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Meinung

"Join My Wedding": Kultur-Voyeurismus? In Indien kaufen Touristen Tickets für Hochzeiten

Manche Brautpaare in Indien entscheiden sich dafür, Touristen gegen einen Ticketpreis auf ihre Hochzeit zu lassen. Ein Start-Up hat damit eine Marktlücke im Tourismus besetzt.

Hochzeit Indien
Getty Images

Einmal eine traditionell indische Hochzeit miterleben wie in dem Film "Best Exotic Marigold Hotel" oder gleich wie Julia Roberts in "Eat Pray Love". Es gibt wohl kaum Touristen, die nicht davon träumen, wenn sie durch Indien reisen. Die traditionellen Gewänder, die Farben, das Essen, Henna, Blumen, der religiöse Aspekt – der romantische Aspekt: Eine indische Hochzeit bietet Einblick in eine andere Kultur, gegossen in die Form eines Events. 

"Du warst nicht in Indien, wenn du nicht auf einer indischen Hochzeit warst"

Orsi Parkanyi, eine Australierin, hat genau das als Geschäftsidee begriffen und die Website "Join My Wedding" gegründet. Dort können sich indische Paare anmelden, die bald heiraten wollen. Sie verraten Details zu ihren Festlichkeiten und lassen sich dort listen. Interessierte Reisende können dann Tickets zu der Hochzeit buchen, die ihnen am meisten zusagt. Um die 200 Dollar kostet das. Die Website wirbt mit dem Slogan: "Du warst nicht in Indien, wenn du nicht auf einer indischen Hochzeit warst."

We celebrated the first JoinMyWedding wedding exactly 7 months ago, where travelers got the chance to dive head first...

Gepostet von Join My Wedding am Dienstag, 28. März 2017

Die Vorteile scheinen klar und spiegeln sich auch in den Reaktionen der Reisenden wieder, die auf diese Weise eine Hochzeit besucht haben. Auf der Website schreibt ein Tourist aus Österreich: "Es war das coolste, was ich in Indien gemacht habe. Das Essen, die Leute, die Kultur, du bekommst alles!" Ein Gastgeber schreibt: "Meine Familie konnte es nicht erwarten, unsere besonderen Gäste an unserem großen Tag zu treffen und ihnen all die schönen indischen Hochzeitstraditionen zu erklären." Eine Hochzeit in Indien kann bis zu eine Woche lang dauern. Touristen können sich beim Kauf des Tickets einen Tag der Hochzeitsfeierlichkeiten aussuchen. 

Kultur-Voyeurismus?

Das Hochzeitspaar bekommt den Großteil des Ticketpreises. Das Start-Up "Join My Wedding" nimmt davon jedoch eine Art Kommission. Macht es die Hochzeit weniger speziell, wenn Fremde dafür bezahlen, auch mit dabei zu sein? Ob eine Hochzeit, das Versprechen auf ewig zwischen zwei Menschen, die Verbindung zweier Familien, auf diese Art als Event präsentiert werden soll, muss das Pärchen für sich selbst entscheiden. Auf diese Weise sind Hochzeiten nicht nur der vielleicht glücklichste Tag im Leben eines Paares, sondern auch eine Möglichkeit, um Geld zu verdienen.

Gepostet von Join My Wedding am Samstag, 4. März 2017

 

Die andere Frage ist, inwiefern man sich also Tourist tatsächlich wohl fühlt, einem so privaten Moment beizuwohnen. Oder ob man sich so fremde Kulturen und Menschen eher wie in einem Zoo ansieht? Also als Außenstehender, der nicht dazugehört. 

Letzten Endes ist es wichtig, dass das Brautpaar sich aus freien Stücken dafür entscheidet, Fremde gegen einen Preis auf ihrer Hochzeit zu haben. Und was den Kultur-Voyeurismus betrifft, bleibt die altbekannte Diskussion: Wäre es denn auf der anderen Seite besser, wegzuschauen und sich gar nicht mit der Kultur eines Landes vertraut zu machen?

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