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Am Ende des Vietnamkrieges Operation Babylift 1975: Als 3300 Kinder aus Vietnam in letzter Minute ausgeflogen wurden

US-Präsident Gerald R. Ford
US-Präsident Gerald R. Ford begrüßt die mit dem Jumbo von Pan Am eingetroffenen Kinder, Krankenschwestern und Besatzungsmitglieder eines Evakierungsfluges am 5. April 1975 in San Francisco.
© U.S. National Archives
Nicht nur aus Kabul, auch kurz vor dem Fall Saigons gab es vor 46 Jahren Rettungsflüge – einige speziell für Waisenkinder. Einen wesentlichen Anteil am Transport hatte der Jumbojet, wie jetzt ein Buch über die Boeing 747 rekapituliert.
Von Ingo Bauernfeind

Nachdem die zentralvietnamesische Stadt Da Nang im März 1975 gefallen war und Saigon von nordvietnamesischen Truppen angegriffen wurde, waren die Niederlage Südvietnams und das Ende des Vietnamkrieges nur noch eine Frage der Zeit.

Am 3. April kündigte US-Präsident Gerald R. Ford auf Bitten verschiedener Hilfsorganisationen die Operation Babylift an – eine Massenevakuierung von Kindern (die meisten von ihnen Waisen) aus Südvietnam in die Vereinigten Staaten und andere Länder (einschließlich Australien, Westdeutschland, Frankreich und Kanada). Als Transportmittel sollten Transportflugzeuge der Typen Lockheed C-5A Galaxy und Lockheed C-141 Starlifter der U.S. Air Force zum Einsatz kommen.

Als der amerikanische Geschäftsmann Robert Macauley erfuhr, dass die Evakuierung der Kinder wegen des Mangels an militärischen Frachtflugzeugen länger als geplant dauern würde – insbesondere nachdem der erste Flug einer C-5A Galaxy mit 138 Todesopfern verunglückt war – beschloss er, eine Boeing 747 von Pan Am zu chartern. Mit dieser arrangierte er Anfang April 1975 die Ausreise von 300 Waisenkindern.

Den Flug bezahlte er mit einer Hypothek auf sein eigenes Haus. Die Kinder wurden in Saigon gesammelt, über den Pazifik nach Los Angeles und dann nach Long Beach, Kalifornien, geflogen.

Theaterstück über die Operation Babylift

Lana Noone, Co-Autorin von "Children of the April Rain", dem ersten Theaterstück über die Operation Babylift, hatte eines der zu evakuierenden vietnamesischen Waisenkinder adoptiert und sehnte sich nach dessen sicherer Ankunft in den Vereinigten Staaten: "Als der Einsatz begann, warteten mein Mann Byron und ich auf die Ankunft unserer [adoptierten] Tochter Heather Constance Noone aus Vietnam. Wir waren überglücklich, als wir hörten, dass Präsident Ford einen Erlass unterzeichnet hatte, der es den Waisenkindern erlaubte, in die Vereinigten Staaten einzureisen, ohne auf ein individuelles Visum warten zu müssen.

Als dann die Lockheed C-5 Galaxy, die die Waisenkinder evakuierte, abstürzte, führte diese Tragödie dazu, dass wir glaubten, unsere Tochter sei umgekommen.

In dieser Nacht sagte Präsident Ford im Fernsehen, dass die Operation Babylift fortgesetzt werden würde und er das nächste eintreffende Flugzeug persönlich begrüßen würde. Dies war eine Boeing 747, die er und die First Lady in San Francisco willkommen hießen. Ich vermute, dass unsere Tochter Heather an Bord dieses Flugzeuges war, da wir wussten, dass sie Vietnam am selben Tag verließ, an dem die 747 zum Einsatz kam.

Aufgrund ihres kritischen Gesundheitszustandes wurde sie jedoch während der Zwischenlandung auf der Clark Air Force Base (Philippinen) von Bord gebracht. Da Heather anschließend in das Long Beach Naval Hospital in Kalifornien eingeliefert wurde, wissen wir nicht mit Sicherheit, ob sie auch die restliche Flugstrecke nach San Francisco an Bord der 747 zurückgelegt hat.

An Bord einer Boieng 747 von Pan Am: Krankenschwestern und vietnamesische Flüchtlingskinder auf einem Flug der Operation Babylift kurz vor der Ankunft auf dem San Francisco International Airport.
An Bord einer Boieng 747 von Pan Am: Krankenschwestern und vietnamesische Flüchtlingskinder auf einem Flug der Operation Babylift kurz vor der Ankunft auf dem San Francisco International Airport.
© U.S. National Archives

Ich bin der Besatzung der 747 zutiefst dankbar. Diese Kinder waren in einer gefährlichen Situation und alle, die so viel auf sich genommen haben, um sie in ein neues Zuhause zu bringen, verdienen meine höchste Wertschätzung."

Der letzte Rettungsflug

Die Flüge der U.S. Air Force wurden fortgesetzt, bis der Artilleriebeschuss durch die nordvietnamesische Armee und den Vietcong auf den Flughafen Tan Son Nhut (Saigon) den Flugbetrieb unmöglich machte. Bis zum letzten amerikanischen Flug am 26. April wurden mehr als 3300 Säuglinge und Kinder evakuiert (je nach Quelle variiert die tatsächliche Zahl).

Der Jumbojet hat zu dieser Leistung beigetragen. Zusammen mit der Operation New Life konnten bis zum Ende des Vietnamkrieges mehr als 110.000 Flüchtlinge aus Südvietnam ausgeflogen werden.

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