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stern-Reisecheck Pauschalreisen: Allein, allein

Für den stern-Reisecheck reiste unsere Autorin nach Griechenland,  in ein All-Inclusive-Hotel. Und zum ersten Mal beschlich sie das Gefühl, als Alleinreisende nicht gut aufgehoben zu sein.

Ein Erfahrungsbericht von Vivian Alterauge

Einsamer Strand im Touristenörtchen: Malia auf Kreta wartet noch auf die Hochsaison.

Einsamer Strand im Touristenörtchen: Malia auf Kreta wartet noch auf die Hochsaison.

Schon als ich mich im Warteraum am Gate niederlasse, mit mir reist nur mein oller Leder-Weekender, fühl ich mich nicht so recht dazugehörig. Links von mir plant ein Paar ihren dreiwöchigen Urlaub auf Kreta - ja, und in der zweiten Woche mieten wir ein Auto, und dann treffen wir Bernd und Ilona. Vor mir knipsen Mädchen Selfies von sich und ihren Bordkarten. Retrocharme für Instagram. Am Transferbus zu meinem Hotel bin ich die erste, und mich entlarvt nicht nur der fehlende Rollkoffer. „Gehören Sie zu einer Gruppe?“ fragt mich die nette Frau am Schalter? Nee, ich bin meine eigene Reiseclique.

Im Bus besetze ich zwei Plätze, mein Hotelzimmer empfängt mich mit zwei Einzelbetten, ich plane, mal das eine, mal das andere zu benutzen. Ein erster Gang zum Pool. Familien, mindestens vierköpfig. Gackernde Freundinnen. Ich ziehe meine Liege unter einen Baum, etwas abseits. Bei jedem Gang fühle ich mich beobachtet.


Eigentlich habe ich nichts gegen Alleinreiserei, zumal ich ja beruflich unterwegs bin. Diese Ruhe. Beim Frühstück Zeitung lesen ohne jemandem Rechenschaft schuldig zu sein. Fremde Städte durchstreifen und sich dabei ein bisschen mutig fühlen. Doch genauso wie Städte- und Backpackerurlaube mit sich selbst quasi organisch sind, scheinen die klassischen Pauschalurlaube wenig kompatibel für Alleinreisende zu sein. Oder für mich? Es ist, als schwebe ständig ein blinkender Pfeil über meinem Kopf. Schaut, da läuft sie, die Eigenbrötlerin.

Plötzlich sitzen drei Mädchen an meinem Tisch

Keine Frage, auch für Alleinreisende gibt es Pauschalangebote, bewerben sich Hotelanlagen explizit als Singlehotel. Schließlich reisen 20 Prozent der Deutschen allein, das errechnete die Kieler Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen. Eine nicht zu vernachlässigende Zielgruppe.  In meinem Urlaubsclub auf Kreta schickt es sich aber vielmehr, sogar zu zweit am Buffet anzustehen, sich gegenseitig Grillfleisch, Tzatziki und Schokomousse auf die Teller zu türmen. Kellner fragen mich, für wie viele weitere Esser sie decken sollen. Und notgedrungen würge ich einen Animateur ab, der mich bei einem abendlichen Clubtanz den anderen Gästen vorstellen möchte.

Blick vom Balkon auf den Hotelpool - der Gang dorthin wird beobachtet

Blick vom Balkon auf den Hotelpool - der Gang dorthin wird beobachtet

Am nächsten Abend besetze ich wiederum einen Tisch auf der Restaurantterrasse. Als ich vom Buffet zurückkehre, bin ich verwirrt. Da sitzen drei Mädchen an meinem Tisch. Wir dachten, der Tisch ist frei – aber da liegt doch meine Zimmerkarte. Als ich den Mädchen dann erzählte, ich sei allein vor Ort – ich gebe zu, ich löste nicht auf, dass ich rein beruflich reiste –  konnten sie sich nicht mehr halten. Was ich denn den ganzen Tag mache? Naja, abgesehen von Recherchen nichts anderes als die anderen auch. In der Sonne liegen, lesen, Musik hören, dösen. Dinge, die man hervorragend alleine machen kann. Solange man nicht ständig beobachtet wird.

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