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Flug verschwand vor vier Jahren: MH370 - Experten wollen das größte Rätsel der Luftfahrtgeschichte gelöst haben

Nach mehr als vier Jahren ist das Wrack von Flug MH370 noch immer verschollen. Unklar ist weiterhin, was genau mit der Maschine samt ihrer 239 Insassen geschehen ist. Luftfahrtexperten im australischen TV meinen, die Antwort gefunden zu haben.

Am 8. März 2014 verschwand der Flug MH370 in Südostasien, seitdem wurden lediglich eine Handvoll Teile gefunden.

Flugzeuge verschwinden vom Radar, Flugzeuge stürzen auch immer wieder ab - dass ein riesiger, voll besetzter Passagierjet aber vom Radar verschwindet, abstürzt und schlicht nie gefunden wird, das hat es in der Geschichte der Luftfahrt nur ein einziges Mal gegeben. Der Malaysia-Airlines-Flug MH370 ist auch nach mehr als vier Jahren nach wie vor verschwunden, lediglich eine Handvoll angespülte Wrackteile wurden sicher der vermissten Boeing 777 zugeordnet - und auch die waren erst mehr als ein Jahr nach dem Absturz entdeckt worden. Nun haben sich Luftfahrtexperten in einer Sondersendung des australischen TV-Formates "60 Minutes" erneut mit dem Fall beschäftigt - und meinen zu wissen, was damals passierte.

Am 8. März 2014, hebt mit 239 Menschen an Bord in Kuala Lumpur ab. Das Ziel ist Peking, doch dort wird die Maschine niemals ankommen. Etwa nach einer Dreiviertelstunde verlässt das Flugzeug den malaysischen Luftraum östlich gen Vietnam, der Pilot verabschiedet sich mit den Worten "Goodnight" von der Bodenkontrolle. Unmittelbar hinter der Grenze - so werden es die Ermittler später rekonstruieren - schaltet jemand im Cockpit den Transponder und andere Ortungsgeräte aus, wendet und fliegt zurück in den malaysischen Luftraum. Entlang der Nordgrenze zu Thailand steuert jemand - höchstwahrscheinlich der Pilot - die Maschine einmal komplett über Malaysia und hinaus über den Ozean. Kurz darauf verschwindet sie von den militärischen Radarschirmen.

Experten kamen anhand von Satellitensignalen später zu dem Schluss, dass MH370 anschließend einen Kurswechsel gen Süden vorgenommen haben und kilometerweit hinaus auf den Indischen Ozean geflogen sein muss. Irgendwo westlich von Australien müsste die Maschine ins Meer gestürzt sein. Alle 239 Passagiere und Crewmitglieder wurden mittlerweile offiziell für tot erklärt. Die größte Suchaktion in der Geschichte der Luftfahrt für Hunderte Millionen US-Dollar blieb erfolglos. Mit entsprechendem Gerät suchten die Trupps 120.000 Quadratkilometer Meeresboden ab, ehe die Suche Anfang 2017 eingestellt wurde. 

Experten sicher: Pilot tötete absichtlich Passagiere

Die kommunizierte These der Ermittler ist, dass jemand an Bord bewusst mehrfach den Kurs wechselte und die Kommunikation ausschaltete, das Flugzeug dann auf Autopilot über den Ozean flog, ehe es aus Treibstoffmangel ins Meer stürzte. Ob es der Pilot war, der das Flugzeug absichtlich abstürzen ließ, ob die Maschine entführt und er dazu gedrängt wurde oder es sich um einen tragischen Unfall handelte, und womöglich alle an Bord nach dem letzten Richtungswechsel bewusstlos waren - darüber wird seitdem spekuliert.

Die Expertenrunde von "60 Minutes" legt sich fest: Der Pilot hat ihrer Ansicht nach das Flugzeug absichtlich zum Absturz gebracht, sich und die anderen 238 Menschen an Bord mit in den Tod gerissen. Sie schildern den Ablauf wie folgt: Bereits wenige Minuten nach dem Start habe er absichtlich die Kommunikations- und Ortungssysteme ausgeschaltet, dann den Druck in der Kabine abgelassen und so die restlichen Insassen betäubt. Anschließend sei absichtlich an der Grenze von Malaysia und Thailand entlang geflogen, immer wieder zwischen den Lufträumen gewechselt und schließlich in einem Bogen um Indonesien hinaus auf den indischen Ozean geflogen, wo er das Flugzeug dann vermutlich absichtlich abstürzen ließ. Sie stützen diese Schlussfolgerungen auf folgenden Punkte:

  • Das Wendemanöver, das Abschalten des Transponders und der bewusste Täuschungskurs entlang der Grenze sprächen für die Tat eines Piloten, daher gegen eine Entführungstheorie.
  • Dass die Passagiere keine Versuche unternahmen, Hilfe zu rufen, sich keine Handys in die Netze einwählten oder anderweitig Notrufe abgesetzt worden, sehen die Experten - wie auch die Ermittler zuvor - als Indiz dafür, dass die Besatzung nicht mehr bei Bewusstsein war und damit auch als Indiz für eine aktive Manipulation des Drucks aus dem Cockpit heraus.
  • Eine Analyse der Stimme des Piloten beim letzten Funkspruch deute laut Experten nicht auf einen erhöhten Stresslevel hin, spreche daher gegen eine Entführung.
  • Ein entscheidendes Mosaikteilchen, das man als neues Indiz werten könnte, ist eine Entdeckung auf dem Flugpfad von MH370. So habe es einen ungewöhnlichen kurzen Schlenker samt Neigung des Flugzeugs über der Westküste Malaysias gegeben, der keinen Sinn für den weiteren Flugverlauf ergeben hätte. Diesen erklären sich die Experten so, dass der Pilot durch eine Neigung der Maschine an genau dieser Stelle aus seinem Fenster die Stadt Penang sehen konnte, seine Heimatstadt. Dies werten sie als "letzten Abschiedsblick" eines Mannes, der plane, sich und alle an Bord zu töten.

Keine neuen Beweise, viel Spekulationen

Die Experten der "60 Minutes"-Runde präsentieren keine Beweise, sie werten lediglich die bereits vorhanden neu aus und leiten daraus ihre These ab. Bereits in der Vergangenheit wurde viel über einen möglichen Massenmord durch den Piloten spekuliert. Der Schwenk über Penang und die zugehörige These ist ein neues Indiz. Letztlich handelt es sich aber um Spekulationen, die auf Grundlage sehr weniger harter Fakten getroffen wurden.

Eine der lautesten Stimmen der Sendung, der kanadische Flugermittler Larry Vance, tritt zudem womöglich auch deshalb so selbstsicher auf, weil er dieser Tage ein Buch herausbringt mit dem Titel "MH370 Mystery Solved" (zu deutsch: Rätsel gelöst). Bei einigen Teilbereichen waren sich die Teilnehmer der Runde auch uneins: Etwa, ob gefundene Wrackteile des Flügels nun darauf hindeuten, dass die Maschine beim Aufprall aufs Wasser gelenkt wurde oder nicht.

Solange das Wrack und der Flugschreiber von MH370 nicht gefunden werden, wird wohl nie Gewissheit darüber herrschen, was genau mit dem Passagierjet und den 239 Menschen an Bord geschehen ist.

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

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tkr

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