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Alexander Zickler: Rückkehr eines Pechvogels

Kaum einer hatte noch mit seinem Comeback gerechnet. Immer wieder wurde Bayern-Stürmer Alexander Zickler durch Verletzungen gebremst. Jetzt kehrte er zurück - auf ungewohnter Position.

Alexander Zickler fühlte sich wie neu geboren. Das eigentlich belanglose Testspiel des FC Bayern München gegen Energie Cottbus war für einen der größten Pechvögel der Fußball-Bundesliga eine ganz besondere Partie. Nach drei Schienbeinbrüchen schürte der 45-Minuten-Einsatz beim 1:0-Sieg des deutschen Rekordmeisters nicht nur die Hoffnungen des 30-Jährigen auf ein Bundesliga-Comeback nach fast zwei Jahren, es war auch ein Triumph über die Skeptiker. "Es haben nicht mehr so viele damit gerechnet, dass ich zurückkomme. Darum ist es ein unbeschreibliches Gefühl, dass ich es allen gezeigt habe", sagte der Sachse in Dubai mit Genugtuung.

Magaths Überraschung für den Rückkehrer

"Ich war so nervös, wie vor meinem ersten Bundesligaspiel", gab er zu. Trainer Felix Magath machte ihm jedoch ein großes Kompliment. "Er hat seine Sache sehr gut gemacht. Er geht voll in die Zweikämpfe und hat keine Angst. Auf ihn kann man zählen", bemerkte der 51-Jährige. Zicklers wichtigste Botschaft nach dem Härtetest lautete dagegen: "Mit meinem rechten Bein ist alles in Ordnung."

Magath hatte für seine Nummer 21 sogar eine "kleine Überraschung" parat, wie Zickler meinte. Als rechten Verteidiger setzte der Trainer den gelernten Stürmer ein. Zickler war das jedoch völlig egal: "Wenn er mich gefragt hätte, ob ich Handschuhe dabei habe, hätte ich mich auch ins Tor gestellt", scherzte er.

Im März 2003 stürmte der zwölfmalige Nationalspieler zuletzt in der Bundesliga für die Bayern. Danach begann die unheimliche Verletzungsserie. Zunächst stoppte ihn ein Ermüdungsbruch am rechten Schienbein; jenem Unterschenkel, an dem ihm ein Jahr zuvor ein Tumor entfernt worden war, der ihn die Teilnahme an der WM 2002 kostete. Drei Tage vor Beginn der Saison 2003/04 folgte bei einem Zweikampf im Training Schienbeinbruch Nummer zwei. Kaum zu glauben: Unmittelbar vor dem Comeback im Profiteam brach das Bein vor zehn Monaten bei einem Einsatz im Amateurteam ein drittes Mal. Doch schon damals versprach Zickler: "Ich komme wieder!"

"Herminator" als Vorbild

Er hat es geschafft, mit Willensstärke, dem Halt der Familie und nicht zuletzt der Hilfe von Gerhard Oberthaler. Der Arzt aus Salzburg hat auch den österreichischen Ski-Star Hermann Maier nach dessen schwerem Motorradunfall zurück auf die Weltcup-Pisten gebracht. Der "Herminator" wurde zum Vorbild für Zickler. "Bei seinem Beinbruch gab es noch mehr Komplikationen - und er fährt auch wieder Rennen. Er ist bewundernswert", schwärmte Zickler von Maier. Gegenwärtig liest er dessen Biografie, "und mit Maier würde ich mich gerne einmal länger treffen und mehr über seine Leidensgeschichte erfahren".

Zicklers eigene begann eigentlich schon 1993, als er als 19-Jähriger von Dynamo Dresden zum Rekordmeister wechselte. Er zog sich eine Innenbandverletzung am Knie zu. Es folgten Bänderrisse, ein Meniskusschaden, ein Loch in der Ferse und Muskelfaserrisse am laufenden Band. Zeigen, was er wirklich drauf hat, konnte Zickler nur selten. Auch in der Nationalmannschaft schaffte er nie den Durchbruch. Zwölf Spiele, zwei Tore lautet die magere Bilanz. Aber das zählt jetzt nicht mehr. "Ich habe mehr Spaß am Fußball als je zuvor", sagt er. Auch wenn er bald 31 wird, ans Aufhören denkt Zickler jetzt nicht mehr, auch wenn sein Vertrag im Sommer ausläuft. Er versprach: "Kampflos aufgeben möchte ich hier nicht."

Klaus Bergmann/DPA / DPA

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