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DFB-Pokalfinale Fanschal-Zoff mit Leipzig: Warum die Aktion des SC Freiburg kopiert und lächerlich ist

Fans des SC Freiburg schwenken Schals im neuen Europapark-Stadion
Schals gehören bei vielen Fans zum Stadion-Outfit. Begegnungsschals sind besondere Souvenirs. Vom DFB-Pokalfinale 2022 wird es solche Schals nicht geben. 
© Robin Rudel / Picture Alliance
Nein, eine neue Fan-Freundschaft wird es beim DFB-Pokalfinale 2022 in Berlin nicht geben. Nicht mal gemeinsame Fan-Artikel der Finalisten. Das Bullen-Wappen von RB Leipzig ist auch in Freiburg ein rotes Tuch. Das ist nicht nur einfallslos, sondern auch kindisch — eine Polemik.

Für alle, die es nicht mitbekommen haben: Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat den französischen Mittelstürmer Christopher Nkunku vor ein paar Tagen zum Spieler der Saison 2021/22 gekürt. Und das absolut verdient. Und auch nicht besonders überraschend, dass die 18 Kapitäne und ein Expertenteam so entschieden haben.

Im Gegensatz zu einigen Millionen Fußballfans in Deutschland habe ich mich darüber sehr gefreut. Ausgerechnet ein Spieler des in den allermeisten Fanlagern geächteten Rasenballsport Leipzig. Den ewig gestrigen Fußballromantikern im Norden, Süden und Westen dürfte das überhaupt nicht geschmeckt haben. Warum? Weil es den meisten überhaupt nicht um den Fußball geht, sondern ums Prinzip. Und das geht so: Wir verabscheuen RB und alles Drumherum, weil ein reicher Mann Geld in das Projekt steckt. Das ist schon deshalb absurd, weil Fußball-Profis eben für Geld spielen.

Best of sechs Jahre Bullen-Bashing

Auch in der sechsten Bundesliga-Saison von RB befleißigten sich Ultras und andere Fangruppen darin, den Leipzigern zu zeigen, was sie von ihnen und dem "Konstrukt" halten. An der Spitze der kreativen Ideen lag abermals der Maulkorb, den sich die Anhänger aus Gladbach, Dortmund, Berlin und anderswo im Leipziger Stadion in den ersten 15 Minuten des Spiels selbst auferlegten. Ähnlich kindisch: Borussia Dortmund drückt seine Verachtung seit dem ersten Gastspiel von RB mit einer auf das Minimum reduzierten Retro-Anzeigetafel im Signal Iduna Park aus.

Das Vereinswappen der Roten Bullen ist beim BVB ein rotes Tuch. Und nicht nur da. Auch Bayern München wollte im DFB-Pokalfinale 2019 sein geliebtes Logo nicht neben den beiden schnaubenden Bullen sehen. "Scheiß DFB, Scheiß RB" war unter anderem auf einem Banner im Block des Rekordmeisters zu lesen. Mit Blick Richtung Katar und Audi sollten die erstmal in ihren eigenen Kellern nach Kommerz-Leichen suchen. Ganz ehrlich: Von den Bayern hatte ich nichts anderes erwartet. Dass sich der BVB ähnlich kleingeistig aufführt, hat ich mich schon mehr enttäuscht. Auch, weil ich die Schwarz-Gelben in den 1990er Jahren in mein kleines Fußballfan-Herz geschlossen habe und sie dort immer noch einen festen Platz haben.

Finalschal? Nein, Danke!

Nun also der SC Freiburg. Der bodenständige Ausbildungsverein aus dem sonnigen Südwesten will seine Schwarzwaldmilch auf keinen Fall mit dem Energydrink "Made in Austria" vermischen. Weder optisch, noch sonst irgendwie (schmeckt vermutlich auch sonderbar). Es wird also zum dritten Mal in den letzten vier Jahren keinen Schal mit den Vereinswappen der beiden Pokalfinalisten geben. Kein Souvenirs, keine Erinnerungen für mehr als 70.000 Fans, die am Samstag im Berliner Olympiastadion für ihren Klub die Daumen drücken und den ersten Pokalsieg der Vereinsgeschichte feiern wollen. Großartig. Eine tolle Idee, lieber SC Freiburg! Und albern noch dazu. Ihr wolltet Fußball-Deutschland auch mal zeigen, was ihr von RB Leipzig haltet? Stark. Was Dortmund und die Bayern können, könnt ihr auch. Ist angekommen. Nur wussten wir schon vorher, dass ihr keine Fans der Rasenballer seid.

"Es muss eine Verbindung zwischen den Vereinen geben und vor allem eine hohe Akzeptanz bei den Fans. Sonst machen wir das nicht", rechtfertigte Oliver Leki, Geschäftsführer der Breisgauer, im SWR bedeutungsschwanger das Gezerre um den Schal. Ohnehin mache man solche gemeinsamen Schals eher selten. Was daran liegen könnte, dass die Freiburger nur alle Jubeljahre zu einem solch bedeutsamen Spiel auflaufen, wie dem DFB-Pokalfinale. Ganz ehrlich: Welchen Zacken würde man sich im Schwarzwald mit einem Final-Fan-Schal aus der Krone brechen? Es geht um ein Fußballspiel, nicht um eine Fan-Freundschaft. Selbst die Leipziger Traditions-Klubs 1. FC Lok und Chemie Leipzig würden ihre Wappen auf einem gemeinsamen Schal verewigen. Dabei gibt es nur wenige Stadtrivalen, die sich derart geringschätzen wie diese beiden. Auch hier geht es im Kern übrigens darum, dass ein Verein (vor vielen Jahren) von außen massiv unterstützt und damit Wettbewerbsvorteile erlangt haben soll. Das aber nur am Rande.

Geld von Mateschitz: Was soll daran verwerflich sein?

Nur, damit wir uns nicht falsch verstehen: Über das "Projekt" RB Leipzig kann man diskutieren. Keine Frage. Hoffenheim lässt grüßen. Nur waren die Sinsheimer den Topklubs der Liga längst nicht so ausdauernd auf den Fersen wie es die Sachsen seit sechs Jahren schaffen. Und genau hier liegt aus meiner Sicht das Problem. Kein Hahn krähte nach RB, würden die im Mittelfeld der Liga vor sich hin dümpeln. Dass das nicht so ist, hat viele Gründe. 

Der Geldhahn von Mateschitz ist einer davon. Was daran so verwerflich sein soll, will partout nicht in meinen Kopf. Ob die Bayern ohne die Millionen von Audi, Adidas & Co. zehn Mal in Folge Deutscher Meister geworden wären? Die Fußballfans in Hamburg, ich meine die mit der Raute im Herzen, werden mich verstehen. Auch wenn hier die Speditions-Millionen nicht ganz so optimal angelegt wurden. Aber das ist eine andere Geschichte. 

Ach, und in Freiburg kicken die Profis seit Herbst 2021 übrigens im Europa-Park-Stadion. Bis zu 2,5 Millionen Euro pro Saison könnte der Verkauf der Namensrechte nach Angaben des Vereins in die Kasse spülen. Das war eine wirtschaftliche und gute Entscheidung, die sich der SC auch sportlich erarbeitet hat. So und nicht anders funktioniert das Geschäft-Fußball. Und letztlich sitzen alle im selben Boot. Ob sie das wollen oder nicht.

Fun Fact: RB Leipzig war der erste Gast im neuen Europa-Park-Stadion

Der SC Freiburg hat mit seinem kleinkarierten Boykott von gemeinsamen Fanartikeln letztlich nur kopiert, was der FC Bayern München und Borussia Dortmund bei ihren Finals gegen RB Leipzig schon einmal vorgemacht haben. Meinetwegen. Wenn sich die Badener und ihre Fans damit besser fühlen, schön für sie. Scheinheilig ist es trotzdem. Und eins ist auch klar: Wollen sie am Abend zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte den DFB-Pokal in den Berliner Nachthimmel recken, werden die Mannen von Christian Streich den Roten Bullen nicht aus dem Weg gehen können. 

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