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Pannenflughafen 11.519 Mängel allein bei Kabeln: Wird die Eröffnung des BER schon wieder verschoben?

Seit Jahren wächst das Gras auf dem Willy-Brandt-Platz vor dem neuen Flughafen Berlin Brandenburg.


"Haben Sie sich schon gefragt, wie es ist, von dem neuen Hauptstadtflughafen in Berlin abzufliegen? Ich stehe hier vor dem Terminal BER, der eigentlich schon am 3. Juni 2012 eröffnet werden sollte. Wir wissen, es wurde daraus nichts. Kommen Sie mit! Ich zeige Ihnen die Baustelle."


Vorfahrt vor dem Hauptterminal: Nicht für Passagiere, sondern nur für Lieferanten und Handwerker.


Das Gebäude der Architekten Gerkan, Marg und Partner erinnert stark an die Neue Nationalgalerie in Berlin.


"Um die Besichtigung zu machen, braucht man kein Ticket, sondern eine Warnweste und einen Helm. Denn wir befinden uns immer noch auf einer Baustelle."


Aufwärts geht's zum Abflugbereich mit den Check-in-Schaltern.
Insgesamt gibt es 118 Schalter. Zeitgemäße Check-in-Automaten sind noch nicht zu sehen.


Nach der Security soll es durch den Duty-free-Shop zur Plaza gehen. Automatisch wird jeder Passagier durch Läden geschleust.


Die Information bleibt seit Jahren unbesetzt. Auf der 9000 Quadratmeter großen Plaza-Fläche stapeln sich die Sitzmöbel der Abflug-Gates.


Hier trennen sich zukünftig die Wege der Fluggäste: Bei A und B geht es zu Flugzielen im Schengen-Raum. Eine Ebene höher bei C und D zu den übrigen.


So sieht es im Juni 2018 in der 715 Meter langen Haupt-Pier aus.


Von der Decke hängen die Verkleidungen herunter, damit die Monteure an die Kabelschächte kommen.


Baurechtlich ist dieses Herzstück von BER noch nicht abgenommen.


Eine von den 16 Fluggastbrücken des Haupt-Terminals. Sogar ein Airbus A380 kann an einem Gate andocken.


Ein Gate wurde inzwischen zum Pausenraum umfunktioniert. Der Fußboden aus hellem Jurakalk wird von Pressspanplatten geschützt.


Einfacher geht es in der Nord-Pier B mit schlichten Kunststeinfußböden zu.


Es gibt keine Flugsteige. Über Treppen steigen die Passagiere zu den Jets der Billigflieger.


Ein Lichtblick ist der Fluggastterminal A: Es ist der einzige, der bereits fertig ist.


Dieser Bereich war exklusiv für Air Berlin geplant, die von hier aus ihr Drehkreuz betreiben wollte, bevor die Airline 2018 pleite ging.


Immerhin: Die Förderbänder laufen schon. Aber erst 40 Prozent der technischen Anlagen sind final geprüft.


Die Entrauchungsanlage und Brandmeldetechnik sind das Hauptproblem.
Prüfungsprozesse wie "Heißgasrauchversuche" dauern noch bis zum Frühjahr 2019.


Nach Angaben vom Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup ist der Umzug von Tegel zum BER für Ende Oktober 2020 und dann die Eröffnung geplant.
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Hiobsbotschaft vom neuen Hauptstadtflughafen: Ein interner "Statusbericht" des TÜV Rheinland listet 11.519 Mängel alleine bei den Kabeln auf. Nach wie vor gibt es gravierende Mängel an Sicherheitskabeln des Brandschutzsystems. 

Nach einem Pressebericht wackelt der mehrfach verschobene Eröffnungstermin für den Hauptstadtflughafen BER erneut. Nach Informationen des "Tagesspiegels" (Freitag) gibt es weiter zahlreiche Mängel auf der Baustelle des Pannenflughafens, die den für Herbst 2020 geplanten Eröffnungstermin höchst unwahrscheinlich machen. Die Flughafengesellschaft (FBB) wies die Darstellung allerdings zurück.

Die Berliner Tageszeitung spricht von 11.519 Mängeln allein bei den Kabeln für die Sicherheitsbeleuchtung und Sicherheitsstromversorgung, die nach der gescheiterten Eröffnung 2012 ausgetauscht und erneuert wurden. Das seien fast vier Mal so viele wie bisher von den Verantwortlichen angegeben.

"Rückbaumaßnahmen" im Terminal von BER

Es seien sogar "Rückbaumaßnahmen" im Terminal notwendig, um gravierende Mängel an Sicherheitskabeln beseitigen zu können. Der "Tagesspiegel" bezieht sich auf einen 61 Seiten starken "Statusbericht" des TÜV Rheinland vom 8. März dieses Jahres.

Dem Zeitungsbericht zufolge kommt hinzu, dass das Problem der im Terminal benutzten verwendeten Plastikdübel bei der Befestigung von Kabeln nicht gelöst sei. So verdichteten sich Hinweise, dass die von der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) erhoffte Einzelfallzulassung nicht erteilt werde. Schlimmstenfalls könnten die Dübel so "zu einem k.-o.-Problem" werden.

Hannes Hönemann, der Sprecher der Flughafengesellschaft FBB, sagte, dass der nun bekannt gewordene schriftliche TÜV-Bericht auf denselben Daten basiere, die ein TÜV-Vertreter während der Sitzung des Flughafen-Aufsichtsrats am 8. März mitgeteilt habe. "Nun sind sie offensichtlich dramatisiert worden."

Mit keinem Wort habe der TÜV während der Sitzung dargestellt oder angedeutet, dass es fraglich sei, ob der BER im Herbst 2020 eröffnet werden kann. "So etwas wurde nicht erwähnt", sagte der FBB-Sprecher der "Berliner Zeitung". "Der TÜV hatte die Möglichkeit zu sagen, dass unser Eröffnungstermin nicht klappt. Doch das hat er nicht getan."

mit Agenturen

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