VG-Wort Pixel

Marathon, Musical und Schlagermove Ein Experte erklärt, wie Corona unseren Blick auf große Events verändert hat

Abstand ist alles: Ein Foto vom Hamburger Haspa-Marathon am St. Pauli Fischmarkt aus dem Jahre 2018.
Abstand ist alles: Ein Foto vom Hamburger Haspa-Marathon am St. Pauli Fischmarkt aus dem Jahre 2018.
© Hoch Zwei/ Henning Angerer / Picture Alliance
Der Corona-Mindestabstand hat erheblichen Einfluss auf unsere Psyche genommen und die Wahrnehmung von Distanz verändert. Welche Auswirkungen hat das auf die Planung von Hamburger Veranstaltungen – und was hat ein Flughafen damit zu tun? 
Von Carolin Hilker und Stefanie Naumann

Vier Jahre lang hat Marcel Altenburg alleine die Starts verschiedener Rennen studiert. Seit über zehn Jahren analysiert der 34-Jährige Marathonläufe jeder Größenordnung. Altenburg forscht an der Manchester Metropolitan University, sein Job: die Risikoanalyse von Menschenmengen. "Manchester und unsere Universität ist das Hollywood der Crowd Science. Wenn die nicht weltführend wären, wäre ich auch nicht hier", erzählt der gebürtige Berliner selbstbewusst. Nicht ganz unbegründet: Altenburg arbeitet mit Sportvereinen wie dem FC Bayern München und Manchester United, dem Deutschen Fußball-Bund oder den weltweit bekanntesten Marathons in New York, Sydney, Berlin, Chicago und London zusammen.

Sein großes internationales Netzwerk bietet ihm einen umfassenden Überblick, über das, was gerade in der Welt geschieht. "Das ist manchmal wie in die Zukunft blicken", sagt Altenburg, denn das Netzwerk und den Fokus auf Menschenmengen haben er und sein Team schon weit vor der Corona-Pandemie gehabt.

Forscht an der Manchester Metropolitan University: Marcel Altenburg
Forscht an der Manchester Metropolitan University: Marcel Altenburg
© Altenburg

Eng bedeute heute alles, was unter anderthalb Metern sei. "Auf einmal reagieren Menschen ganz anders aufeinander", und das passiere nicht nur im Supermarkt, wo man heute mehr Abstand halte als vor der Pandemie. Auch die Vorstellung, gemeinsam in einem Kinosaal zu sitzen, müsse laut Altenburg inzwischen anders beurteilt werden; denn wenn jemand im Dunkeln huste, habe das heute eine andere Bedeutung als vor Corona.

Die Wahrung des Mindestabstandes habe sich inzwischen auch psychisch bei den Menschen verfestigt. Es bestehe sogar eine gewisse Scheu voreinander, und dieses neue Bedürfnis nach Distanz müsse nun eben auch bei der Planung von Veranstaltungen berücksichtigt werden, so Altenburg. Und die Herausforderung ist groß: Der Mindestabstand von anderthalb Metern müsse in einem Radius von 360 Grad gewährleistet sein, deshalb brauche man aktuell bei der Planung von Veranstaltungen achtmal so viel Platz wie noch vor der Pandemie.

Zuschauer als unkalkulierbare Risikogröße

Auch die Organisatoren des Hamburger Haspa-Marathons greifen bei der Planung auf Altenburgs Expertise zurück. Traditionell findet der Lauf jedes Jahres im April statt, doch wegen der Corona-Pandemie verschiebt sich der Termin in diesem Jahr auf den 12. September. "Der Wunsch nach realen Veranstaltungen ist unter den Sportlern sehr hoch", sagt der Pressesprecher Reinald Achilles. Das sei auch an den erstaunlich hohen Anmeldungen für den diesjährigen Haspa-Marathon deutlich zu erkennen.

