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Pandemie überstanden?: Diese Länder sind (angeblich) schon wieder oder immer noch Corona-frei

Als erster EU-Staat hat Slowenien die Corona-Pandemie am Freitag für beendet erklärt. Andere Länder behaupten, es habe nie Infektionsfälle gehabt. Der stern gibt einen Überblick.

Uferpromenade in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana – die Regierung hat die Coronavirus-Pandemie im Land für beendet erklärt

Uferpromenade in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana – die Regierung hat die Coronavirus-Pandemie im Land für beendet erklärt

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Als erstes Land der EU hat Slowenien am Freitag erklärt, die Corona-Pandemie sei beendet. Deswegen will Ljublijana ab sofort auch die Grenzen wieder öffnen – genau wie die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. Auch Island vermeldete mehrere Tage in Folge eine Neuinfektionsrate von 0.

Daneben gibt es auch Länder und Regionen, die von sich behaupten, erst gar keine Infektionsketten festgestellt zu haben – Nordkorea zum Beispiel gibt die Zahl der Corona-Fälle immer noch mit 0 an. 

Hier lesen sie, welche Länder noch oder wieder Corona-frei sind. Zumindest nach eigenen Angaben.

Slowenien hat die Pandemie für beendet erklärt

Wie die Regierung in Ljubljana am Donnerstagabend mitteilte, ist die Corona-Pandemie in Slowenien beendet. Die Lage sei besser als in allen anderen Staaten Europas, deshalb werde der am 12. März erklärte Gesundheitsnotstand wieder aufgehoben, sagte Regierungschef Janez Jana. Am Freitag hat das Land die Grenzen für EU-Bürger wieder geöffnet. Für Einreisende aus anderen Ländern gilt zunächst weiterhin die Quarantänepflicht.

Slowenien profitiert in normalen Jahren stark vom wachsenden Tourismus. Die Küstenlinie an der Adria ist zwar nur gut 45 Kilometer lang, dafür lockt das Landesinnere mit historischen Altstädten, Bergpanorama und Wanderrouten. Die Grenzöffnung dürfte für Hotellerie und Gastronomie daher eine besondere Erleichterung bedeuten. Dennoch sollen auch weiterhin Vorsichtsmaßnahmen wie etwa die Abstandsregeln, die Maskenpflicht und das Verbot von öffentlichen Versammlungen gelten. Dies sei notwendig, da die Gefahr einer Ausbreitung des Virus noch nicht gebannt sei, erklärte die Regierung.

Indem sie die Epidemie im Land für beendet erklärt, vermeidet die Regierung nach Angaben des Rundfunksenders Radio Slovenija außerdem eine automatische Verlängerung des Maßnahmenpakets zur finanziellen Unterstützung der Bevölkerung und von Unternehmen, die durch die Krise in Schwierigkeiten geraten sind. Statt Ende Juni endet es nun bereits Ende des Monats. 

Tourismus schöpft Hoffnung - Diese Grenzen will Deutschland wieder öffnen

Die Behörden des zwei Millionen Einwohner zählenden Balkanstaats haben insgesamt rund 1500 Infektionsfälle gemeldet, 103 Menschen starben bisher an Covid-19. Zuletzt nahm die Zahl der Neu-Infektionen erheblich ab.     

Island meldet kaum noch Neuinfektionen

Gute Nachrichten aus dem hohen Norden: Auf Island steckt sich kaum noch jemand mit dem Coronavirus an. Wie der isländische Rundfunksender RUV am Donnerstag vermeldete, seien in Mai bislang insgesamt nur vier Neuinfektionen mit Corona verzeichnet worden. An mehreren Tagen hintereinander habe es gar keine Infektionen gegeben, insgesamt seien derzeit zwölf positiv getestete Isländer bekannt.

Die Johns-Hopkins-University gibt die Anzahl der Corona-Infektionen in Island mit insgesamt gut 1800 an, nur zehn Menschen sind im Zusammenhang mit der Krankheit gestorben.

Bereits seit Mitte April gab es täglich immer nur vereinzelte Neuinfektionen in Island, seit über zwei Wochen sind pro Tag aber nie mehr als fünf neue Fälle hinzugekommen. Die Isländer profitieren von den positiven Entwicklungen: Ab dem 25. Mai sollen wieder Versammlungen mit voraussichtlich bis zu 200 Menschen erlaubt sein. Schulen sind bereits wieder zum Normalbetrieb zurückgekehrt, auch Universitäten und Hochschulen sowie Friseure, Masseure, Schönheitssalons, Zahnärzte und Museen konnten wieder öffnen. Das Land war bereits extrem frühzeitig auf die drohende Pandemie aufmerksam geworden und hatte unter anderem den Hotspot Ischgl entdeckt.

Nordkorea und Turkmenistan meldeten bislang noch gar keine Infektionsfälle

Ist Nordkorea tatsächlich von der Pandemie verschont geblieben? Jedenfalls meldete das Land bislang keinen einzigen Infektionsfall. Auch die Johns-Hopkins-Universität weist für Nordkorea keine Zahlen aus. Das gleiche gilt für Turkmenistan, wo bisher ebenfalls keine Infektionsfälle bekanntgegeben wurden.

Dass es in Nordkorea tatsächlich kein Corona gibt, wird jedoch wegen der engen Handels- und Schmuggelverbindungen zu China bezweifelt. Das Auswärtige Amt spricht in einem aktuellen Lagebericht von einer "unklaren Lage" in dem asiatischen Land. Turkmenistan ist ähnlich abgeschottet wie Nordkorea, hat aber im Süden eine lange Grenze zum stark betroffenen Iran.

Kein Corona auf Pazifik-Inseln

Auch auf den zu Mikronesien gehörenden Marshall-Inseln wurde bislang keine Infektion mit dem Coronavirus gemeldet, wie aus einer Übersicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hervorgeht.

Das gilt auch für weitere Gebiete im Pazifik wie zum Beispiel Samoa, Amerikanisch Samoa, Kiribati, Tokelau, Wallis und Futuna, Tonga und die Solomonen.

Estland, Lettland und Litauen öffnen die Grenzen

Auch die baltischen Staaten signalisierten, das Virus vollständig unter Kontrolle zu haben. Deswegen wurden am Freitag die gemeinsamen Grenzen wieder geöffnet. "Wir können froh sein, dass wir die erste Viruswelle erfolgreich unter Kontrolle gebracht haben und als erste in der Europäischen Union unsere Grenzen für die Bürger des jeweils anderen öffnen", sagte Litauens Ministerpräsident Saulius Skvernelis in einer gemeinsamen Videobotschaft der Regierungschefs. Man bleibe aber "vorsichtig und verantwortungsbewusst".

Die Bürger der drei Nachbarländer im Nordosten Europas dürfen nun wieder frei innerhalb Estlands, Lettlands und Litauens reisen, ohne sich wegen der Corona-Krise für zwei Wochen in Selbstisolation begeben zu müssen. Wer aus Drittstaaten einreist, muss weiterhin 14 Tage zuhause in Quarantäne. 

Quellen: Rundfunksender RUV, Johns-Hopkins-University, Lagebericht Auswärtiges Amt, Übersicht der WHO, Nachrichtenagenturen DPA, AFP

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