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Wanderurlaub in Irland: Von den grünen Bergen kommen wir

Reicht auch ein Kurzurlaub aus, um Land und Leute bei einem Wandertrip nach Irland kennenzulernen? Unser Autor hat das ausprobiert und war drei Tage auf dem Wicklow Way, südlich von Dublin unterwegs.

Von Dominik Brück

Als Großstadtbewohner zieht es mich immer wieder raus in die Natur. Einmal weg sein von Verkehrslärm, Häuserschluchten und hektischen Menschenmassen. Für einen Kurzurlaub habe ich mir daher Irland ausgesucht. Die grüne Insel bietet mit ihren malerischen Landschaften und der scheinbar endlosen Natur genau die Erholung, die ich suche. Leider bleiben mir eine Wanderung durch die Berge und Täler um Dublin nur drei Tage Zeit. Ob das reicht die freie Natur in vollen Zügen genießen zu können? Nach kurzem Zögern buche ich einen Flug und plane meine Strecke. Das Ziel: Den berühmten Wicklow Way südlich der irischen Hauptstadt rund 65 Kilometer entlangwandern.

Tag 1: Auf den Spuren des Hobbit

Aus dem Zentrum von Dublin erreicht man den Start des Wicklow Way im Marley Park am besten mit der Buslinie 16. Obwohl ich mich vorher gut über den Weg informiert habe, gestaltet sich bereits die Suche nach dem Startpunkt meiner Wanderung schwierig. Zuerst steige ich zwei Kilometer zu früh aus dem Bus und muss den Weg zum Park laufen, dann biege ich im Park selbst falsch ab und drehe eine kleine Runde, bevor ich endlich den Durchlass zu einer Mauer finde, die den Startpunkt des Wicklow Way markiert. Mein Tipp: Mit dem Busfahrer sprechen verhindert, das man zu früh oder zu spät aussteigt. Den Beginn des Weges findet man leicht, wenn man sich an den Schildern zum Marley House orientiert.

Auf der Strecke selbst gestaltet sich die Wegfindung äußerst einfach: Wegweiser mit einem gelben Männchen und Pfeilen zeigen an, in welcher Richtung es weitergeht. Obwohl es daher fast unmöglich ist sich zu verlaufen, sollte man dennoch eine Karte dabei haben. Besonders dann, wenn man plant den Weg für eine Unterkunft oder Ausflüge zu verlassen. Bereits kurz nach dem Start geht es steil bergauf in die Wicklow Mountains. Der Anstieg zehrt schon früh an den Kräften, entschädigt jedoch mit einem herrlichen Ausblick über Dublin. Auf dem Weg nach oben treffe ich Daniel, der ebenfalls aus Deutschland kommt und den Wicklow Way entlang wandert. Wir beschließen gemeinsam weiter zu gehen. Später kommen noch Amanda aus Frankreich und Stephanie aus den USA zu unserer Gruppe hinzu. Das ist das schöne am Wandern, man trifft schnell Leute und kann gemeinsam ein Stück zusammen gehen.

Auf scheinbar endlosen Wegen ist unser Autor drei Tage lang den Wicklow Way entlang gewandert.

Auf scheinbar endlosen Wegen ist unser Autor drei Tage lang den Wicklow Way entlang gewandert.

Es geht über teils unbefestigte Pfade mit viel Geröll über Bergrücken entlang. Festes Schuhwerk ist hier unverzichtbar, ebenso wie wetterfeste Kleidung und ausreichend Wechselklamotten. Denn: Während des ständigen Auf und Ab über Berge und durch Täler wechselt die gefühlte Temperatur mehrfach. Besonders in den höheren Lagen kann das Wetter schnell umschlägen. Es empfiehlt sich bei Pausen die verschwitzen Oberteile durch trockene Kleidung zu ersetzen, um nicht auszukühlen. Auch hier oben fernab der Zivilisation weisen uns Schilder den Weg. Amanda tauft das gelbe Männchen "Henry", wir bleiben bei diesem Namen.