Beim Start des Hamburger Haspa-Marathons an den Messehallen (Archivbild)
Beim Start des Hamburger Haspa-Marathons an den Messehallen (Archivbild)
© Axel Heimken / Picture Alliance

Bereits im vergangenen Jahr musste der Lauf pandemiebedingt kurzfristig abgesagt werden. Damit die Sportler nicht ganz auf den Wettkampf verzichten mussten, haben die Veranstalter am Datum des eigentlichen Marathons einen digitalen Lauf veranstaltet. Dazu wurden sogar Teilnehmer-Shirts und Startnummern an die Läufer verschickt. Die zurückgelegten Strecken wurden über Lauf-Apps dokumentiert und konnten anschließend unter dem Hashtag #runyourownblueline in sozialen Netzwerken geteilt werden.

"Das war eine so erfolgreiche Veranstaltung, wie wir sie nicht unbedingt erwartet haben. Die Resonanz war enorm und wenn man die Social-Media-Interaktionen zu Grunde legt, haben wahrscheinlich über 10.000 Menschen mitgemacht", sagt Achilles.

Die Verschiebung der Startwellen bei einem Marathon.
Die Verschiebung der Startwellen bei einem Marathon.
© Altenburg

Die mediale Aufmerksamkeit der digitalen Laufveranstaltung sei auch den Sponsoren des Haspa-Marathons zu Gute gekommen.Das Konzept, Laufveranstaltungen zu digitalisieren, nutze sich jedoch schnell ab. "Es ist nicht das Gleiche, wie wenn man an den Messehallen startet und nach über 40 Kilometern wieder einläuft und von Tausenden gefeiert wird", betont er. Damit die Veranstaltung in diesem Jahr wieder physisch stattfinden kann, sollen die Startwellen mit Hilfe von Marcel Altenburgs Berechnungen zeitlich so stark verzögert werden, dass der Mindestabstand von anderthalb Metern immer unter den Läufern gewährleistet ist. "Der Marathon wurde letztes Jahr nicht wegen der hohen Teilnehmerzahl abgesagt, sondern weil die Zuschauer als Risikogröße nicht definierbar und steuerbar waren", sagt Achilles.

Eine Frage der Fläche

Um das Publikum von Großveranstaltungen steuern zu können, müsse man bei der Planung immer für ausreichend Platz sorgen, sagt Altenburg. "Auch der Faktor Eile gehört bei Events immer dazu und muss von den Veranstaltern richtig moderiert werden", erklärt er und ergänzt: "Man muss so mit dem Zuschauer arbeiten, dass er nie das Gefühl hat, etwas zu verpassen."

Eng wird es beim Hamburger Marathon bei Kilometer 37, wenn sich Läufer und Publikum am Eppendorfer Baum sehr nahe kommen (Archivbild).
Eng wird es beim Hamburger Marathon bei Kilometer 37, wenn sich Läufer und Publikum am Eppendorfer Baum sehr nahe kommen (Archivbild).
© Hoch Zwei/ Henning Angerer / Picture Alliance

Zur Wahrung des Mindestabstandes spiele auch Psychologie eine wesentliche Rolle, denn das menschliche Gehirn tue sich bei der Abschätzung von Entfernungen besonders schwer. Deshalb brauche es bei Großveranstaltungen Referenzgrößen, an denen sich das Publikum orientieren könne. "Bei Sportveranstaltungen in New York haben wir zig Tausend Punkte auf dem Boden verlegt, damit die Leute den Abstand einhalten können und das hat gut geklappt", berichtet Altenburg. 

Um die Problematik mit den Zuschauern bei Sportveranstaltungen zu umgehen, sei es am einfachsten, wenn sie gar nicht erst erschienen. In Valencia habe vergangenes Jahr im Dezember an einem sehr frühen Sonntagmorgen ein Marathon genauso stattgefunden - ohne Zuschauer. "Die Veranstalter haben das kommuniziert, dass zu dem Zeitpunkt bitte niemand auf die Straße geht, und das hat geklappt". Das sei das sicherste aller Konzepte, sagt Altenburg. Andere Veranstalter gehen dieses Jahr sogar noch einen Schritt weiter: Die Organisatoren des Virgin Money London Marathon planen im kommenden Oktober ein Rekordfeld mit 100.000 Teilnehmern. 50.000 Läufer sollen die traditionelle Strecke auf Londons Straßen absolvieren – ohne Zuschauer. Die andere Hälfte der Teilnehmer ist dazu eingeladen, die 42,195 Kilometer gleich nur virtuell und für einen guten Zweck zu laufen. 

