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Sensationssieg im Schwergewicht "Little fat kid" Ruiz - vom übergewichtigen Außenseiter zum neuen Box-Weltmeister

Mit viel Masse ausgestattet: Andy Ruiz versetzt Anthony Joshua einen linken Haken
Mit viel Masse ausgestattet: Andy Ruiz versetzt Anthony Joshua einen linken Haken
© Al Bello / DPA
Ein Kampf für die Geschichtsbücher: Der übergewichtige Außenseiter Andy Ruiz hat den Favoriten Anthony Joshua besiegt und ist jetzt Box-Weltmeister im Schwergewicht. Der Titelverteidiger hat das "little fat kid" gewaltig unterschätzt.

Niemand hat ihm eine Chance gegeben: Andy Ruiz, 29 Jahre alt, fünffacher Vater mit dem Spitznamen "little fat kid" (kleines, dickes Kind) hat in der Nacht zu Sonntag eine Sensation geschafft. Der US-Boxer mit den mexikanischen Wurzeln und den wabernden Speckröllchen schlug vor 20.000 tobenden Zuschauern im Madison Square Garden den vierfachen Weltmeister im Schwergewicht, Anthony Joshua aus Großbritannien. Es war eine Nacht, die in die Annalen des Boxsports einging. 

Mit einem stattlichen Gewicht von 121 Kilo stieß Ruiz den Konkurrenten brutal vom Thron. In der dritten Runde ging der Herausforder zwar kurz zu Boden und wurde angezählt, doch nur wenige Augenblicke später schlug er zurück und schickte den austrainierten zwei-Meter-Mann Joshua seinerseits auf die Bretter - es war der Moment, in dem jeder ahnte, dass der übergewichtige Ruiz keineswegs nur Fallobst ist. Vergessen war auch die Tatsache, dass er nur als Ersatzmann angetreten war. Eigentlich sollte Joshua gegen Jarell Miller boxen, der wurde aber wegen Dopings gesperrt.

Joshua erhielt eine Tracht Prügel

Der "kleine Dicke" verpasst dem Briten in der Folge eine Tracht Prügel - Joshua taumelte nur noch durch den Ring und wurde von Ruiz noch drei Mal niedergestreckt. In der siebten Runde erlöste der kanadische Ringrichter Michael Griffin den Briten und erklärte Ruiz zum neuen Weltmeister. Technischer K.o. lautete das offizielle Urteil. Der 1:25-Außenseiter ist jetzt Titelträger der großen Verbände IBF, WBO und WBA sowie der weniger bedeutsamen IBO.  Den wichtigen WBC-Titel besitzt der Amerikaner Deontay Wilde.

Seit Ruiz als Ersatzmann feststand, war er verhöhnt und verlacht worden. Niemand nahm in als Herausforderer des strahlenden Joshua ernst. Seine unförmige, nicht austrainiert wirkende Figur ließ keinen Gedanken an einen möglichen Sieg über den zehn Zentimeter größeren Modellathleten aufkommen. "Unterschätzt diesen kleinen dicken Jungen nicht", hatte er gewarnt. Ernst nahm das niemand. Nach dem Kampf war Joshua schlauer: "Ich wurde von einem guten Kämpfer geschlagen", sagte der Brite und gab zu, den Rivalen unterschätzt zu haben. Joshua weiß jetzt, dass Ruiz den Kampfnamen Zerstörer zu Recht trägt.

Mit sechs zwang ihn sein Vater zum Boxen

Ruiz stammt aus einer Boxerfamilie. Sein Vater stand selbst erfolgreich im Ring und zwang den Sohn bereits im zarten Alter von sechs Jahren, mit dem Boxen anzufangen. Übergewichtig soll er schon damals gewesen sein. Sein Vater belohnte ihn nach dem Training mit Snickers-Riegeln, die er noch heute liebend gern isst. Als Amateur bestritt 100 seiner 105 Kämpfe erfolgreich, als Profi gewann er 33 seiner 34 Kämpfe. Nach dem Kampf Ruiz war völlig aus dem Häuschen und sprang wild hüpfend durch den Ring. "Ich danke Gott, dass er mir diesen Sieg geschenkt hat. Davon habe ich geträumt, dafür habe ich hart gearbeitet", jubelte der neue Titelträger, der für seinen großen Mut belohnt wurde.

"Er ist vorerst ein Champion", sagte der geschlagene Joshua und versprach: "Ich werde zurückkehren." Sein Promoter Eddie Hearn kündigte den Rückkampf für November oder Dezember in London an.

Mit Material von DPA

tis

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