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Hochfrangart: Der Meister im Zaubergarten

Hoch über Bozen schwebt eine Kugel aus glänzendem Metall. Im Morgengrauen fängt sich das Licht des Rosengartens in ihr. Ein Spielzeug von Riesen. Die Kugel thront über Hochfrangart, dem verwunschen, verzauberten Reich des Kunstgärtners Karl Nicolussi-Leck.

Von Marina Kramper

Sie leuchtet, dass ihr Glitzern das ganze Tal erfüllt. Wenn sie sich dreht, ziehen die Korallenstöcke der Dolomiten mit und das Grün der Plantagen verschwimmt mit dem Blau des Himmels. Jeder in Bozen und Umgebung sieht das lockende Feuer des geschmolzenen Metalls. Aber anders als im Märchen folgt heute nicht jeder dem Ruf.

Die Kugel thront über Hochfrangart, dem verwunschen, verzauberten Garten des Kunstliebenden Karl Nicolussi-Leck. Dies Reich gehört nicht zu den offiziellen Sehenswürdigkeiten, die jeder Tourist auf seinem Plan hat. Zum Waltherplatz und in die Laubengassen wird jeder eingelassen, aber nach Hochfrangart muss man geladen werden. Karl Nicolussi-Leck hat den Garten im Sinne seiner Lieblingsphilosophen Platon und Parmenides von Künstlern gestalten lassen. "Eins ist das Ganze, denn dasselbe ist Denken und Sein". Der Text am Sockel der Platonbüste stammt von Parmenides. Seine Philosophie war es, der der Garten sein prägnanteste Zeichen zu verdanken hat: Die riesige Kugel, acht Meter im Durchmesser, ruht exponiert vorne am Hang auf einem Sockel, einem ehemaligen Bunker. "Das Sein ist kugelförmig", postulierte Parmenides und so ist dieses schimmernd verkörperte "Sein" aus unverwüstbarem Edelstahl fast von jedem Punkte Bozens aus zu erblicken.

Wenn Kunst lebendig wird

Alle Werke im Garten sind dort entstanden, wurden im Garten und vom Garten inspiriert. In der Auffahrt wacht Dragobert der Drache, eine riesiges Drachengetüm mit dem Gemüt eines überdimensionierten Dackels und Augen aus Swarowski-Kristallen. Franz Messner, Kunstschmied aus Ritten hat ihn geschmiedet, ebenso wie die große Kugel, die so sehr zum Wahrzeichen des Gartens wurde, dass Franz Messner sie schon beinahe schützend als "seine Seifenblase" bezeichnet. Dragoberts vier Meter lange Zunge überwölbt die Strasse, die hier noch öffentlich zugänglich nach Eppan, einem Dorf an der Weinstrasse, führt.

Ein paar Meter oberhalb seines Standortes hat Dragobert ein riesiges Ei aus Quarz gelegt, bewacht wird es hier von Friedrich Feichters Augenmännchen, die so staunend und nervös blicken, dass man meint, wenn man sich umdreht, seien sie verschwunden.

Acht alte Akazien standen am Rande der Strasse und hätten eigentlich abgeholzt werden sollen. Nicolussi-Leck dauerten die alten Bäume. Friedrich Feichter verwandelte sie in "Lichtbäume". Er konnte die Stämme erhalten und nutzen und schuf mit Witz, Farbe und verschiedenen Materialien Baumskulpturen. Metallscheiben umranken einen Stamm, so dass den Schülern einer Schulklasse dazu spontan die Frage kam, ob es sich um CDs handele. CD- Baum heißt er seitdem und scheint sich mit seinem Namen zu freuen. Tropfender Honig aus Fiberglas, metallische Duschstrahlen, kakteenartige Stacheln aus Stahl und gelbe Kunstglasscheiben, die das Licht hindurch lassen, haben die Stämme zu Kunstwerken werden lassen. Mit magischer Anziehungskraft verwandeln sie diese Schlucht mit ihrer üppigen, geilen Pflanzenswelt zum Tor in eine andere Welt.

