei gut 5300 Kurz- und Mittelstreckenjets auf dem Kontinent nur zu absoluten Saison-Höhepunkten ins Gewicht. "Im Sommer könnte es eng werden", meinte Wissel, der allerdings mit einem nur wenige Wochen dauernden Flugverbot rechnet. Die entsprechende Verfügung der Deutschen Flugsicherung ist auf drei Monate bis zum 12. Juni befristet, könnte aber bei neuer Sachlage auch aufgehoben werden.

Was ist mit den Flügen in die Osterferien?

Die Fluggesellschaften werden wohl individuell Vorsorge treffen, dass es bei Ferienflügen zu keinen Engpässen kommt. Der Tui-Konzern etwa will den Ausfall seiner Boeing-737-Max-8-Flotte vor dem Oster-Reiseverkehr auch durch das Fremdchartern von Flugzeugen kompensieren. "Für Deutschland ist das Thema ja irrelevant, weil wir hier noch keine Maschinen dieses Typs haben - in den anderen Ländern werden wir jedoch die Kapazitäten anpassen müssen", sagte Tuifly-Sprecher Aage Dünhaupt der Deutschen Presse-Agentur. Geplant seien zudem der Rückgriff auf Ersatzkapazitäten sowie Umbuchungen von Passagieren auf andere Flüge. Erschwerend sei aber die Unklarheit über die Dauer der erlassenen Flugverbote für diesen Boeing-Typ. 

Zur Flotte des weltgrößten Reisekonzerns Tui gehören 15 Boeing 737 Max 8, die in Großbritannien und den Benelux-Staaten auf Strecken zu den Kanaren oder den Kapverden im Einsatz sind.

Und wenn die Flugverbote bis in den Sommer hinein reichen?

Die Sperre des deutschen Luftraums für das Boeing-Modell 737 Max gilt seit Dienstag zunächst für drei Monate. Bis einschließlich 12. Juni dürfe kein Flugzeug des Typs Boeing 737 Max 8 und Max 9 über der Bundesrepublik fliegen, erklärte die Deutsche Flugsicherung (DFS) in Langen bei Frankfurt. Die Sperre kann bei neuen Erkenntnissen aber auch früher wieder aufgehoben werden.

Die Flugschreiber der äthiopischen Unglücksmaschine sind gefunden und sollen in Europa ausgewertet werden. Sobald die Unglücksursache bekannt ist, wird Boeing alles daran setzen, mögliche Fehler an der 737 Max 8 so schnell wie möglich zu beheben. Und selbst, wenn das nicht bis zum Sommer klappt, werden die Fluggesellschaften mögliche Engpässe bis dahin behoben haben.

tkr / DPA

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