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Nach langen Verhandlungen: Australiens Fußball feiert Prämien-Coup: Wie die "Matildas" von dem Gender-Deal profitieren

Im Streit um Siegprämien und Gehälter haben die australischen Fußballerinnen einen bemerkenswerten Sieg eingefahren. Bis zur nächsten WM kassieren die "Matildas" genauso viel Geld wie ihre männlichen Kollegen.

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Erfolg auf ganzer Linie für die australischen Fußball-Nationalspielerinnen. Mit dem Verband handelten sie aus, in den kommenden vier Jahren genauso viel Geld zu bekommen, wie ihre männlichen Kollegen.

DPA

Nach dem dramatischen Achtelfinal-Aus bei der WM im Juni in Frankreich waren die "Matildas" noch am Boden zerstört. Am Mittwoch feierten die Spielerinnen des australischen Fußball-Nationalmannschaft nun abseits des grünen Rasens einen bemerkenswerten Sieg. Gegner waren dieses Mal nicht die Kickerinnen aus Norwegen, sondern der Australische Fußballverband FFA. Und der gab sich in der Diskussion um den Gender Paygap nach monatelangem Kampf geschlagen. Auf Deutsch: Der Verband zahlt den Fußballerinnen in Australien zukünftig genauso viel Geld wie den Männern. 

"Davon haben wir immer geträumt"

"Das ist ein wunderbarer Schritt nach vorn", jubelte auch John Didulica, früher selbst Profi, und jetzt Geschäftsführer der Spielergewerkschaft Professional Footballers Australia (PFA). "Davon haben wir Frauenfußballerinnen immer geträumt", sagte die 95-fache Nationalspielerin Elise Kellond-Knight, die ihr Team im WM-Spiel gegen Norwegen in die Verlängerung geschossen hatte, dem "Newcastle Herald". Der Deal, den die Spielerinnen samt Gewerkschaft mit der FFA ausgehandelt haben, gilt zunächst bis zur nächsten Frauenfußball-WM 2023. Und es geht dabei nicht nur um monetäre Angleichungen.

Demnach gehen in den kommenden vier Jahren insgesamt 24 Prozent der Einnahmen des Verbands zu gleichen Teilen an die Nationalspielerinnen und Nationalspieler. Fünf Prozent davon sollen direkt in die Nachwuchsarbeit fließen. Statt wie bisher auf den "Economy"-Sitzen können es sich die Frauen bei ihren Flugreisen zu Länderspielen zukünftig in der Business Class gemütlich machen. Das war bisher nur den "Socceroos", ihren männlichen Pendants, vorbehalten.

Möglicherweise hat das Agreement Down Under sogar zwei Gewinner. Wie der "Sydney Morning Herald" berichtet, hofft Verbandspräsident David Gallop durch den Deal bei der FIFA einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. "Ich bin sicher, dass diese Vereinbarung, unsere Chancen, die WM nach Australien zu holen, verbessern werden."

Dänen als Vorreiter, Rapinoe befeuert Prämienstreit

Die Diskussion um den Angleich von Prämien ist nicht ganz neu. Die dänischen Fußballerinnen zwangen ihren Verband 2017 dazu, den Geldhahn deutlich weiter aufzudrehen. Zuletzt beklagte US-Superstar Megan Rapinoe die mangelnde Wertschätzung der FIFA gegenüber dem Frauenfußball. Der Weltverband hatte zwar angekündigt, die Prämien bei der nächsten WM auf 60 Millionen US-Dollar (rund 53 Mio. Euro) zu verdoppeln – erhöhte zugleich aber auch die Siegprämien der Männern um ein Vielfaches auf insgesamt 440 Millionen US-Dollar.

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Im Oktober hatte FIFA-Präsident Gianni Infantino nach einer Sitzung des Councils in Shanghai angekündigt, in den kommenden vier Jahren eine Milliarde US-Dollar in den Frauenfußball investieren zu wollen.

Quelle: "Sydney Morning 'Herald", "Newcastle Herald"

js / mit DPA

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