Zusammen mit der Gruppe durch diese Berglandschaft mit ihrer Mischung aus schroffen Felsen und grünen Hängen zu laufen, erinnert ein wenig an die Abenteuer des Hobbit im gleichnamigen Kinofilm. Müde, aber beeindruckt von den Erlebnissen des ersten Tages erreichen wir das Knocktree Hostel, das direkt am Weg liegt und mit 18 Euro für die Nacht im Mehrbettzimmer recht günstig ist. Mit Bick auf die idyllische Berglandschaft kochen wir zusammen (da es hier keine Restaurants oder Supermärkte gibt, sollte man Verpflegung dabei haben) und lassen den Abend bei einer Runde Monopoly ausklingen.

Die Strecke ist teilweise sehr unwegsam, was die Gruppe Kraft kostet.

Die Strecke ist teilweise sehr unwegsam, was die Gruppe Kraft kostet.

Tag 2: Auf zum Gipfelsturm

Nach einem guten Frühstück (Eier, Toast, Saft und Kaffee - für 4,50 Euro im Hostel zu bekommen) geht es zurück auf den Wicklow Way. Meine Beine schmerzen etwas vom Vortag, doch viel Zeit zum Ausruhen bleibt nicht. Nach einem kurzen Stück entlang eines sprudelnden Baches geht es wieder steil bergauf, was sich für eine Weile auch nicht ändern wird. Für die Anstrengung wird man unterwegs aber mit einem Ausblick auf den höchsten Wasserfall Irlands (121 Meter) belohnt. Nachdem wir den ersten Anstieg überwunden haben, können wir bereits unser nächstes Ziel sehen: Wir wollen auf den Djouce Mountain, den mit 725 Metern höchsten Berg in der Region.

Der Gipfel ist zwar ein Umweg von rund zwei Kilometern, doch die Aussicht wollen wir uns nicht entgehen lassen. Schon der normale Wicklow Way steigt hier steil auf über 600 Meter an. Unbefestigte Wege und ein starker Wind erschweren das Vorankommen zusätzlich. Die Wildpferde, die wir hier sehen, scheint das aber nicht zu stören. Der Weg zum Gipfel ist noch einmal ein ganzes Stück steiler als die normale Strecke. Niemand spricht auf dem Weg nach oben, man hört nur den eigenen Atem und konzentriert sich auf den nächsten Schritt. Kurz vor dem Gipfel treffen wir eine Gruppe Pfadfinder, die über den leichteren südlichen Pfad nach oben gelangt sind. Von der Betreuerin erfahren wir, dass wir heute Glück haben und die Spitze des Berges nicht wie so oft in Nebel gehüllt ist. Das spornt uns nochmal an und tatsächlich: Auf dem Gipfel haben wir eine fantastische Aussicht, die zurück bis nach Dublin reicht. Lange halten wir uns hier aber nicht auf, da uns der Wind einfach zu stark um die Ohren pfeift.

Zurück auf dem Wicklow Way geht es über Holzbohlen, die das Hochmoor hier vor Schäden bewahren sollen. Obwohl die Metallgitter auf den Hölzern einen sicheren Tritt ermöglichen, müssen wir aufpassen, dass wir nicht in einen der Tümpel fallen. Die Aussicht über die Täler und tiefblauen Seen veranlasst uns aber immer wieder stehen zu bleiben und minutenlang schweigend den Blick schweifen zu lassen. Der letzte Teil der Strecke führt zwar größtenteils bergab, ist aber aufgrund des schlecht befestigten Weges voller Wurzeln und Steine sehr anstrengend. In den Wäldern, durch die es nun geht, finden wir ein ganzes Meer aus Kleeblättern, können aber leider kein Vierblättriges entdecken.