Bereits 2020 verzeichneten die Organisatoren mit 37.966 Teilnehmern einen Rekord für einen virtuellen Marathon. Ein deutliches Zeichen für das hohe Interesse an digitalen Angeboten. Ob das dieses Jahr erneut funktionieren wird, bleibt abzuwarten. "Fest steht, wir können es ermöglichen, dass der Marathon 'socially distanced' stattfinden kann", unterstreicht Altenburg. Voraussetzung dafür sei jedoch ein organisatorisches Einlenken der Stadt, Straßen weiträumiger und über einen längeren Zeitraum hinweg zu sperren. 

Menschenmengen wie an einem Flughafen lenken

Die Berechnungen zur Koordinierung von Menschenmengen funktionieren laut Altenburg für Veranstaltungen in allen Größenordnungen und nicht nur für Läufe mit bis zu 60.000 Teilnehmern. Mittels Netzwerkdiagramm lassen sich so auch Veranstaltungen kontrollieren und koordinieren, bei denen es zahlreiche Stationen gibt. Zum besseren Verständnis vergleicht Altenburg seine Berechnungen zu den Veranstaltungen in geschlossenen Räumlichkeiten mit dem Betrieb eines Flughafens: Es gibt Ticketschalter, Check-in und Sicherheitskontrollen. Der Veranstaltungsbesucher habe eine Art "Bordkarte" mit genauen Zeiten und wisse, wann er an welcher Station sein müsse.

Das Netzwerkdiagramm zeigt, wie Menschenmengen anhand einer Bordkarte wie an einem Flughafen koordiniert werden.
Das Netzwerkdiagramm zeigt, wie Menschenmengen anhand einer Bordkarte wie an einem Flughafen koordiniert werden.
© Altenburg

Das "Flughafenmodell" zur Steuerung von Menschenbewegungen lasse sich ganz einfach auf Konzerte oder Theater übertragen. Da gibt es neben der eigentlichen Hauptaufführung ebenfalls mehrere Stationen, wie Einlass, Garderobe, Toilette, Gastronomie und Fanshops. "Die hohe Kunst ist es, das Ganze zu organisieren, ohne dass die Besucher einen Zettel beziehungsweise eine Bordkarte mit den genauen Zeiten in der Hand haben und sich dennoch wohlfühlen", so der Experte. Die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Veranstaltung unter Coronabedingungen sei, dass es ausreichend Platz gebe, aber eben nicht für alle Besucher zur gleichen Zeit am gleichen Ort.

Erfahrungen konnten die Experten dabei am Institute of Contemporary Arts in London sammeln. Das Institut beherbergt ein Kino, eine Galerie, ein Restaurant, einen Buchladen und verschiedene Ausstellungen, und das müsse irgendwie miteinander harmonieren. "In der Regel hat man bei Veranstaltungen wie "Harry Potter", dem neuen Theaterstück am Großmarkt, oder Ausstellungen viel Platz und alles findet sich. Das haben wir jetzt nicht mehr – auf einmal haben wir keinen Platz mehr und dann müssen diese Konzepte Anwendung finden", weist Altenburg auf die veränderten Bedingungen hin. 

In der Vorbereitung auf den Haspa-Marathon habe man den Verlauf anhand des Modells für jeden einzelnen Läufer an jedem denkbaren Ort auf der Strecke ermittelt. "Um das ganze Ding einmal zu erfassen, waren es am Ende 9,6 Millionen Berechnungen. Und das geht auch für eine Theaterveranstaltung, selbst bei der Elbphilharmonie würde man das so machen. Da könnte dann im Kontrollraum anhand eines Graphen verfolgt werden, wie die Leute ankommen, einchecken und ob wir von dem vorab berechneten Graphen in irgendeiner Art und Weise abweichen", erklärt Altenburg das moderne Frühwarnsystem. So hätten die Experten Warnzeichen und können schon entsprechend reagieren, bevor etwas passieren würde. 

