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Tagelanger Meldefehler Corona-Lage auf Mallorca viel schlimmer als gedacht

Sehen Sie im Video: So sieht das Leben im abgeriegelten Viertel in Palma de Mallorca aus.


Wegen hoher Corona-Zahlen hat die Regionalregierung der Balearen die Abriegelung eines Wohnviertels der Stadt Palma angeordnet. Die etwa 23 000 betroffenen Menschen im Arbeiterviertel Son Gotleu und in einigen angrenzenden Straßenzügen dürften ihr Wohnviertel seit gestern nur noch verlassen, um zur Arbeit, zu einem Arzt oder einem Krankenhaus sowie zur Schule oder einer anderen Bildungseinrichtung zu gehen oder um sich um Pflegebedürftige zu kümmern, berichtete die deutschsprachige «Mallorca Zeitung» am Donnerstag. Geschäfte und Cafés dürften mit der halben Zahl der üblichen Plätze weiter geöffnet bleiben. Bars müssen spätestens um 22.00 Uhr schließen. Die Einschränkungen gelten zunächst für zwei Wochen. Son Gotleu im Norden der Stadt, wo viele Menschen aus Lateinamerika, Osteuropa und Afrika leben, leidet seit langem unter sozialen Problemen, die sich durch Corona noch verschärft haben. Urlauber, die für die Wirtschaft der Inseln von enormer Bedeutung sind, kommen nur selten dorthin.
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Die Tourismusbranche auf Mallorca hatte wegen sinkender Coronazahlen Hoffnungen auf einen Neustart der Urlaubssaison. Doch nun stellte sich heraus: Die Zahlen wurden tagelang falsch gemeldet. Die Lieblingsinsel der Deutschen dürfte weiter ein Risikogebiet bleiben.

50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner – dieses Verhältnis ist zum Gradmesser in der Corona-Pandemie geworden. Denn an diesem kritischen Wert entscheidet sich, ob Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus weiter gelockert oder sogar wieder verschärft werden. Zugleich ist diese Zahl ein wichtiger Indikator für Urlaubsreisende: Überschreitet eine Region dauerhaft diesen Wert, ist absehbar, dass sie von der Bundesregierung als Risikogebiet eingestuft wird.

Bei Mallorca, der Lieblings-Urlaubsinsel der Deutschen, war dies am 14. August der Fall. Seit fast einem Monat gilt die Baleareninsel mittlerweile als Risikogebiet. Zuletzt schien jedoch Besserung in Sicht, tagelang blieb die Zahl der täglichen Neuinfektionen unter der entscheidenden Marke. Bei Hoteliers und Gastronomen kehrte die Hoffnung zurück, dass der Tourismus kurz vor den Herbstferien doch noch einmal angekurbelt werden könnte.

Mallorca meldet zu wenige Coronafälle

Nun dürften diese Träume vorerst geplatzt sein. Denn wie die "Mallorca Zeitung" unter Berufung auf Eugenia Carandell, Direktorin im balearischen Gesundheitsministerium, berichtet, gab es einen Übertragungsfehler zwischen den lokalen Behörden und dem nationalen Gesundheitsministerium. Statt knapp unter 50 Fällen soll die richtige Fallzahl bei 120 bis 170 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern liegen – also in der Spitze mehr als dreimal so hoch. Der "Informatikfehler" soll nun innerhalb weniger Tage behoben werden, erklärte das Ministerium.

Auf Mallorca ist die Infektionslage seit Wochen angespannt, dementsprechend wurden die Maßnahmen verschärft. Seit Freitag dürfen etwa 23.000 Bewohner eines Stadtteils von Palma de Mallorca ihr Viertel nur noch für das Nötigste verlassen – dazu zählt der Weg zur Arbeit, zum Arzt oder zur Schule.

Für ganz Spanien wird der Wert derzeit mit etwa 113 angegeben. Am Freitag war die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen in ganz Spanien auf einen neuen Rekordwert von 12.183 geklettert. Dies war der höchste Anstieg binnen eines Tages seit Beginn der Pandemie, schrieb die Zeitung "El País".

Quelle: "Mallorca Zeitung"

cf

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