In den Worten von Wald und Tier

Der offizielle Teil der Strasse von Frangart nach Eppan ist hier zu Ende und das Tor mit dem metallischen Schriftzug "Hochfrangart" öffnet sich zum Blick auf weitere Werke. Ein Centaur, der gerade eine Frau geraubt hat, um seiner Einsamkeit zu entfliehen, wartet lauernd am Hang. Patina und Mose bedecken manche Skulptur und Patina hat auch Karl Nicolussi-Leck angesetzt. Mit Mühe, aber lächelnd bewegt er sich von Sitz zu Sitz in seinem Garten. "Jetzt brauche ich überall schon einen Thron", lächelt er. Genauso alt sind seine Hunde, beide stets dankbar für die kleinen Pausen des Meisters. Der Waldhang ist schon mal abgerutscht und wird seitdem von Seismos, dem Griechischen Namensgeber aller Seismographen mit stählernem Bogenarm gestützt. Unter ihm sitzt ein flehender Franziskus, hebt seine Hände zum Waldesrand und fordert, man möge die Natur verstehen und beschützen. Karl Nicolussi-Leck ist alt und auch nicht gesund, schon fast nicht mehr in dieser Welt. Er liebt den Franzikus, denn der "wusste noch zu reden mit den Bäumen und den Tieren." Damit der Heilige nicht allein leidet, wohnt eine Eidechse auf einem großen Stein an seiner Seite und ein Ameisenbär schnüffelt unterhalb seines Blickfeldes im Erdreich herum. "Hier war früher einmal ein Ameisenhaufen" erzählt Karl Nicolussi-Leck, "aber denen war der ständige Anblick von dem Bären wohl zu ungemütlich, sie sind lieber umgezogen." Ein kleiner Steinkauz vollendet das figürliche Ensemble um den heiligen Franziskus, der mit den Tieren und den Pflanzen in Einheit und Harmonie zu leben wusste. Seine Gäste heißt Karl Nicolussi-Leck mit einer Flasche Champagner willkommen, bewacht vom kühlen Schatten des Franzikus. Für die Damen gibt es Gläser. "Wir Männer trinken nach alter Sitte." Aus dem goldenen Pokal.

Verwachsen mit dem Garten

Der Weg öffnet sich zu einer Plattform, die wie eine große Terrasse in den Hang getrieben wurde. Oberhalb wachsen Äpfeln in geraden Reihen und unterhalb liegt ein Gemüsegarten. Weitere Lichtbäume zieren die Auffahrt und Platons Büste grüßt aus Bronze neben der des Hausherrn. Ein gläserner Thron dreht sich über dem Panorama, der Blick ist fast schon zu exklusiv, denn er lässt die anderen Kunstwerke hinter dem Rücken verschwinden. Durch die Apfelreihen geht der gewundene Weg hügelan und führt vorbei an teilweise eingewachsenen Skulpturen aus Stein und Bonze. Überall lässt sich Überraschendes und Fantastisches entdecken. Hinter einer Tür, die an eine Ofenklappe erinnert findet man brav in Form gebürstete metallische Schamhaare. Mit Abstand betrachtet entpuppt sich die doppelte Stehle von Guido Muss als Frauenunterleib. Drahtaffen hängen in den Bäumen und Fische springen um die Baumkronen, Bronzefrauen rekeln sich versonnen am Swimming-pool. Ein riesiges Auge ragt in das Tal und leuchtet nachts dem Suchenden den Weg.

"Der Künstler, der zögert, ob er die Herausforderung dieses Aufstellungsraumes annehmen soll, hat schon verloren. Die Kunstwerke werden nicht im fertigen Zustand gekauft, sie müssen für diesen Ort entstehen und mit ihm verwachsen." So erklärt Nicolussi-Leck die Entstehung der Stehlen, Figuren und Skulpturen in seinem Garten. Tatsächlich verlieren die Werke im Garten des Kunstliebenden ihren Status als "Kunstobjekt", sie bewohnen und beseelen diesen Hain. Und Nicolussi-Leck ist wie sie. Zart, gebeugt und gesättigt von der Überfülle eines langen Lebens wandert Karl Nicolussi-Leck zwischen ihnen umher. Jahrgang 1915, den höchsten Punkt seines Gartens erreicht der Kunstgärtner heute nicht. Aber jünger sein? Sich dem Wahn der Zeit anschließen? "Noch einmal ein so langes Leben leben? Nein, eines ist genug. Wirklich genug." Auch er ist verwachsen mit dem Garten. Was wird aus Drachen, Echse und Franzikus werden, ohne ihn Nicolussi-Leck. Ohne ihn wird heute der der höchste Punkt von Hochfrangart erreicht. Ein kleines Plateau öffnet sich vorne zum Tal. Und da endlich steht sie, die Kugel.

Sie schimmert in der Sonne. Mit vereinten Kräften lässt sie sich drehen. Alle tanzen um die Kugel. Vielzitiertes Gleichgewicht der Kräfte: Gegenüber im Bergmuseum Firmian hat Messner in einem der Türme eine riesige tibetanische Gebetsmühle installieren lassen. Ein Kunstwerk und ein religiöses Zeichen. Dreh- und Angelpunkte der Kulturen und Religionen in direkter Sichtweite.

Service Bozen

Hotel Hanny <

Bei Bozen, aber nicht mittendrin. Helle, schöne Zimmer, preiswert
Karl und Margot Riegler
St. Peter 4
I-39100 BOZEN
Tel +39 0471 973498
Fax +39 0471 300474

Hotel Bad Schörgau

Etwas abseits im Sartntal gelegen, absoute Spitzenküche, Wellness
I - 39058 Sarntal
Tel +39 0471 62 30 48
Fax: +39 0471 62 24 42

Hotel Greif

Künstlerisch gestaltet, mondän und mittendrin
I- 39100 Bozen
Waltherplatz
Eingang: Raingasse T.: +39 0471 318 000
F: +39 0471 318 148

Südtirol Information /

Allgemeine Informationen und Hilfe bei allen Fragen zum Urlaub in Südtirol gibt es bei der Südtirol Information.
Pfarrplatz 11
I - 39100 Bozen
Tel. +39 047 999 999

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