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Wo niemand stört: Flucht ins Hotel: Wie das Tageszimmer zur Homeoffice-Alternative wird

Kein richtiger Schreibtisch, schlechtes Wlan und laute Nachbarn: Das Arbeiten in den eigenen vier Wänden kann zur Qual werden. Eine Ausquartierung des Büros kann die Lösung sein. Immer mehr Hotels vermarkten ihre leeren Zimmer als Homeoffice.

Wem zu Hause die Decke auf dem Kopf fällt, kann das Homeoffice in ein Hotelzimmer verlegen und ungestört arbeiten.

Wem zu Hause die Decke auf dem Kopf fällt, kann das Homeoffice in ein Hotelzimmer verlegen und ungestört arbeiten.

Getty Images

Ob selbstständig oder angestellt: Für viele ist es schon die vierte Woche im Homeoffice – mit allen Vor- und Nachteilen. Besonders Familien, wenn beide Elternteile zu Hause arbeiten müssen, sind in der neuen Arbeitsumgebung schnell gestresst. Oft muss der Küchentisch zum Schreibtisch umfunktioniert werden. Oder die Online-Meetings werden von den spontanen Fragen der ins Zimmer platzenden Kinder gestört – mit anderen Worten: Daheim fehlt es oft an der notwendigen Ruhe, um unter den ungewöhnlichen Umständen das berufliche Pensum zu bewältigen.

Wer sehnt sich in solch stressigen Momenten nicht nach einem Rückzugsort? Den bieten jetzt immer mehr Hotels in Deutschland an, deren Zimmer leer stehen. Das Geschäft der Beherbungsbetriebe in Deutschland ist wegen des Infektionsschutzgesetzes und dem damit verbunden Verbot einer touristischen Nutzung der Hotelzimmer fast vollständig zum Erliegen gekommen.

Als eine der ersten Ketten haben die Dorint-Hotels aus der Not eine Tugend gemacht. Schon seit Mitte März bieten sie mit ihrem Programm Myoffice@dorint das "Arbeiten mit Hotel-Komfort von 7 bis 7" an. Zum Zimmer mit Schreibtisch und Wlan gehören auch eine Flasche Wasser, Obst und auf Wunsch per Room-Service ein individuelles Frühstück oder Mittagessen. Zum Abend müssen die Räumlichkeiten jedoch wieder geräumt werden. Das Tageszimmer gibt es zu Preisen ab 59 Euro, für eine Woche werden mindestens 289 Euro berechnet. Das Angebot ist bei Dorint bis zum 31. August buchbar.

Schon mehr als 300 Hotels machen mit

"Nicht alle Mitarbeiter in den eigenen vier Wänden verfügen über optimale Gegebenheiten für ein Arbeiten von Zuhause. Mangelnder Platz, schlechte Internetverbindungen oder auch herumtobende Kinder können ein konzentriertes und effektives Arbeiten erschweren", sagt auch eine Pressesprecherin der Best Western Hotels und Resorts. "Hotelzimmer stellen einen guten Ausweichort für produktives und ruhiges Arbeiten dar." Daher haben einige Häuser vor allem in Ballungsbieten der Hotelgruppe auf das neue Geschäftsmodell umgeschwenkt.

Auch das Hotelportal hrs.de hat die Zeichen erkannt und hat den "MeWork Concierge-Service" ins Leben gerufen. Per E-Mail können Tageszimmer angefragt werden, weil sich "viele mobil Arbeitende auch eine räumliche und damit psychologische Trennung zwischen ihrem Zuhause und dem Arbeitsplatz wünschen."

Nickerchen all inclusive

Ein weiterer Vorteil des Arbeitsplatzes im Hotelzimmer: Neben jedem Schreibtisch steht auch ein frisch bezogenes Bett. So kann man nach dem Mittagssnack auch eine Siesta einschieben und ein Nickerchen machen. Im Großraumbüro wäre so eine Entspannung undenkbar.

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Eine Auflistung der individuellen Hotels und Ketten mit dem neuen Angebot für die Flüchtigen aus den eigenen vier Wänden listet eine neue Website auf. Die zoombare Karte auf homeoffice-im-hotel.de zeigt inzwischen mehr als 300 Hotels in Deutschland, Schweiz und Österreich auf. Hier beginnen die Preise ab knapp 40 Euro für das Tageszimmer zum ungestörten Arbeiten.

Mit von der Partie sind an den Standorten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München, Wien und Zürich auch die Lifestyle-Häuser der 25hours-Hotels. Deren Clou besteht neben dem Schreibtisch auf den Tageszimmern auch in einer Espressomaschine, einem "Bluetooth Lautsprecher und Toilettenpapier", heißt es humorvoll in der Ankündigung.

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