Altenburgs "Frühwarnsystem". Der rote Graph zeigt die kalkulierten Menschenbewegungen, der gelbe zeigt Abweichungen.
Altenburgs "Frühwarnsystem". Der rote Graph zeigt die kalkulierten Menschenbewegungen, der gelbe zeigt Abweichungen.
© Altenburg

Das geschehe im Hintergrund sehr individuell über kleine Stellschrauben, zum Beispiel via Twitter. "Die Kommunikationsleute arbeiten auf unserer Grundlage, und wir arbeiten auf der Basis unserer Systeme. Bei einem Marathon wären das Zeitnahmesysteme auf der Strecke. Bei der Elbphilharmonie wären das die Scans in der Parkgarage oder an der Ticketkontrolle", so Altenburg. Die Wahl des geeigneten Mediums hierfür würde von den Kommunikationsexperten ausgesucht. 

Und auch hier kommt den Wissenschaftlern ihre langjährige Erfahrung zu Gute. "Unsere Berechnungen werden seit Jahren mit der Realität abgeglichen. Zum Beispiel bei dem Marathon in New York mit 53.000 Menschen und einer Dauer von zwölf Stunden liegen wir bei einer Genauigkeit von 99,96 Prozent. Wir sind also präziser als die Wettervorhersage. Das Gute ist: Wir wissen ständig, was zu erwarten ist und können dann beobachten, was tatsächlich passiert." 

Harry Potters großer Auftritt in Hamburg

Mit seiner Expertise könnten neben Aufführungen in der Elbphilharmonie auch Theater, wie zum Beispiel das Stück "Harry Potter und das verwunschene Kind", auf die Bühne zurückkehren. Einen Tag vor der geplanten Deutschlandpremiere im vergangenen Jahr fiel auch im Theater am Großmarkt der Vorhang bis auf Weiteres. Thomas Mehlbeer ist Commercial Director des Theaterstücks, er geht von ungefähr 19 Millionen Euro Schaden aus, den die Pandemie bisher verursacht hat.

Premiere auf den 5. Dezember 2021 verschoben: Fotoprobe des Theaterstücks "Harry Potter und das verwunschene Kind" auf der Bühne des Mehr! Theaters am Großmarkt.
Premiere auf den 5. Dezember 2021 verschoben: Fotoprobe des Theaterstücks "Harry Potter und das verwunschene Kind" auf der Bühne des Mehr! Theaters am Großmarkt.
© Axel Heimken / Picture Alliance

Von Bund und Ländern habe es bisher keine Unterstützung gegeben. "Die November- und Dezember-Hilfen haben für Harry Potter keine Relevanz, denn da wird immer auf die Umsätze Bezug genommen, die man im Jahr 2019 erwirtschaften konnte ", erklärt Mehlbeer. Doch 2019 wurde das Theater am Großmarkt für das Harry Potter Stück erst umgebaut. 45 Millionen Euro sind in die Maßnahme geflossen. Umsätze konnten in dieser Zeit keine generiert werden, da das Theater geschlossen war. "Somit kann man keinen Vergleichsumsatz ansetzen, um dann Hilfe zu kassieren."

Neben einem geeigneten Hygienekonzept ist das Theater auch von einer kostendeckenden Auslastung pro Aufführung abhängig. "Die 650 Theaterbesucher, die vergangenen Sommer in Hamburg erlaubt waren, reichen dafür nicht aus", erklärt Mehlbeer. Dennoch blicken die Veranstalter optimistisch in die zweite Jahreshälfte: Dem aktuellen Stand nach soll die Premiere von "Harry Potter und das verwunschene Kind" am 5. Dezember 2021 stattfinden. Dieser späte Zeitpunkt im Jahr wurde gewählt, weil"wir bis dahin auf eine hohe Durchimpfung oder sogar Herdenimmunität bauen. In diesem Fall werden die meisten Einschränkungen ohnehin zurückgenommen sein", prognostiziert Mehlbeer. Andernfalls würde beim Publikum auf einen Impfnachweis gesetzt werden und diejenigen, die nicht geimpft seien, müssten einen Schnelltest vorweisen oder vor Ort durchführen.

