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Follow Me: Absturzstelle mit 128 Toten wird Historical Landmark

Es war das damals schlimmste Unglück der amerikanischen Luftfahrt - und auch das folgenschwerste: Von den Konsequenzen des Absturzes zweier Maschinen über dem Grand Canyon profitieren wir bis heute.

Die Meldung des US-Innenministeriums hört sich zunächst abstrus an: Nicht die Wirkungsstätte eines bedeutenden Amerikaners, ein altes Gebäude oder ein berühmtes Schlachtfeld aus dem Bürgerkrieg wird von der Regierungsbehörde als historisch bedeutend für die Nachwelt eingestuft. Nein, jetzt schaffte es erstmals ein Ort auf die Liste der National Historical Landmarks, der eigentlich in der Luft liegt.

Es handelt sich bei der jüngsten der inzwischen mehr als 2500 historischen Stätten in den USA nicht um eine weitere Touristenattraktion, sondern eher um einen Unort. Er markiert im amerikanischen Westen jene Stelle, an dem sich im Sommer 1956 im Himmel über dem Grand Canyon ein besonders tragisches Flugzeugunglück ereignete.

In 6400 Metern Höhe stießen zwei der damals modernsten und größten Propellermaschinen zusammen. Beide Flugzeuge waren morgens in Los Angeles gestartet: eine Super Constellation L-1049 der Trans World Airlines (TWA) mit dem Ziel New York via Kansas City und eine Douglas DC-7 von United Airlines auf dem Weg nach Chicago. Hinter Palms Springs in Kalifornien bzw. Utah flogen sie in einen damals noch unkontrollierten Luftraum hinein, nicht wissend, dass sich ihre Routen auf derselben Flughöhe kreuzen werden. Die Crews waren nur mit dem Bodenpersonal der jeweiligen Fluggesellschaft in Kontakt. Der Kollege von United vernahm als letzten Funkspruch die entsetzten und letzten Worte des Kopiloten DC-7: "Salt Lake, ah, 718 … we are going in!"

Was heute unvorstellbar ist: Beide Maschinen flogen nur auf Sicht. Doch durch Kumuluswolken verloren die Crews an jenem Junimorgen den Überblick. Die DC-7 krachte von hinten seitlich in die Lockheed-Maschine mit dem markanten dreiteiligen Leitwerk am Heck. Beide Flugzeuge stürzten ab, alle 128 Passagiere und Crew-Mitglieder kamen ums Leben.

Eine Schwestermaschine der abgestürzten Super Constellation von TWA Copyright: Till Bartels

Der TWA-United-Crash löste in der amerikanischen Öffentlichkeit eine grundsätzliche Debatte über die Sicherheit des Flugverkehrs aus. Ein Kongressausschuss wurde eingesetzt mit weitreichenden Schlussfolgerungen: 1958 unterschrieb Präsident Eisenhower den Federal Aviation Act, aus dem die FAA, die US-Bundesluftfahrtbehörde, hervorging, die sich seitdem um Sicherheitsstandards des zivilen und militärischen Luftverkehrs kümmert. Außerdem wurden eine flächendeckende Radarüberwachung für die Staaten und Flugschreiber für jedes Flugzeug, die Black Box, eingeführt.

So kurios es kling: Der Crash über dem Grand Canyon hat das Fliegen wesentlich sicherer gemacht. Die Kollision hatte enorme Konsequenzen und führte wie auch noch heute jede minutiöse Flugunfalluntersuchung zu Verbesserungen, damit sich Dramen nicht wiederholen. Deshalb ist es auch so wichtig, dass man neben Überresten auch die Flugschreiber der seit zwei Monaten verschollenen Boeing 777 von Malaysia Airlines findet.

Eine Douglas DC-7 von United Copyright: Picture-Alliance

Die Einrichtung eines Historical Landmark an jener Absturzstelle in Arizona ist also als symbolischer Akt zu verstehen, weil der Crash im Rückblick für die Flugsicherheit weltweit einen Quantensprung bedeutete. Im Gegensatz zu Monumenten wie dem Vietnam Memorial in Washington DC oder der Mount Rushmore sind an der "1956 Grand Canyon TWA-United Airlines Aviation Accident Site", so die offizielle Bezeichnung, Besucher sogar unerwünscht. "Sie liegt extrem abgelegen und sie ist auch für Wanderer nur sehr schwer zu erreichen", sagt Alexandra Lord, die Chefin des National Historic Landmarks Programm.

Zwar wurden die Opfer und in den 70er Jahren auch einige Flugzeugreste aus dem Canyon geborgen, aber die beiden Einschlagsorte sollen sich selbst überlassen bleiben. Einer, der sich zur Spurensuche zum TWA-Wrack aufmachte, war allein auf dem Hinweg drei Tage zu Fuß unterwegs und musste sogar den Colorado River durchschwimmen, um ans Wrack zu gelangen. Seine Fotodokumention zeigt er auf der Website aircraftarchaeology.com. Es ist die bizarre Homepage eines Planespotters, der sich nur für abgestürzte Flugzeuge interessiert und zu den Trümmern pilgert.

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