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Fliegen und Corona: Airbus erklärt, warum Klimaanlagen in Flugzeugen keine Virenschleudern sind

Sollten Flugreisen wieder möglich sein, werden sich einige Menschen möglicherweise fragen: Birgt Fliegen in Zeiten der Corona-Pandemie ein besonders hohes Infektionsrisiko?

Ein Blick in die Kabine eines Airbus A330Neo

Ein Blick in die Kabine eines Airbus A330Neo

Immer wieder wird behauptet: Klimaanlagen schleudern das Coronavirus durch die Luft und erhöhen die Ansteckungsgefahr. Mehrere Vertreter der Industrie erklären nun: Klimaanlagen im Flugzeug sind keine Virenschleudern. Alexandre de Juniac, Chef des Weltluftfahrtverbandes Iata hält das Risiko einer Covid-19-Ansteckung an Bord eines Flugzeuges für "extrem gering".

Nach Angaben des Bundesverbands der Luftverkehrswirtschaft (BDL) und des Robert Koch-Institutes ist in Europa kein solcher Fall bei der Rückverfolgung von Infektionsketten bekanntgeworden. Stets verweisen auch Fluggesellschaften darauf, dass die Klimaanlagen aus der Kabinenluft selbst Viren mit einer Größe von 0,01 Mikrometer herausfiltern.

Laut Airbus sorgt ein komplexes und geschlossenes Belüftungssystem in Passagiermaschinen für eine sehr saubere Luft und ein geringes Infektionsrisiko an Bord. Es sorgt dafür, dass die Luft in der Kabine alle zwei bis drei Minuten erneuert wird und der Qualität in einem Krankenhaus entspricht. "Die Luft im Flugzeug ist bei der Landung sauberer als nach dem Schließen der Türen beim Start", sagt Airbus-Chef-Ingenieur Jean-Brice Dumont.

Luftrecyclingsystem an Bord

Die Luft im Flugzeug, eine Mischung aus Außenluft und recycelter Kabinenluft, wird in der Klimaanlage durch Hochleistungsfilter geleitet. Dabei handelt es sich um Hepa-Filter, sogenannte High Efficiency Particulate Air.

Partikel wie das Coronavirus können nach Angaben von Airbus mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,97 Prozent aus der Luft entfernt werden. Hinzu kommt, dass die Luft in der Kabine permanent von der Decke herabströmt und am Boden wieder abgesaugt wird. So gibt es weder seitwärts noch in Längsrichtung einen horizontalen Luftstrom, der Viren "herumschleudern" könnte.

Von Dubai nach Auckland: An Bord des längsten Linienflugs der Welt

Die Luft in 10.000 Metern Flughöhe ist sehr trocken, mit minus 50 Grad Celsius sehr kalt und enthält kaum Sauerstoff. Der Luftdruck ist sehr niedrig. In der Passagierkabine eines Flugzeugs hingegen herrschen Luftverhältnisse, die den Bedürfnissen des Menschen hinsichtlich Temperatur, Druck, Sauerstoffgehalt, Feuchtigkeit und Qualität entsprechen müssen. Klimaanlagen sind Teil eines Systems, das diese Bedingungen herstellt und kontrolliert.

Eine Infektion durch Anhusten oder direkten Kontakt ist allerdings auch im Flugzeug möglich - gerade wenn Menschen eng beieinander sitzen und aus aller Welt zusammenkommen. "Es ist notwendig, dass die Passagiere auch im Flugzeug Masken tragen und alle Hygienemaßnahmen beachten", erklärt Dumont. Vom Betreten des Flughafens bis zur Ankunft gebe es mitunter ein engmaschiges Sicherheitsnetz - von Maskenpflicht bis zur Händedesinfektion. 

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