HOME

Lufthansa übernimmt große Teile von Air Berlin

Lufthansa-Chef Spohr spricht von einem "großen Tag": Heute wird der deutsche Marktführer große Teile von Air Berlin übernehmen. Fraglich ist, ob Easyjet den Rest bekommt. Für gestrandete Air-Berlin-Passagiere soll es eine Lösung geben.

Die Nummer 1 schluckt die ehemalige Nummer 2 in der der deutschen Luftfahrt: Ein Airbus A380 der Lufthansa und eine Airbus A320 von Air Berlin rollen am Frankfurter Flughafen zur Startbahn.

Die Nummer 1 schluckt die ehemalige Nummer 2 in der der deutschen Luftfahrt: Ein Airbus A380 der Lufthansa und eine Airbus A320 von Air Berlin rollen am Frankfurter Flughafen zur Startbahn.

Die Lufthansa übernimmt große Teile der insolventen Fluggesellschaft . Beide Unternehmen unterzeichnen am Donnerstag einen entsprechenden Kaufvertrag, wie Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstag in Berlin ankündigte. Für 12 Uhr sei der Notartermin geplant. "In der Tat ist das heute ein großer Tag, den wir in ein paar Stunden mit der Unterschrift besiegeln", sagte Spohr. 

Air Berlin - die nach bisher zweitgrößte deutsche Fluglinie - hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Der Flugbetrieb seitdem war nur durch einen Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro gesichert. 

Die Geschäftsführung hatte drei Wochen lang exklusiv mit dem deutschen Marktführer Lufthansa sowie mit dem britischen Billigflieger über den Verkauf von Teilen des hoch verschuldeten Unternehmens verhandelt. Fraglich war zuletzt, ob auch eine Einigung mit Easyjet gelingt. 

Lufthansa übernimmt 81 Flugzeuge

hatte der "Rheinischen Post" (Donnerstag) gesagt, Lufthansa werde von Air Berlin "voraussichtlich 81 Flugzeuge übernehmen, 3000 Mitarbeiter einstellen und dafür in Summe 1,5 Milliarden Euro investieren". Er bekräftigte damit Pläne des Unternehmens. 

Air Berlin hatte mitgeteilt, die Airline sehe gute Chancen, dass etwa 80 Prozent der 8000 Mitarbeiter bei anderen Unternehmen einen neuen Arbeitsplatz erhalten könnten.

Aus Sicht Spohrs wird das Aus für Air Berlin und andere Anbieter die Ticketpreise nicht nach oben treiben. "Denn der Wettbewerb wird sich in Europa und auch weltweit verschärfen", sagte er der Zeitung. "Wir gehen von weiter sinkenden Preisen aus." Im Konzern werde man sich mit der Tochter selbst Konkurrenz machen. "Da wo es bisher nur Lufthansa und Air Berlin gab, wie beispielsweise zwischen München und Köln, kommen nun Eurowings-Flüge als Ersatz für Air Berlin hinzu." 

Angebot für gestrandete Passagiere

Spohr kündigte zugleich ein Angebot an, "um im Ausland gestrandeten Passagieren der Air Berlin die Heimreise zu einem fairen Preis anzubieten, sofern wir die Kapazitäten dafür haben". Aus Lufthansa-Kreisen hieß es dazu, es sei schwer zu schätzen, um wie viele Passagiere es dabei gehe. Seit 25. September ist bekannt, dass Air Berlin alle Langstreckenflüge am 15. Oktober einstellt.

Generell wird Air Berlin voraussichtlich ab Ende Oktober nicht mehr unter eigener Flugnummer fliegen, wie es in einem Brief der Firmenleitung an die Mitarbeiter vom Montag hieß. Der insolventen Gesellschaft sei ein eigenwirtschaftlicher Verkehr unter dem Airline-Code AB "nach gegenwärtigem Erkenntnisstand spätestens ab dem 28. Oktober nicht mehr möglich".

Tickets für spätere Flüge verlieren ihre Gültigkeit. Der Flugverkehr der nicht insolventen Töchter Niki und LG Walter soll weitergeführt werden. 

Der Luftverkehrsberater Gerald Wissel erwartet eine vertiefte kartellrechtliche Überprüfung der EU-Kommission. Dabei würden die Marktverhältnisse auf einzelnen Strecken überprüft. Es könne dann gut sein, dass Lufthansa Start- und Landerechte (Slots) auf einzelnen Verbindungen freigeben müsse und diese dann an Konkurrenten verteilt würden.

Durchaus nachteilig für die Lufthansa könnte sich ein Abwinken des zweiten Bieters Easyjet auswirken. "Falls Easyjet aussteigt, wird die kartellrechtliche Genehmigung für Lufthansa noch schwieriger zu bekommen sein", sagte Wissel. Auch Anwalt Gramsch sieht zusätzliche Probleme, weil die EU-Kommission letztlich immer den Gesamtmarkt im Blick haben müsse. "Das Wegfallen eines weiteren Bieters ist schlecht für die Marktstruktur." Er rechne mit einem halben Jahr Verfahrensdauer.

Ärger mit Air Berlin

Haben Sie ein Ticket bei Air Berlin für die Zeit nach dem 27. Oktober gebucht?

Wurde Ihnen ein Ersatzflug angeboten? Schreiben Sie uns und schildern Sie uns Ihren Fall:

reise(at)stern.de, Stichwort: Air Berlin.


tib/DPA

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren