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Fall Maria L.: Christian Streich wählt starke Worte gegen AfD und Fremdenhass

Seit der Vergewaltigung und Ermordung der Studentin Maria L. nimmt der Fremdenhass merklich zu. Ein Flüchtling aus Afghanistan soll der Täter sein. In einer emotionalen Rede warnt nun SC Freiburg-Coach Christian Streich vor Generalverurteilungen.

Christian Streich hat Angst vor dem wachsenden Fremdenhass

Christian Streich hat Angst vor dem wachsenden Fremdenhass

Der Trainer des Fußball-Bundesligisten SC Freiburg, Christian Streich, hat sich in einer emotionalen Rede gegen Fremdenhass und für mehr Zivilcourage ausgesprochen. "Jetzt kommt es darauf an, wie diese Gemeinschaft in diesem Land auftreten wird. Was auch gesellschaftlich toleriert wird", sagte Streich am Donnerstag auf einer Pressekonferenz vor dem Heimspiel des Vereins gegen Darmstadt.

"Wenn ich höre, was Leute sagen dürfen - diese Leute wären vor einigen Jahren gesellschaftlich degradiert gewesen. Jetzt wollen wir mal sehen, was weiter passiert und ob die Mehrzahl der Bevölkerung sich dem widersetzt und aktiv dagegen vorgeht", sagte Streich. "Wir sind ja schon glücklich, dass in Österreich die Präsidentschafts-Wahlen so ausgehen, wie sie ausgehen. Dass der Kandidat der FPÖ 46 Prozent bekommt. Das heißt für alle anderen, sich zu bekennen. Und wer das nicht tut und sich nicht klar bekennt, der trägt eine Mitverantwortung, wenn es in die andere Richtung geht. Also ich habe Angst, wenn ich diese Entwicklung sehe. Ich habe meine Kinder. Ich habe besonders Angst um die."

Christian Streich äußert sich zum Fall von Maria L.

Streichs mehr als fünf Minuten lange Rede war unter anderem eine Reaktion auf fremdenfeindliche Kommentare in Folge der Vergewaltigung und Ermordung einer Studentin in Freiburg. Ein 17 Jahre alter Flüchtling, der 2015 nach Deutschland kam, sitzt als Tatverdächtiger in Untersuchungshaft. "Die Generalverurteilung von Menschen gibt es solange, wie es Menschen gibt. Wir kennen das aus diesem Land sehr gut. Damals waren es die Juden. Und jetzt gibt es einen Bub, der was ganz Schlimmes gemacht hat, aus Afghanistan. Und jetzt sind es die Afghanen oder Ausländer. Ich habe nicht gedacht, dass es innerhalb so kurzer Zeit da hinkommt, wo es ist. Man muss große Angst haben", so der Trainer.

Christian Streich greift die AfD an

Das Verhalten der AfD kritisierte er in diesem Zusammenhang scharf: "Mir wurde mitgeteilt, dass ein Mensch von der AfD das Verhalten des Vaters der ermordeten Studentin als pathologisch bezeichnet hat. Weil er vor dieser Tat Flüchtlinge unterstützt hat. Dass in diesem Land jemand einer demokratischen Partei angehören darf und jemanden dann verhöhnen darf, der so etwas erleben musste - daran sehen Sie, was los ist. Man muss das als Herausforderung annehmen und sich bekennen."

Streich gibt nur selten und sehr ungern Interviews. Doch die Pressekonferenzen vor Spielen nutzt er gelegentlich dazu, sich zu gesellschaftlichen Themen zu äußern. Seit fast fünf Jahren ist er Trainer des SC Freiburg.

ivi

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