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EM-Halbfinale heute live auf RTL Warum die Basketball-Nationalmannschaft sehr gute Chancen auf den Finaleinzug hat

Beim Basketball EM Viertelfinale gegen Griechenland: Maodo Lo, Franz Wagner, Daniel Theis, Dennis Schroeder (v.l.)
Beim Basketball EM Viertelfinale gegen Griechenland: Maodo Lo, Franz Wagner, Daniel Theis, Dennis Schroeder (v.l.)
© Pedja Milosavljevic/ / Picture Alliance
Bei der Basketball-EM kann sich NBA-Star Schröder auf seine Nebenleute Maodo Lo und Nick Weiler-Babb verlassen. Auch deshalb besitzen die deutschen Basketballer sehr gute Chancen auf einen Sieg im heutigen EM-Halbfinale gegen Spanien.

Über Dennis Schröder, aufgewachsen in Braunschweig, zuletzt tätig für die Houston Rockets in der NBA, darf man behaupten, dass er das Gesicht der deutschen Mannschaft ist. Sein Konterfei ist auf allen Plakaten zu sehen, mit denen für die Finalrunde der Basketball-EM in Berlin geworben wird.

Und tatsächlich löst Schröder auf dem Spielfeld ein, was die Poster versprechen: Beim überraschenden 107:96-Sieg gegen Griechenland am Dienstag war er der beste deutsche Korbjäger; er führte das Team mit 26 Punkten ins EM-Halbfinale gegen Spanien (Freitag, 20:30 Uhr, RTL). Schröder spielte 31 Minuten – und hätte wahrscheinlich noch länger auf dem Feld gestanden, wenn er sich nicht mit zwei unsportlichen Fouls selbst aus der Partie genommen hätte. Die beruhigende Erkenntnis für den Deutschen Basketball-Bund (DBB) lautet indes: Auch Schröder ist zu ersetzen. An seiner Stelle übernahmen Maodo Lo und Nick Weiler-Babb, ohne dass es einen Bruch im Spiel gegeben hätte.

Als knallharter Verteidiger war Weiler-Babb schon im Trikot der Basketballer des FC Bayern aufgefallen

Schröder kann bei der EM auch deshalb glänzen, weil ihm Lo und Weiler-Babb wichtige Aufgaben auf dem Feld abnehmen. Lo lenkt das deutsche Spiel ruhig und umsichtig, Weiler-Babb kümmert sich hauptsächlich um die Bewachung des gegnerischen Point Guards.

NBA-Star Dennis Schröder
NBA-Star Dennis Schröder
© Pedja Milosavljevic/ / Picture Alliance

Weiler-Babb, 26, ist neu um DDB-Team. Der gebürtige Amerikaner erhielt erst Anfang August einen deutschen Pass und stieß wenige Tage vor EM-Beginn zur Nationalmannschaft. Derzeit wird er von einer Schulterverletzung leicht beeinträchtigt, doch leistet er in den wenigen Minuten, die Bundestrainer Gordon Herbert ihm gibt, wichtige Dienste in der Defensive. Als knallharter Verteidiger war Weiler-Babb schon im Trikot der Basketballer des FC Bayern München aufgefallen, die seinen Vertrag gerade erst verlängert haben. Wohl kein Spieler in der Bundesliga verteidigt so effizient und fair zugleich; auch in der Euroleague zählt der in Texas aufgewachsene Weiler-Babb in dieser Disziplin zu den Spitzenkräften.

Maodo Lo hingegen hat seine Stärken in der Spielorganisation. Während Schröder auf dem Feld oftmals mit sich selbst beschäftigt ist, hat Lo stets das gesamte Team im Blick. Er weiß, wann er wem den Ball geben sollte. Alles, was Lo tut, folgt einer Idee und einem Plan. Schröder ist Los starke Form nicht entgangen. Er lobt Lo geradezu überschwänglich und sagte kürzlich: "Maodo ist der nächste Deutsche, der in der NBA spielen wird."

Wirklich? Gehört Lo in die nordamerikanische Profiliga NBA? Das wäre ein spätes Glück für den 29 Jahre alten Regisseur vom deutschen Meister Alba Berlin. Die meisten NBA-Teams haben allerdings die Spielmacher-Position bereits besetzt (was auch ein Nachtteil für Dennis Schröder ist, der noch keinen Arbeitsvertrag für die neue Saison besitzt). Schaut man allein auf Los Fähigkeiten, auf sein kluges Passspiel und den stabilen Distanzwurf, so lässt sich sagen: Er hat durchaus NBA-Format.

Schröder macht in diesen Tagen gute Werbung für sich

Jedoch würde Lo in den USA wohl nur ein Dasein als sogenannter Rollenspieler fristen. Er würde wenige Spielminuten bekommen und nur für Spezialaufgaben eingewechselt werden. Die Spielorganisation würde in anderen Händen liegen.

Lo fühlt sich ein wenig geschmeichelt von Schröders warmen Worten. "Es schön, wenn mein Name mit der NBA in Verbindung gebracht wird", sagt Lo. Doch würde er wirklich wechseln? Schon einmal hat Lo ein sehr gutes Angebot ausgeschlagen, weil ihm die Nähe zur Familie wichtiger war. So verlängerte er im Sommer 2020 seinen Vertrag beim FC Bayern nicht und zog zurück nach Berlin, in seine Heimatstadt. Er wolle näher bei seiner Familie sein, sagte Lo damals. Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic wunderte sich über diese Entscheidung. Lo hätte bei den Bayern zum bestverdienensten Basketballer in Deutschland aufsteigen können, rief er dem abtrünnigen Spielmacher nach.

Auf viel Geld hat auch Dennis Schröder in jenem Jahr verzichtet. Die Los Angeles Lakers, für die er 2020 spielte, boten ihm angeblich einen Vertrag über 84 Millionen Dollar für vier Jahre an. Doch Schröder lehnte ab – offenbar weil er glaubte, als vertragsloser Spieler noch bessere Konditionen heraushandeln zu können. Es kam dann anders: Schröder, der seine NBA-Karriere 2013 bei den Atlanta Hawks begann, tingelte von einem Klub zum nächsten: Boston Celtics, Houston Rockets – und nun wird Schröder wieder umziehen müssen.

Bei der Basketball-EM macht er in diesen Tagen kräftig Werbung für sich. Einen schnelleren ersten Schritt und einen dynamischeren Zug zum Korb als Schröder hat kein Spieler in Europa. Das hat auch dieses Turnier wieder gezeigt. Wenn Schröder, 28, die richtigen Mitspieler um sich hat, besonnene und bescheidene Typen wie Nick Weiler-Babb und Maodo Lo, dann ist die Bühne für NBA-reife Auftritte geschaffen.

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