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60 Prozent weniger Buchungen Mückenplage in der Toskana lässt Tourismus einbrechen

Der Hafen von Ortobello in der Toskana. Der Ort wird von einer Mückenplage heimgesucht
Der Hafen von Ortobello in der Toskana. Der Ort wird seit Wochen von einer Mückenplage heimgesucht (Archivbild).
© Charles Bowman / Axiom Photographic / Picture Alliance
Die Toskana leidet derzeit unter einer schweren Mückenplage. In der Stadt Orbetello sind die Hotelbuchungen drastisch eingebrochen. Grund für die Plage scheint unter anderem die andauernde Hitzewelle zu sein.

Italien ächzt noch immer unter einer der stärksten Hitzewellen aller Zeiten. Doch während in Teilen des Landes der Grundwasserpegel immer weiter sinkt und Flüsse wie der Po weiter austrocknen, haben andere Gebiete mit völlig anderen Problemen zu kämpfen. In der Toskana leiden Einheimische und Touristen derzeit unter einer extremen Mückenplage. Das berichtet der "Guardian".

Toskana: Mückenplage lässt Tourismus einbrechen

Tausende der blutsaugenden Insekten schwirren derzeit etwa in der Stadt Ortobello umher. Mit verheerenden Folgen für die Bevölkerung. Die Behörden der toskanischen Stadt haben die Einwohner aufgefordert, ihre Fenster zu schließen und keine Wäsche aufzuhängen, um die Mückenplage zu bekämpfen. 

Ortobello ist für seine Lagune und den langen Sandstrand mit Blick auf den Monte Argentario bekannt und eigentlich gut besucht. Nun aber brechen den Gastronomen und Hoteliers die Einnahmen weg. Immer weniger Gäste würden abends Essen gehen, um nicht zerstochen zu werden, berichten mehrere Restaurantbesitzer. "Wir müssen zwei Stunden früher schließen", sagte der Besitzer des Caffè sul Corso di Luigi Drogo der italienischen Zeitung "Corriere della Sera". 

Einige Restaurants würden bereits am Abend ihre Beleuchtung ausschalten, Reservierungen würden nur bis 21 Uhr angenommen. Gebracht hat dies allerdings wenig. Viele Gäste blieben den Gastronomien trotzdem fern. 

"Die Umsätze sind trotz dieser Maßnahmen um 60 % zurückgegangen", sagte Marco Di Pietro, der Besitzer des Restaurants "Ovosodo", und beschrieb den "psychologischen Horror", den die Mücken den Gästen im Freien bereiten. "Tausende von Mücken schwirren um die Glühbirnen und bewegen sich wie eine beunruhigende Welle zwischen den Tischen im Freien", sagte er dem "Corriere".

Biologe: Mückenplage hängt mit anhaltender Hitzewelle zusammen

Die Zeitung "La Repubblica" zitierte einen Touristen aus Rom mit den Worten, Orbetello sei von den Insekten "völlig überrannt" worden. "Seit fast einem Monat ist es unmöglich, an der Lagune entlang zu gehen. Jetzt ist es sogar unmöglich geworden, draußen zu essen oder einen Aperitif zu trinken. Die Situation habe sich so zugespitzt, dass viele Geschäfte und Restaurants gegen 21 Uhr schließen müssten.

Der Biologe Mauro Lenzi erklärte im vergangenen Monat, dass der Befall mit den Bedingungen der Lagune bei hohen Temperaturen zusammenhängt, die die Präsenz der natürlichen Fressfeinde der Mücken, wie Frösche, Fledermäuse und verschiedene Vögel, reduziert haben. 

Die Behörden kündigten an, dass sie in der Nacht zum Mittwoch Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen durchführen würden - das vierte Mal in mehreren Wochen, dass die Stadt ausgeräuchert wurde.

Die Anwohner beklagten jedoch, dass eine gründliche Schädlingsbekämpfung, die normalerweise im Frühjahr stattfindet, dieses Jahr ausgelassen wurde.

Sie sind nicht die einzigen, die in diesem Sommer von Insekten heimgesucht werden - das nahe gelegene Castiglione della Pescaia wurde kürzlich von Wespenschwärmen heimgesucht, berichtete der Corriere.

Leonardo Marras, ein Gemeinderatsmitglied in der Toskana, sagte: "Heute ist es schwierig, eine Lösung für ein Problem zu finden, das schon früher hätte gelöst werden müssen. Was ich sagen kann, ist, dass wir für alle Bürger da sind, die sich Sorgen machen oder deren Saison durch diese Insekten ruiniert worden ist".

Quellen: The Guardian, Corriere della SeraNotícias ao Minuto

pgo

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