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Karneval in Rio: Hitze, Glitzer und viel nackte Haut

Höhepunkt des Karnevals in Brasilien: Beim zweiten Durchlauf durch das Sambódromo in Rio feiern 80.000 Zuschauer in der Nacht zu Dienstag die Auftritte sechs weiterer Sambaschulen.

In der Nacht zu Dienstag geht es erneut in Rio hoch her: der zweite Durchlauf der Sambaschulen durch das Sambódromo

In der Nacht zu Dienstag geht es erneut in Rio hoch her: der zweite Durchlauf der Sambaschulen durch das Sambódromo

AFP

In der Nacht zu Dienstag defilierten weitere sechs der insgesamt 13 Sambaschulen durch das Sambódromo in Rio und präsentierten ihre ebenso fantasievollen wie glitzernden Shows und meterhohen Festwagen. Ein Jahr nach dem Amtsantritt des umstrittenen ultrarechten Staatschefs Jair Bolsonaro verbanden viele Gruppen das Karnevalsspektakel mit politischen Botschaften.

"Dieser Karneval enthält viel Protest, weil wir wollen, dass die Welt sieht, was hier passiert", sagte die als Riesen-Edelstein kostümierte Camila Rocha kurz vor dem Einzug ins Sambódromo. "Es gibt viele Menschen, die gegen diese sehr extreme Regierung sind." Das diesjährige Motto ihrer Sambaschule Estacio de Sa - "Steine" - ist eine Anspielung auf die Verwandlung der Erde in eine unwirtliche Mondlandschaft, sollte die Regierung Bolsonaros die Amazonaswälder nicht besser schützen. Im ihrem ersten Amtsjahr stieg die Abholzung in Brasiliens Amazonasgebiet um rund 85 Prozent.

Jesus und Polzeigewalt

Bolsonaro hat die brasilianische Bevölkerung tief gespalten. Seine ultrarechte Politik richtet sich gegen viele Themen, die den Karnevalisten in dem südamerikanischen Land wichtig sind: Diversität, Homosexualität, Umweltschutz und Kunst.

Die Sambaschule Mangueira, Siegerin des Wettstreits im vergangenen Jahr, erzählte die Rückkehr von Jesus, der mit Dornenkrone in geflickter Jeansjacke mit Anhängern in einem Armenviertel von Rio tanzt, bevor die Gruppe von mit Knüppeln bewaffneten Polizisten aufgelöst und Jesus direkt angegriffen wird: Eine Metapher für die stark angestiegene Polizeigewalt in den Favelas im vergangenen Jahr.

Video: Karneval: Straßenparty in Rio

In einem ihrer Lieder singt die Sambaschule von Jesus mit "schwarzem Gesicht, dem Blut der Ureinwohner und dem Körper einer Frau". Damit zog sich die Gruppe bereits im Vorfeld den Zorn der evangelikalen Christen zu, die zu den wichtigsten Unterstützern Bolsonaros gehören. In einem Schreiben an Mangueira bezichtigten sie die Gruppe der "Blasphemie".

Andere Sambaschulen haben Themen wie Falschnachrichten im Präsidentschaftswahlkampf 2018 oder die Rechte von Frauen und Schwarzen gewählt.

Kein Geld mehr von der Stadt

Die erfolgreichste Sambaschule in der Geschichte des Landes, Portela, wollte ihre Show dem Ureinwohnervolk Tupinamba widmen, das vor der Ankunft der Portugiesen im Gebiet von Rio de Janeiro lebte. Portela kritisiert in einem ihrer Lieder Bolsonaro, einen ehemaligen Kapitän der Marine, und den umstrittenen Bürgermeister der Millionenstadt, Marcelo Crivella, der zugleich Bischof einer der größten evangelikalen Gemeinden Brasiliens ist: "Unsere Gemeinschaft hat keine Partei oder Fraktion, sie hat keinen Bischof und verbeugt sich vor keinem Kapitän."

Crivella hat den weltberühmten Karneval in Rio seit seinem Amtsantritt 2016 immer wieder offen kritisiert und die finanziellen Zuschüsse von umgerechnet einst 5,8 Millionen Euro für die Sambaschulen kontinuierlich gekürzt. In diesem Jahr erhalten die 13 Sambaschulen erstmals überhaupt kein Geld von der Stadt.

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