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Trintino: Perlender Wein, Olivenöl und gutes Essen: Gourmet-Oasen am Gardasee

Im Norden Italiens findet sich zwischen Trient und dem Gardasee alles, was einen Urlaub angenehm macht: ausgezeichnete Restaurants und Winzer in einer hinreißenden Landschaft.

Von Bergen umgeben: Bei Nago-Torbole mündet die Sarca in den Gardasee

Von Bergen umgeben: Bei Nago-Torbole mündet die Sarca in den Gardasee

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Wenn sich hinter dem letzten Tunnel der Brennerautobahn das Land wieder öffnet und wenn sich das Grün der Weinreben die Hänge beginnt hinaufzuziehen, dann sollte man genau hier nicht weiterfahren Richtung Gardasee, sondern in Trient die Ausfahrt nehmen. Warum?

Rechter Hand an der A 22 ist der Grund zu sehen: ein klotziges Gebäude mit einigen Fahnen davor und der großen Aufschrift "Spumante Ferrari" an der Fassade, was mitnichten auf eine Verbindung zum Autohaus verweist. Hinter dieser unscheinbaren Fabrikhalle verbirgt sich die größte Schaumwein-Kelterei Italiens. Und noch wichtiger: der Beginn einer einzigartigen Genuss-Reise.

Ferrari Trento produziert in diesen Gebäuden jährlich mehrere Millionen Flaschen Champagner, den man aber so nicht nennen darf, da er eben hier im Trentino hergestellt wird. Schaumwein heißt er daher, aus Chardonnay- und Pinot-Noir- Trauben hergestellt in der Metodo Classico. Was bedeutet: Nach einer ersten Gärung im Stahltank folgt eine zweite in der Flasche, danach monatelange Lagerung in ruhigen und dunklen Kellern.

Nach Aufenthalten in Frankreich und Deutschland erkannte Giulio Ferrari um das Jahr 1900, dass im Trentino ähnliche Bedingungen herrschen wie in der Champagne: mineralische Böden und raue Winde, dazu große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, sodass die Trauben einen spritzigen, frischen Schaumwein ergeben. Der Junggeselle vererbte seine Winzerei dem Weinhändler Lunelli aus Trient dessen Enkel nun in dritter Generation die Firma Lunelli zu einem der großen Weinhersteller Italiens machten.

Reben in Ökoanbauweise

Warum aber nun sollte man seine Urlaubsfahrt unterbrechen, um sich eine Fabrikhalle an der Autobahn anzuschauen? Weil man hier neben der Verkostung von Brut bis Riserva eine besondere Gourmet- Tour buchen kann. Heute führt Camilla Lunelli, in ihrer einnehmenden Art die Sprecherin der Familie, zur Villa Margon. Das Anwesen aus dem 16. Jahrhundert befindet sich im Besitz der Familie. Dafür fährt sie aus dem Gewerbegebiet im Affenzahn auf schmalen Straßen in Richtung Berge; Staub wirbelt auf, die Fabrikhallen sind da längst vergessen.

Die Lunellis führen ihre Winzerei in dritter Generation, in Trient betreibt die Familie die größte Schaumwein-Kelterei Italiens

Die Lunellis führen ihre Winzerei in dritter Generation, in Trient betreibt die Familie die größte Schaumwein-Kelterei Italiens

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Einst beherbergte die Villa, die zwischen wilden Bäumen und einem künstlichen See liegt, Kaiser Karl V., und wohl zu diesem Zwecke wurde sie mit Fresken der Weinlese versehen. Camilla Lunelli erzählt, dass sie und ihre Familie früher, als die Kinder noch nicht in die Schule mussten, große Teile des Jahres auf dem Anwesen verbrachten. Weil sich hier, zwischen schroffen Felshängen und Weinreben, die Ruhe und der Luxus der Gegend verbinden.

Genuss, das zeigt sogar ein so internationales Unternehmen wie das der Familie Lunelli, basiert im Trentino auf dem Stolz und der Verbundenheit zur Region. Für ihre Ferrari-Schaumweine produzieren die Lunellis inzwischen alle Reben in Ökoanbauweise. Zulieferer werden ebenfalls in Ökolandwirtschaft geschult. Nachhaltigkeit, die Natur, die Berge, der Respekt vor dem Land – es sind hier nicht nur leere Werbebotschaften.

