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Rauch im Cockpit: Pilot verschüttet Kaffee: Flugzeug mit 326 Passagieren muss über dem Atlantik umdrehen

Dieses Missgeschick kann jedem passieren. Doch in einem Flugzeug-Cockpit kann es gefährliche Folgen haben. Nur wenige Tropfen eines Kaffees an der falschen Stelle lösten an Bord eines Condor-Fliegers eine Kettenreaktion aus.

Eine Langstreckenmaschine der Ferienfluggsellschaft Condor (Symbolfoto)

Eine Langstreckenmaschine der Ferienfluggsellschaft Condor (Symbolfoto)

Der Airbus A330-200 von Thomas Cook Airlines war im Auftrag der Condor auf dem Frankfurter Flughafen mit 326 Passagieren an Bord und dem Ziel Cancún in Mexiko gestartet. Der Großraumjet befand sich bereits 1000 Kilometer westlich von Irland über dem Atlantik, als es zu einem Vorfall im Cockpit kam, der in jedem Haushalt vorkommen kann.

Die Kabinenbesatzung hatte die Cockpit-Crew mit Kaffee versorgt - ein alltäglicher Vorgang auf einem Langstreckenflug. Da passierte es: Statt in den dafür vorgesehenen Halter stellte der Pilot seinen Kaffeebecher auf der Mittelkonsole ab. Als er gerade die nächsten Wegpunkte in den Bordcomputer eingeben wollte, machte sich der Inhalt des Heißgetränks selbstständig.

Der Vorfall ereignete sich bereits im Februar, wurde aber erst durch die Veröffentlichung eines Untersuchungsberichts der britischen Verkehrsbehörde öffentlich. "Ein Großteil der Flüssigkeit landete auf seinem Schoss", heißt es in dem Bulletin der Air Accidents Investigation Branch (AAIB). "Und ein kleiner Teil ergoss sich auf das ACP", gemeint ist das linke Audio Control Panel. Hier werden die Funkfrequenzen für die Kommunikation mit den Bodenstationen eingegeben.

Zwar wurde die Konsole schnell trockengewischt. Doch die Feuchtigkeit war längst eingesickert. Das System meldete eine Fehlfunktion. Die Piloten versuchten die Einheit komplett abzuschalten, was allerdings im Flugmodus nicht möglich ist. Inzwischen wurde das ACP heiß und ein beißender Brandgeruch machte sich im Cockpit breit.

Wie in der Luftfahrt üblich, sind viele Systeme doppelt und dreifach ausgelegt. So verblieb zur Kommunikation mit dem Boden und der Kabine das zweite Audio Control Panel auf der Seite des Kopiloten.

Piloten greifen zu den Atemmasken

Die Lage wurde allerdings brenzliger, als sich ungefähr eine Stunde nach dem Vorfall auch das zweite Audio Control Panel so stark erhitzte, dass einer der Kunststoffknöpfe schmolz. Daraufhin beschloss die Crew den Flug nicht weiter fortzusetzen und nach Europa zurückzufliegen. Die Piloten stülpten die Sauerstoffmasken über und setzten über das digitale Datenfunksystem einen Notruf ab.

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Aufgrund der Luftnotlage durften sie bevorzugt den Flughafen von Shannon in Irland ansteuern, auf dem der Airbus zwei Stunden nach dem Umkehren sicher landete. Nach Angaben des "Aviation Herald" mussten vier der sechs Besatzungsmitglieder und ein Fluggast mit dem Verdacht auf Rauchvergiftung ein Krankenhaus aufsuchen. Weiter heißt es, dass zwei von drei Kommunikationssystemen ausgefallen waren. Die übrigen Passagiere wurden in Hotels untergebracht.

Laut dem am 11. September veröffentlichten Untersuchungsbericht der Briten waren die Kaffeebecher für die Halterungen dieses Flugzeugtyps nicht geeignet. Sie passten zwar rein, ließen sich aber nur schwer herausnehmen, wodurch es zu dem unvorschriftsmäßigen Abstellen auf der Mittelkonsole kam.

Quellen: "Aviation Herald" und "AAIB Bulletin 9/2019"

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