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Insolvente Fluglinie: Air-Berlin-Geschädigte müssen noch länger auf ihr Geld warten

Schock für alle geschädigten Kunden der Pleite-Airline: Wie der Insolvenzverwalter am Montag mitteilte, ist die Zahl der Gläubiger mit einer Million viel höher als bisher angenommen. Jetzt wurde eine spezielle Website für das Insolvenzverfahren freigeschaltet.

"Wir haben Anfang August über ein Onlineportal gebucht, für uns und unsere beiden Kinder. Von Stuttgart sollte es am 21. Dezember mit über Düsseldorf in die USA nach Fort Myers gehen und am 2. Januar zurück. Dafür zahlten wir 3600 Euro", schrieben Joachim und Diana Kern an den stern. "Wir wissen bis heute nicht, wie es für uns weitergeht. Neue Tickets würden wahnsinnig viel Geld kosten".

Wie dieser Familie geht es nicht nur Tausenden von anderen Kunden, sondern Hunderttausende andere Air-Berlin-Geschädigte teilen ihr Schicksal. Alles sind gutgläubige Kunden von Air Berlin, die Tickets für Reisen in diesem Winter gekauft hatten, die sie jetzt nicht mehr abfliegen können, weil die ehemals zweitgrößte deutsche Airline ihren Flugbetrieb Ende Oktober eingestellt hat.

Wie geht es für die Gläubiger von Air Berlin weiter?

Alle jene, die auf ihren Tickets sitzen geblieben sind, fragen sich: Wie komme ich an mein Geld? Kann ich mich an den Konkursverwalter wenden und wenigstens einen Teilbetrag erstattet bekommen?

Nun hat die in Konkurs befindliche Fluggesellschaft am Montag eine Pressemitteilung veröffentlicht, deren letzter Satz nüchtern eine Neuigkeit nennt. "Air Berlin und der Sachwalter gehen zum gegenwärtigen Zeitpunkt von bis zu einer Million beteiligten Gläubigern aus", lautet es der Verlautbarung. Bisher war man von 100.000 bis maximal 200.000 Gläubigern ausgegangen. Doch die Anzahl der Geschädigten beträgt ein Vielfaches der bisher genannten Größenordnung.

Mit anderen Worten: Der restliche Kuchen muss durch eine viele höhere Zahl von Gläubigern geteilt werden. "Bis Ende 2017 wird das Büro des Sachwalters wegen der großen Gläubigeranzahl in Etappen an alle bis dahin ermittelten Gläubiger ein Gläubigerrundschreiben mit weiterführenden Informationen und einem bereits personalisierten Formular zur Forderungsanmeldung versenden."

Das ist noch nicht alles an schlechten Nachrichten. Die Geschädigten müssen sehr viel Geduld aufbringen. "Die Gläubiger werden gebeten, mit der Anmeldung der Ansprüche zu warten, bis Sie das Schreiben in den Händen halten, um eine koordinierte Bearbeitung und spätere Prüfung zu ermöglichen."

Außerdem wurde die neue Website www.airberlin-inso.de eingerichtet, auf der sich jeder über den Stand des Insolvenzverfahrens informieren und später dort auch seine Ansprüche anmelden kann. Ob und mit wie viel Geld die Gläubiger rechnen dürfen, bleibt offen. Stattdessen werden die Betroffenen ermahnt: "Bitte verzichten Sie auf Übersendung per Einschreiben oder Einschreiben/Rückschein oder vorab per Fax bzw. E-Mail. Dies verzögert die Abläufe massiv."

Nach der Einstellung des Flugbetriebs wurde am 1. November das Insolvenzverfahren beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg eröffnet. In der Pressemitteilung lautet die Empfehlung der Fluggesellschaft, die vielen Ex-Kunden nur zynisch zur Kenntnis nehmen dürften: "Air Berlin und der Sachwalter bitten die Gläubiger um Verständnis, dass Einzelanfragen aufgrund der sehr hohen Beteiligtenzahl nicht beantwortet werden können."


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