Olivenöl vom Gardasee

Signora Lunelli führt die Tour weiter zur Locanda Morgan. Das Zwei-Sterne-Restaurant gehört ebenfalls ihrer Familie, in der Küche regiert der Meisterkoch Alfio Ghezzi. Der Paraglider, Bergsteiger und Skifahrer wurde im Trentino geboren und ist verwurzelt in der hiesigen Küche, die changiert zwischen Mittelmeer und Bergbauer. Ghezzi serviert seine Menüs mit einem Blick weit ins Tal hinein – für die Gäste ein Genuss mit allen Sinnen.

In der oft übervollen Region rund um den Gardasee sind es diese kleinen Einkehrmomente, die entschädigen für den ewigen Stau, der den Urlauber auf der Gardesana erwartet, für die vollen Strände und Campingplätze und Einkaufsstraßen. Auch der Gardasee hat im Sommer mit Overtourism zu kämpfen, dem Zuviel an Touristen. So entspannend der Blick übers Wasser sein kann, so schön die Städte und die Berge sind, so wenig hat vieles zwischen dieser Schönheit mit Genuss zu tun. Sondern mit Anstehen, Warten, Feststecken, Abgasen, Parkplatzsuche.

Am Gardasee produzieren Gianfranco Comincioli und seine Familie feines Olivenöl, zehn verschiedene Sorten bauen sie an 

Am Gardasee produzieren Gianfranco Comincioli und seine Familie feines Olivenöl, zehn verschiedene Sorten bauen sie an 

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Umso wichtiger ist es, die Oasen zu kennen, auch auf der Fahrt entlang des Westufers in den Süden. In Puegnago feiert die Familie Comincioli das Olivenöl mit einer Begeisterung, die sonst Motorfreaks für Autos oder Motorräder zeigen. Wer diesen Vergleich unpassend findet, sollte sich auf einer Führung die Feinheiten der Olivenölpressung der Marke Comincioli erklären lassen.

Zehn Olivenvariationen baut die Familie auf zehn Hektar Fläche an, auch die regionale Sorte Casaliva. Geerntet werden sie von Oktober bis November, von Händen verlesen, von einer eigens erfundenen Maschine entkernt, sodass kein Fruchtfleisch verloren geht. Dann werden sie von einer ebenfalls eigens entwickelten Maschine so gepresst, dass keinerlei Sauerstoff ans feine Fleisch gerät. Ergebnis: ein Öl voller Vitamine A, E und Antioxidantien, mit wenig Säure, viel Geschmack und sehr vielen Auszeichnungen. Außerdem hat Comincioli die wirklich schönsten Olivenölflaschen Italiens, ähnlich einem Parfümflakon. Dahinter schimmert das Öl sonnig-golden, man will es fast gar nicht öffnen.

Im Einklang mit Tier und Natur

Weiter geht es in den Süden – als Tourist auf der Suche nach Flecken ohne viele Touristen. Direkt am Gardasee sind diese Orte schwierig zu finden. Man muss etwas weiter fahren, weg vom Wasser und hin zu dem Örtchen Padenghe sul Garda. Einst war das dortige Weingut Pratello ganz rustikal, ein paar Fremdenzimmer, ein paar Tische im Hof, gutes Essen, anständiger Wein. Jetzt ist es ein veritabler Agriturismo geworden, die Zimmer sind elegant modernisiert, ein eigener Badesee wurde angelegt, das Restaurant ausgebaut.

Die gute Landküche ist geblieben, noch mehr: Die Familie geht weit über die Biozertifizierung hinaus, die ihren Weinanbau seit mehr als einem Dutzend Jahren prägte. Mit der Metodo Pratello will sie ihre Landwirtschaft im vollständigen Einklang mit Tier und Natur betreiben. Dazu gehören insektenfreundliche Sträucher zwischen den Weinreben und noch weniger Einsatz von Dünger.

Im Hof kann man zur Erntezeit an langen Tischen sitzen und dem Bauern zuschauen, wie er die Trauben in die Presse schaufelt. Es riecht leicht säuerlich, der Steinfußboden ist etwas klebrig. Und man hat ihn gefunden, den Genuss der Ruhe.

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