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Auf neuen Wegen: Reisetrends 2019: Wo Urlaub Spaß macht

Lissabon: zu voll. Venedig: zu teuer. Mallorca: zu oft gesehen. Wer in diesem Jahr neue Ziele entdecken möchte, sollte sich an diese zehn Urlaubsideen halten, vorgestellt von stern-Redakteuren.

Von Gunnar Herbst

Utö, Schweden

Wir sind so frei: Utö, Schweden

Die Fähre (ohne Autos!) bringt uns hinaus in den Schärengarten, wie die Sammlung der vielen Inseln vor Stockholm genannt wird: große Kieselsteine in der Ostsee, überzogen mit Nadelwald, in den rote Holzhäuser getupft sind. Eines davon ist unseres. Frisches Wasser liefert die Pumpe am Wegesrand. Zum Inselbäcker sind es fünf Kilometer, die ich jeden Morgen laufe, begleitet von einem neugierigen Reh. Zum tatsächlich einsamen Strand brauchen wir auf den klapprigen Leihrädern eine Stunde. Es gibt fast kein WLAN, kaum Deutsche, nur Schweden, die sich über uns vier Deutsche wundern. Wir sind im Licht, wir sind an der Luft, wir sind: frei.

Oliver Creutz, Leitender Redakteur

Picture Alliance

Manchmal reichen schon ein paar schöne Fotos, um das Fernweh zu wecken. Sehnsuchtsbilder, mit Filtern bearbeitet und in sozialen Netzwerken gepostet. Millionenfach geklickt, tausendfach geteilt. Dank digitaler Verbreitung durch Blogger und Influencer kann selbst ein entlegener Bergsee in den Alpen in kurzer Zeit zum internationalen Trendziel werden. Oder ein spanisches Fischerdorf am Mittelmeer. Oder eine Stadt in der zweiten und dritten Reihe. Eine Stadt wie Porto, Bergamo oder Innsbruck.

Auch "Overtourism" kann Trendziele schaffen. So nennen Reiseforscher das Phänomen, dass mehr Menschen einen Ort besuchen, als dieser verkraften kann. Denn in Zeiten von Billigfliegern und Airbnb ist der Kurztrip nach Lissabon, Rom oder Wien für viele selbstverständlich geworden. Allein Amsterdam zählt jährlich rund 18 Millionen Besucher, Barcelona mehr als 30 Millionen, Paris sogar etwa 40 Millionen.

Wenn sich die Touristenmassen dann dicht gedrängt durch die Straßen schieben und wenn Reisebusse die Straßen verstopfen, fühlen sich nicht nur die Bewohner wie Statisten in einem Freilichtmuseum, das immer lauter, dreckiger und krimineller wird, teurer sowieso. Auch für viele Reisende hört dann der Spaß auf.

Das Problem wird sich weiter verschärfen. Die Weltorganisation für Tourismus UNWTO schätzt, dass die Zahl der Menschen, die privat ins Ausland reisen, bis 2030 auf 1,8 Milliarden steigen wird, auch weil eine wachsende Mittelschicht in China, Russland und Brasilien das Reisen für sich entdeckt.

Statt also zum dritten Mal nach Venedig zu fahren, wo im touristischen Zentrum rund um den Markusplatz auf jeden Bewohner ein Dutzend Besucher kommen und der Cappuccino gern mal zehn Euro kostet, weichen viele Urlauber auf weniger überlaufene, günstigere Orte aus. Auch der Wunsch, etwas Neues zu entdecken, lenkt die Touristenströme in andere Bahnen, etwa nach Tiflis, der Hauptstadt von Georgien mit ihrer aufkeimenden Kreativszene. Oder in den höhlenreichen Nationalpark Phong Nha-Ke Bang in Vietnam.

Redakteurinnen und Redakteure des stern verraten hier, welche Orte – Inseln, Städte, Regionen – für sie das Zeug zum Trendziel haben. Am besten Sie reisen hin, bevor die Massen kommen.

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