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Biathlon in Antholz: Kampf der Krise: Preuß schickt Energie an Freund Schempp

Ihren ersten Weltcupsieg wird Biathletin Franziska Preuß nie vergessen. Zu lange, insgesamt 127 Rennen, musste sie darauf warten. Die freigesetzte Energie will sie nun an ihren Freund weitergeben. Denn Weltmeister Simon Schempp steckt im Formtief.

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Simon Schempp (l) und Franziska Preuß bei der World Team Challenge in Gelsenkirchen. Foto: Friso Gentsch

Antholz (dpa) - Vom Handball-Fieber ist Franziska Preuß anders als ihr Freund Simon Schempp nicht angesteckt.

«Simon guckt die WM. Ich bin nicht so ein Fan. Letztens habe ich eine Frage gestellt, da bin ich gleich wieder verarscht worden», erzählt die deutsche Biathletin laut lachend. Und die 24-Jährige hat gut lachen. Denn Preuß hat mit dem Sieg im Massenstart von Ruhpolding endlich ihren lang ersehnten ersten Weltcuperfolg gefeiert. Und stoppte ihre jahrelange Leidenszeit.

Zugleich dachte sie an diesem «genialen Tag» aber auch an ihren Freund. Denn Schempp steckt in der Krise, ließ den Heim-Weltcup wegen Formschwäche aus und fehlt auch diese Woche in Antholz. Sportliche Rückschläge gehören zum Leben des Paares, immer wieder machte den beiden die Gesundheit Probleme. Vor allem für Preuß waren die letzten drei Jahre «Seuchenjahre», in denen sie auch ans Aufhören dachte.

«Ich habe nie aufgegeben, auch weil mich viele Leute, wie Simon und meine Familie, bestärkt haben», sagt Preuß, die sich zwischenzeitlich als «körperliches Wrack» fühlte und auf psychologische Hilfe zurückgriff. Sie ist nun ihrerseits als Stütze ihres Partners gefragt. Denn gut sechs Wochen vor dem Start der WM im schwedischen Östersund ist offen, in welcher Form der Massenstart-Weltmeister zum Saisonhöhepunkt reist.

«Ich schaue, dass ich ihn irgendwie aufbaue, auch wenn es nicht leicht ist. Ich kann es nachvollziehen, wenn man da mal nicht so gut drauf ist», sagt Preuß, die genau weiß, wie sich ihr Freund fühlt. «Ich hoffe, dass ich durch meinen Sieg die Energie ein bisschen an ihn weitergeben kann. Dann kriegen wir das schon wieder hin.»

Während Schempp, zwölfmalige Weltcupsieger und Olympia-Zweiter im Massenstart, nach Absprache mit den Coaches trainiert und dann bei den Übersee-Weltcups im Februar in Kanada und den USA wieder ins Team zurückkehren soll, hofft Preuß in Südtirol auf die Bestätigung ihrer Form. Gegen einen zweiten Sieg hätte sie in der auf 1600 Meter Höhe gelegenen Südtirol-Arena nichts einzuwenden. «Aber ich weiß, dass es auch ganz schnell wieder anders laufen kann. Ich genieße den Moment, muss aber Energie sammeln, weil die harten Rennen in Antholz richtig reinhauen», sagt die WM-Zweite im Massenstart von 2015, die am Donnerstag (14.30 Uhr/ZDF und Eurosport) im Sprint gefordert ist.

An die WM denkt sie noch nicht. «Die ist noch soweit weg. Ich probiere meinen Weg weiterzugehen», sagt die Zolloberwachtmeisterin vom SC Haag. Im Gesamt-Weltcup ist sie mit 346 Punkten als Achte beste Deutsche. Siebenmal lief sie in die Top Ten, musste mit Platz 45 im Sprint von Oberhof aber auch einen Rückschlag wegstecken.

«Aber Franzi ist läuferisch wieder auf einen richtig guten Niveau», sagt Trainer Florian Steirer, für den der Premierenerfolg von Preuß nur eine Frage der Zeit war. Auch Preuß merkt, dass sie in der Loipe nun wieder attackieren und nicht immer nur reagieren kann.

Auch das Krankheitsthema hat Preuß dank eines «brutal guten» Körpergefühls jetzt im Griff. Sie sei zwar hyper sensibler, was nicht immer von Vorteil sei. «Aber ich habe gelernt, nur Sport zu machen, wenn ich 100 Prozent gesund bin. Die Erfahrung habe ich, und da lasse ich mich auch nicht mehr beeinflussen», sagt Preuß selbstbewusst.

dpa
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