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DFB-Präsident unter Druck: Leuchtturmprojekt EM 2024 als Schicksalsfrage für Grindel

Mit Beginn seiner Amtszeit erklärte DFB-Chef Reinhard Grindel die EM-Bewerbung zum «Leuchtturmprojekt». Die Frage des Zuschlags dürfte nun auch seine persönliche Zukunft beeinflussen. Der Generalsekretär des Verbands befürchtet eine Personaldebatte.

Reinhard Grindel

Unter Druck: DFB-Präsident Reinhard Grindel. Foto: Andreas Arnold

Als sich der Deutsche Fußball-Bund zum Anlauf für die EM 2024 entschloss, war Reinhard noch eine Randfigur.

Am Tag nach der Bewerbungs-Ankündigung seines Vorgängers Wolfgang Niersbach im Oktober 2013 betrat der damalige CDU-Bundestagsabgeordnete durch die Wahl zum Schatzmeister des Verbands die nationale Fußballbühne. Nun könnte die vom ihm selbst zum «Leuchtturmprojekt» ausgerufene Kandidatur bei der Vergabe am Donnerstag auch zur persönlichen Schicksalsfrage werden.

Selbst -Generalsekretär Friedrich Curtius befürchtet eine derartige Debatte im Falle eines Scheiterns im Duell mit dem einzigen Gegenkandidaten Türkei: «Es ist leider normal, dass im Falle eines Misserfolgs wieder Struktur- und Personaldiskussionen geführt werden, auch wenn dies vielleicht nicht immer gerecht ist», sagte Curtius der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» auf die Frage nach der Bedeutung einer Niederlage für Grindel.

Natürlich verweist der Generalsekretär darauf, dass Grindel bis zum DFB-Bundestag im September 2019 gewählt sei. Doch auch verbandsintern ist der Chef längst nicht mehr unumstritten. Fehler im Umgang mit der Affäre rund um , öffentlich gewordene E-Mails, die ihn in ein unglückliches Licht rücken - hinter vorgehaltener Hand mehren sich aufgrund der möglichen Angriffsflächen kritische Stimmen.

Dass Grindel, der nach dem Rücktritt im Zuge des Sommermärchen-Skandals an die Verbandsspitze kam, bei einem Scheitern schnell zurücktritt, ist zum jetzigen Zeitpunkt auszuschließen. Sein persönliches Schicksal hat er nicht an den EM-Zuschlag geknüpft. Immer wieder betonte der 57-Jährige zudem seinen «sehr großen Rückhalt» bei Landesverbänden und in der Bundesliga. Ein potenzieller Nachfolger hat sich zudem bislang nicht in Stellung gebracht.

Immer häufiger wird EM-Botschafter Philipp Lahm als möglicher Erbe genannt. Im Gegensatz zu Grindel würde dem Ehrenspielführer auch eine Wahlniederlage gegen die Türkei kaum etwas anhaben können. Auf die Präsidentschaftsfrage reagierte der WM-Kapitän von 2014 zuletzt ausweichend oder mit einem vielsagenden Lachen.

Eigene Fehler räumte Grindel im Nachklang der WM mit Verzögerung ein. «Ich hätte mich angesichts der rassistischen Angriffe an der einen oder anderen Stelle deutlicher positionieren und vor Mesut Özil stellen müssen. Da hätte ich klare Worte finden sollen», erklärte Grindel vor gut einem Monat.

Öffentliche Kritik kommt aus der Politik. «Die Rolle von Reinhard Grindel in der Debatte um Mesut Özil war mindestens unglücklich», wertete zuletzt Grünen-Chefin Annalena Baerbock in der «Süddeutschen Zeitung». Das Verhalten des DFB-Chefs und auch von Özil müsse für Trainer und Ehrenamtliche «wie ein Schlag in die Kniekehlen» gewesen sein. «Grindel wird sich am Ende aber daran messen lassen müssen, ob die Vorwürfe rund um die WM-Vergabe 2006 restlos aufgeklärt werden und ob er es schafft, den DFB wieder näher an seine Mitglieder und die Fans zu führen. Das sind zwei riesige Aufgaben.»

Unabhängig von seiner Person hatte Grindel mehrfach betont, dass nicht der 15. Juli - der Tag des WM-Finals in Moskau - sondern der 27. September das wichtigste Datum für den deutschen Fußball in diesem Jahr sei. Auch aus diesem Grund befand sich der DFB-Chef zum Wochenanfang bei der Weltfußballer-Kür des Weltverbands FIFA in London, wo auch Gespräche mit Mitgliedern des Wahl-entscheidenden Exekutivkomitees der UEFA auf dem Programm standen.

In den Führungszirkeln der internationalen Verbände erhebt UEFA-Vizepräsident Grindel durchaus seine Stimme. Nun muss der Ex-Politiker auch frühere Stars wie Davor Suker oder Zbigniew Boniek bei der EM-Gastgeberkür auf die deutsche Seite ziehen.

dpa

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