Bevor wir uns heute erholen können, müssen wir den Weg verlassen und einer Straße rund zwei Kilometer in den Ort Roundwood folgen. Hier gibt es zahlreiche Unterkünfte, Pubs, Restaurants und einen Supermarkt. Man sollte auf jeden Fall vorher reservieren, um auch sicher ein Bett zu finden. Die Preise haben sind hier voll auf den Wandertourismus ausgerichtet, aber noch erträglich. Die Nacht im Einzelzimmer schlägt inklusive kleinem Frühstück mit 35 Euro zu Buche. Den Abend verbringen wir im urgemütlichen Pub "Coach House" an einem echten Kaminfeuer und lassen uns einige Guiness und Whiskeys schmecken.

Müde, aber glücklich und beeindruckt von der Landschaft ist der Autor nach drei Tagen auf dem Wicklow Way.

Müde, aber glücklich und beeindruckt von der Landschaft ist der Autor nach drei Tagen auf dem Wicklow Way.

Tag 3: Die Schrecken des Massentourismus

Die Anstrengungen der vergangenen Tage merke ich zu Beginn des dritten Tages deutlich. Die Oberschenkel brennen, die Schultern schmerzen vom Tragen des Rucksacks, und ich habe zwei unangenehme Blasen am kleinen Zeh. Ein Glück, dass die letzte Etappe mit ihren rund 15 Kilometern im Vergleich zu den 25 Tageskilometern der ersten beiden Abschnitte etwas kürzer ausfällt. Auch der Wicklow Way ist zwischen Roundwood und Glendalough sehr moderat: Es gibt nur einige kleine Anstiege, und die Strecke führt nur über wenige unwegsame Stellen. Erneut laden viele schöne Aussichtspunkte zu Pausen ein, wovon wir auch reichlich Gebrauch machen. An einer Schutzhütte, in der man auch direkt am Weg übernachten kann, verewigen wir uns in einem kleinen Buch, in das sich schon zahlreiche Wanderer vor uns eingetragen haben.

Eine besondere Pause machen wir kurz vor unserem Ziel: An einem kleinen Fluss finden wir es eine ruhige Stelle direkt am Ufer. Ich halte meine Füße eine Zeit lang in das eiskalte Wasser, was nach den Strapazen der Vortage eine echte Wohltat ist. Von einer Anhöhe können wir dann das alte Kloster Glendalough mit seinem markanten Rundturm sehen. Bis zur Auflösung der irischen Klöster 1539 war der heute verlassene Ort ein wichtiges religiöses Zentrum. Eingebettet zwischen grünen Hügeln und zwei malerischen Seen stellt das Kloster das Ende meiner Reise dar. Nach dem Abstieg von dem Hügel bin ich jedoch entsetzt: Statt stillem Kleinod befinden wir uns inmitten eines riesigen Parkplatzes. Reisebusse bringen Scharen von Touristen direkt aus Dublin für einen Tagesausflug hierher. Überteuerte Imbissbuden und Souvenirshops sind rund um das alte Kloster aufgebaut. Im Park um den See wird munter gegrillt.

Auch wenn wir uns das Ende unserer Reise so nicht vorgestellt hatten, nehmen wir uns die Zeit und besuchen das sehenswerte Kloster. Nach einem kleinen Spaziergang um den See heißt es Abschied nehmen. Daniel will auch die restlichen 62 Kilometer des Wicklow Way noch entlangwandern. Amanda, Stephanie und ich nehmen den St.-Kevins-Bus, der zwei Mal täglich zwischen Dublin und Glendalough verkehrt, zurück in die irische Hauptstadt, wo sich auch unsere Wege trennen. Die Fahrt dauert anderthalb Stunden und kostet 13 Euro. Im Bus erzählt mir eine Irin, dass der wahrscheinlich anspruchsvollste, aber auch schönste Teil des Wicklow Way hinter mir liegt. Ich möchte auf jeden Fall zurückkommen und von Glendalough bis zum Ende des Weges wandern. So schnell werden mich die Landschaft, die Natur und die freundlichen Menschen Irlands nicht wieder loslassen.