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Lost Places: Einst lebten hier Menschen - jetzt sind die Orte vergessene Schönheiten

Von Bäumen überwucherte Industriestätten, überwachsene Ruinendörfer, von Efeu begrünte Wohnräume: Sven Fennema, der Meister der Lost-Places-Fotografie, hat von Menschen verlassene Orte fotografiert, die sich die Natur zurückerobert.

Reste eines Bergdorfs: Im November 1980 wurde Süditalien von einem Erdbeben der Stärke 6,9 auf der Richterskala heimgesucht. In Panik liefen die 6000 Bewohner einer Ortschaft davon, retteten später ihr Nötigstes und ließen sich anderswo nieder. Seitdem erobert sich die Natur die Ruinen zurück.

Reste eines Bergdorfs: Im November 1980 wurde Süditalien von einem Erdbeben der Stärke 6,9 auf der Richterskala heimgesucht. In Panik liefen die 6000 Bewohner einer Ortschaft davon, retteten später ihr Nötigstes und ließen sich anderswo nieder. Seitdem erobert sich die Natur die Ruinen zurück.

Der in Krefeld bei Düsseldorf lebende Fotograf Sven Fennema hat eine Vorliebe für verlassene Orte. Seit Jahren widmet er sich mit der Kamera Orten, an denen einst Menschen zu Hause waren, doch von denen sie sich vor Jahren oder Jahrzehnten zurückgezogen haben. 2010 erschien sein Bildband "Anderswelten - Ästhetik des Untergangs". Später folgten "Tales of Yesteryear" und "Nostalgia" mit Aufnahmen aus einer Welt des Zerfalls.

Es sind Bilder vergessener und verdrängter Räume, die über lange Zeit sich selbst überlassen sind und von einer morbiden Ästhetik geprägt sind. Diese Ort zu finden, dazu bedarf es einer aufwendigen Recherche. Denn bevor Fennema zu seinen Fotoexpeditionen aufbricht, studiert er ausgiebig in Archiven und sucht mit Hilfe von Satellitenbildern nach noch unentdeckten Objekten.

Fennema findet sein Motive in Italien

"Am liebsten reise ich nach Italien. Es gibt hier sehr viel alte, wunderschöne und faszinierende Bauwerke und der Respekt und die Unversehrtheit ist hier besonders ausgeprägt", sagte er in einem Interview. Schon als Kind war er fasziniert von Industrieruinen des Ruhrgebiets, in denen er auf Entdeckungsreisen ging.

"In Gebäuden, wo viele Menschen nur den Verfall und eine Tristesse sehen, finde ich eine eigene Art von Schönheit", sagt Fennema. Mit Stativ und Digitalkamera fängt er diese Schönheit ein. Bei all seinen Aufnahmen verzichtet er auf künstliche Beleuchtung oder den Einsatz von Blitzlicht.

In seinem neusten Bildband "Neuland - Eroberungen der Natur", der im Verlag Frederking & Thaler erschien, erweist sich Fennema als ein Grenzgänger im mehrfacher Hinsicht: zwischen Realität und Traumwelt, zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Denn seine Fotografie dokumentiert nicht nur, sie regt auch die eigene Fantasie an. Wer hat hier einmal gelebt, warum wurde der Ort aufgegeben, welche Dramen haben dort abgespielt?

Gerade weil auf seinen Aufnahmen jegliche Menschen fehlen, bieten sie unendlichen Raum für Geschichten. Beim Blättern in "Neuland" stellt sich für den Betrachter ein anderes Zeitgefühl ein, eine visuelle Entschleunigung. "Es ist als wäre man abgeschirmt von der schnellen und hektischen Welt", schreibt Fennema, "und sieht wie die Natur sich ihren Teil zurückerobert."

Zum Schutz der zerfallenen Gebäude vor Vandalismus verzichten die Bildlegenden im Buch auf genaue Ortsangaben. Auf den folgenden Seite der Fotostrecke zeigen wir einige seiner Aufnahmen aus "Neuland".

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