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Krisenteam Sieben Millionen für ein Vergewaltigungsopfer: Wie Airbnb kriminelle Vorfälle abwickelt

Airbnb-Wohnung
Airbnb beschäftigt ein ganzes Team, das sich um besonders schwierige Fälle kümmert (Symbolbild)
© Christoph Hardt/Geisler-Fotopres / Picture Alliance
Während eines Aufenthalts in einer Airbnb-Unterkunft wurde eine Frau vergewaltigt – das Unternehmen zahlte ihr sieben Millionen Dollar, damit der Fall nicht in die Öffentlichkeit kommt. Verantwortlich dafür ist ein ganzes Team.

Am Silvesterabend 2015 wurde eine Frau in New York vergewaltigt. Die Australierin hatte über Airbnb eine Unterkunft in Manhattan gebucht. Den Schlüssel dafür holte sie in einem Shop nahe der Wohnung ab, berichtet "Bloomberg Businessweek". Allerdings hatte sich zuvor offenbar ein Mann den Schlüssel nachmachen lassen. Damit drang er in die Wohnung ein, bedrohte die Frau mit einem Messer und vergewaltigte die 29-Jährige.

Bis zum "Bloomberg"-Bericht in dieser Woche erregte die Geschichte kaum öffentliches Interesse, auch wenn es zu einem Prozess gegen den Täter kam. Dass so wenig darüber zu lesen war, lag zu einem großen Teil an Airbnb. Laut "Bloomberg Businessweek" zahlte das Unternehmen dem Opfer zwei Jahre nach dem Verbrechen sieben Millionen Dollar, damit dieses nicht über Airbnb in Zusammenhang mit dem Fall spricht und auch keine juristischen Schritte gegen das Unternehmen oder den Anbieter der Wohnung unternimmt.

Ein Team für Krisenfälle aller Art

Schon direkt nach der Vergewaltigung hatten die Verantwortlichen Maßnahmen ergriffen: Sie hatten die vergewaltigte Frau in einem Hotel untergebracht und ihre Mutter aus Australien eingeflogen. Fälle dieser Art kommen laut "Bloomberg" öfter vor. Airbnb hat dafür sogar ein eigenes Sicherheitsteam eingerichtet.

Diese Mitarbeiter sind dafür verantwortlich, im Krisenfall einzugreifen. Besetzt ist das Team mit hochkarätigen Experten. Insgesamt sollen hundert Menschen in Städten überall auf der Welt beteiligt sein. So gehörte auch der ehemalige CIA-Beamte und Berater des Nationalen Sicherheitsrates von Barack Obama, Nick Shapiro, dazu – er war im Fall der vergewaltigten Australierin verantwortlich. Missionen wie diese erinnerten ihn an Krisensituationen im Weißen Haus, sagte Shapiro, der mittlerweile nicht mehr bei Airbnb arbeitet, "Bloomberg Businessweek". Laut dem Bericht hat der Stab immer wieder mit extrem brisanten Fällen zu tun, bis hin zu Morden oder Leichenfunden. "Es gab Situationen, wo ich ein Telefonat beendet habe und dann weinen musste", zitiert "Bloomberg Businessweek" ein früheres Mitglied des Teams.

Das Geschäftsmodell von Airbnb basiert auf Vertrauen

Ein Sprecher von Airbnb erklärte zwar, dass es Opfern freistehe, öffentlich über ihre Erfahrungen zu sprechen und das Unternehmen nicht die Macht habe, Fälle aus der Medienberichterstattung herauszuhalten. Doch das Geschäftsmodell von Airbnb basiert auf maximalem gegenseitigen Vertrauen: Wer dort ein Apartment bucht, muss bereit sein, in der Wohnung eines Fremden zu übernachten. Anbieter von Wohnungen können zudem selbst festlegen, wie und wo die Schlüsselübergabe stattfindet. Außerdem müssen sie gegenüber Airbnb nicht offenlegen, wer sonst noch über einen Schlüssel zu der Unterkunft verfügt. Schreckensmeldungen können dieses Vertrauen schnell beschädigen und Ängste schüren – wie berechtigt auch immer diese sein mögen.

Deshalb spielt das Krisenteam für Airbnb eine zentrale Rolle. Um delikate Fälle möglichst geräuschlos abzuwickeln, dürften die Krisenmanager mit unbegrenzten Summen hantieren, berichtet "Bloomberg Businessweek". 50 Millionen Dollar gebe das Team pro Jahr aus – und werde deshalb intern auch "die Geldkanone" genannt.

Quelle: "Bloomberg Businessweek"

epp

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