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Startverbot verhängt: US-Luftfahrtbehörde sieht Hinweise auf Ähnlichkeiten bei Abstürzen der Boeing 737 Max

Innerhalb eines halben Jahres stürzen zwei Maschinen vom Typ Boeing 737 Max ab. War die Ursache dieselbe? Die US-Luftfahrtbehörde FAA sieht bei bei den Abstürzen ein Muster.

Nach Absturz in Äthiopien: Boeing will 737 MAX Flugzeuge am Boden halten

Nach dem Startverbot für alle Boeing 737 Max auch in den USA ist ein Großteil der weltweiten Flotte des Flugzeugtyps vorübergehend lahmgelegt. Die US-Luftfahrtbehörde FAA begründete das Verbot mit neuen Erkenntnissen zum Absturz einer Boeing 737 Max 8 in Äthiopien, die auf Ähnlichkeiten zum Crash eines baugleichen Flugzeugs der Fluggesellschaft Lion Air im vergangenen Oktober in Indonesien hinwiesen. Diese Informationen erforderten weitergehende Untersuchungen, ob es sich möglicherweise um dieselbe Absturzursache gehandelt habe, hieß es in einer Dringlichkeits-Anordnung der FAA.

Weiter heißt es dort, die Untersuchungen am Wrack der Maschine hätten neue Informationen zutage gefördert. Gekoppelt mit Satellitendaten zur Flugbahn nach dem Start der Ethiopian-Airlines-Maschine in Addis Abeba wiesen sie "einige Ähnlichkeiten" zum Absturz in Indonesien auf. Der amtierende Behördenchef Daniel Elwell habe deshalb entschieden, "dass eine Gefahr mit Bezug zur Sicherheit bei der kommerziellen Luftfahrt besteht".

Im Fokus steht dabei ein von Boeing neu eingeführtes automatisches Trimmsystem namens "Maneuvering Characteristics Augmentations System" (MCAS), das in Verdacht steht, bei beiden Abstürzen eine Rolle gespielt zu haben. Boeing hat die bewährte 737 bei der Neukonstruktion an einer Stelle entscheidend modifiziert: Die aktuelle Version hat größere, verbrauchseffizientere Triebwerke, die den Schwerpunkt und das Flugverhalten verändern. Im Steigflug tendiert die Maschine dazu, die Nase noch mehr nach oben zu ziehen.

Automatisches Trimmsystem im Fokus

An diesem Punkt kommt das MCAS-System ins Spiel, das den Anstellwinkel zwischen Luftströmung und Flügeln automatisch reduziert, damit genügend Auftrieb erhalten bleibt. Beim Absturz der Lion-Air-Maschine sprang das System offenbar wegen eines defekten Sensors fälschlicherweise an und drückte die Boeing nach unten. Die Piloten versuchten krampfhaft dagegenzuhalten, doch das System drückte immer wieder in Gegenrichtung. Da die Crew nicht wusste, wie sich MCAS ausschalten ließ, kam es zu einem Wechsel von Steig- und Sinkflug, ehe sich die Maschine in den Boden bohrte.

Auf dem Flug-Tracking-Portal Flightradar 24 ist der Verlauf des Lion-Air Fluges JT610 vom 29. Oktober 2018 samt des charakteristischen Wechsels von Sinken und Steigen dokumentiert. Laut Kanadas Verkehrsminister Marc Garneau belegen Satelliten gestützte Daten nun offenbar ähnliche "vertikale Variationen" unmittelbar vor dem Ethiopian-Airlines Absturz vom Sonntag.

Verräterisches Muster

Auffällig bei den Daten sei die Regelmäßigkeit der Phasen von jeweils 15 bis 20 Sekunden, so der Luftfahrt-Experte John Hansman vom Massachusetts Institute of Technology in der "New York Times", (Bezahlinhalt). Das sei das ein Indiz dafür, dass das MCAS-System eine Rolle bei den Abstürzen gespielt habe. Zwar kämen solche Schwankungen auch bei normalen Flügen vor, aber eben nicht in dieser regelmäßigen Oszillation.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA stellt sich auf eine längere Stilllegung der Maschinen des Typs Boeing 737 Max ein. Er rechne mit einer Wiederaufnahme der Flüge "innerhalb von ein paar Monaten", sagte Behördenchef Elwell.

Flugschreiber sollen in Frankreich untersucht werden

Die beiden Flugschreiber der Ethiopian-Airlines Maschine sollen in Frankreich ausgewertet werden. Das bestätigte die äthiopische Verkehrsministerin Dagmawit Moges. Zuvor hatte die französische Nachrichtenagentur AFP berichtet, die Flugschreiber sollten noch am Donnerstag bei der französischen Luftsicherheitsbehörde Bureau d'Enquêtes et d'Analyses (BEA) eintreffen. Die sogenannten Blackboxes zeichnen den Sprechfunk im Cockpit und alle Flugdaten auf, weswegen sie für die Klärung der Unglücksursache entscheidend sein könnten.

Schon vor den USA hatten Europa, weite Teilen Asiens und zuletzt Kanada die Boeing 737 Max mit einem Startverbot belegt. Mit dem Verbot in den USA stehen inzwischen mehr als 310 Maschinen am Boden.

Das Flugzeug der Ethiopian Airlines war am Sonntag abgestürzt und hatte 157 Menschen in den Tod gerissen. Bei dem Crash der Boeing 737 Max 8 der indonesischen Lion Air waren im vergangenen Oktober 189 Menschen gestorben.

Mehrere Boeing 737 Max 8 werden hier im Boeing-Werk im US-Bundesstaat Washington gefertigt
mit Material von DPA

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