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Boeing 787: Wirkungslose Atemmasken bei Boeing: Ex-Ingenieur warnt vor zu wenig Sauerstoff im Notfall

Albtraum im Dreamliner: Ein Whistleblower hat auf Probleme der Sauerstoff-Notversorgung von Boeings Spitzenmodell 787 hingewiesen. Der Flugzeugbauer bestreitet die Vorwürfe.

Werkshalle Boieng 787 Endmontage

Blick in die Endmontagehalle für die Boeing 787,  auch "Dreamliner" genannt, die in Werken in Everett bei Seattle und in Charleston in South Carolina gefertigt werden.

Schon wieder sorgt der US-Flugzeugbauer für negative Schlagzeilen. Dieses Mal dreht es sich nicht um die mit einem weltweiten Flugverbot verhängte Boeing 737 Max, sondern um die relativ neuen Langstreckenjets vom Typ Boeing 787.

Der Ex-Mitarbeiter John Barnett erhebt schwere Vorwürfe gegen Boeing: Im Falle eines Druckverlustes, wenn automatisch von der Kabinendecke Atemmasken in Reichweite der Passagiere fallen, würden diese nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Barnett will die Probleme bereits bei seiner Tätigkeit als Flugingenieur 2016 gemeldet haben.

Gefahr bei Druckverlust

Laut einem Bericht der "BBC" hatte eine Überprüfung ergeben, dass nur 75 von 300 getesteten Sauerstoffflaschen funktionierten. Bei einem Notfall hätte demnach ein Viertel der Passagiere nicht ausreichend mit dem lebenswichtigen Sauerstoff versorgt werden können.

Barnett waren die Mängel in dem für die Dreamliner-Produktion neu errichteten Werk in Charleston im Bundesstaat South Carolina aufgefallen. Das Problem sei erst intern und 2017 auch der US-Luftfahrtbehörde FAA gemeldet worden. Seine Versuche, die Angelegenheit weiter zu untersuchen, seien von Boeing-Managern blockiert worden, schreibt die "BBC".

Sauerstoffmasken

Im Falle eines Druckverlustes fallen Sauerstoffmasken von den Kabinendecke

Barnett, der 32 Jahre für Boeing arbeitete und das Unternehmen vor zwei Jahren aus gesundheitlichen Gründen verließ, sagte, dass die Produktionsrate auf Kosten der Sicherheit im Werk erhöht wurde. Boeing bestreitet dies und argumentiert wie schon bei anderen Vorwürfen, dass "Sicherheit, Qualität und Integrität den Kern der Werte von Boeing bilden". Defekte Sauerstoffflaschen seien laut Boeing ausgetauscht worden.

Doch das Werk in South Carolina steht nicht zum ersten Mal in der Kritik. Bereits im April meldete die "New York Times" massive Sicherheitsbedenken bei der Endmontage des Dreamliners in Charleston an: Angeblich seien Metallspäne nicht ordentlich beseitigt, defekte Teile installiert und nicht mehr benötigte Werkzeuge von Arbeitern in den neuen Maschinen zurückgelassen worden.

Risse in der Boeing 737 NG

Die Probleme mit den Metallspänen bestätigte sogar ein Sprecher der FAA. Die scharfen Metallteile können die Isolationsschicht von Kabeln beschädigen. Seit 2011 hat Boeing knapp 900 Dreamliner an Fluggesellschaften ausgeliefert.

Für Boeing kommen die Nachrichten zur Unzeit an die Öffentlichkeit. Die Probleme mit den Rissen an Maschinen vom Typ Boeing 737NG reißen nicht ab. Nachdem vor wenigen Tagen die australischen Fluglinie Qantas mehrere Jets diesen Typs wegen Haarrissen zwischen Flügel und Rumpf aus dem Verkehr ziehen musste, meldete heute die Nachrichtenagentur AFP: Eine Überprüfung der Flotte von 70 Boeing 737 bei Ryanair habe ergeben, dass drei Jets am Boden bleiben und repariert werden müssen.

Quelle: "BBC"

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