Doch Schnelltests sind kein Allheilmittel, jedenfalls nicht vor Ort. Bei Veranstaltungen jenseits der 10.000 Besucher sei eine effektive Kontrolle nahezu unmöglich, sagt Experte Altenburg. "Auch wenn Tests momentan in aller Munde sind, kommt es am Ende auf die Auflagen an, unter denen diese Tests durchgeführt würden." Aus Platz- und Zeitgründen müsse dies geplant werden wie eine separate Veranstaltung, und "wenn ich mir so etwas vorstellen kann, dann nur am Tag vor der eigentlichen Veranstaltung." 

Wenn Zeit und Platz nicht ausreichen

Die Variablen Zeit und Platz einfach zu vergrößern, funktioniert sowieso nicht für alle Großveranstalter. Bei dem gerade auch bei Touristen beliebten Hamburger Schlagermove kommt etwa mit dem Alkohol ein nicht zu unterschätzender Aspekt hinzu, der in Altenburgs Konzepten bisher kaum Beachtung findet. Für die berühmte Kiezveranstaltung, die jährlich bis zu 500.000 Besucher anzieht, ist es entsprechend schwierig, ein Corona-konformes Hygienekonzept zu finden.

Bis zu 500.000 Besucher zieht der Schlagermove (Archivfoto) an, wenn mehr als 40 Musiktrucks durch St. Pauli fahren.
Bis zu 500.000 Besucher zieht der Schlagermove (Archivfoto) an, wenn mehr als 40 Musiktrucks durch St. Pauli fahren.
© Georg Wendt / Picture Alliance

Das liege laut Veranstalter Frank Klinger unter anderem an der DNA des Events. Zum einen sei der Veranstaltungsort "eine öffentlich zugängliche und nicht kontrollierbare Fläche in Hamburg St. Pauli", und darüber hinaus "ist es eine Partyveranstaltung, bei der auf engem Raum getanzt und gesungen wird". Die Veranstaltung zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr stattfinden zu lassen, sei ebenfalls keine Option, da der Schlagermove auf gutes Wetter angewiesen sei. Der Ausfall der Musikveranstaltung hat enorme wirtschaftliche Auswirkungen für das gesamte Viertel rund um den Kiez. Noch vor der Silvesternacht ist der Schlagermove der wichtigste Umsatzbringer des ganzen Jahres. Auch die Hotellerie, der Einzelhandel und zahlreiche touristische Dienstleister sind von den wirtschaftlichen Einbußen hart getroffen, da "über die Hälfte der Besucher aus dem gesamten Bundesgebiet anreisen", erklärt Klinger.

Experte Marcel Altenburg hält die Art der Veranstaltung und den Alkoholausschank nicht für grundsätzlich unmöglich. Dennoch müsse beachtet werden, dass wichtige Bestandteile eines Veranstaltungskonzeptes, wie beispielsweise der Mindestabstand, nicht mit Hilfe von Absperrungen oder Personal durchgesetzt werden können. "Der Erfolg einer Veranstaltung liegt zu einem großen Maße an der Einsicht und Akzeptanz der Regeln", so Altenburg. Alkohol könne daher eine Gefahr für die Akzeptanz und Fähigkeit dieser Einhaltung darstellen. "Alkoholisierung verändert die Aufgabe und kann die so wichtige Zusammenarbeit von Veranstalter und Besucher beeinträchtigen", betont er. Die Koordination der Menschenmenge werde schwieriger und zu einem gewissen Grad unberechenbar.

Auch die Frage, ob die Menschen überhaupt wieder Lust auf Großveranstaltungen bekommen, oder ob digitale Konzepte die Zukunft darstellen, beschäftigt die europäische Veranstaltungsbranche. Doch hier kann Altenburg beruhigen: In Neuseeland gebe es kaum mehr Coronafälle und dort zeigt sich, dass solche Befürchtungen nicht zur Realität werden. Auch die Bilder von dort, auf denen große Menschenmengen etwa an Silvester ausgelassen zusammen feiern, sprechen dagegen. Viel eher sei es möglich, dass der Hunger auf Veranstaltungen größer ist als jemals zuvor, so Altenburg. Nur: "Die Leute wieder an Menschenmengen und Dichte zu gewöhnen" – das sei dann die besonders große Herausforderung.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker