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Auftaktspiel gegen Borussia Mönchengladbach Bayern zweimal mit VAR-Glück und der Erkenntnis: Die Abwehr ist nicht ligareif

Julian Nagelsmann sah zwei unterschiedliche Gesichter seiner Mannschaft im Auftaktspiel gegen Gladbach
Julian Nagelsmann sah zwei unterschiedliche Gesichter seiner Mannschaft im Auftaktspiel gegen Gladbach
© Christof Stache / AFP
Ein überragender Gladbacher Keeper und Ärger über nicht gegebene Elfmeter - das Eröffnungsspiel der Bundesliga hat viel Spektakel geboten und eine deutliche Erkenntnis geliefert: Julian Nagelsmann hat beim FC Bayern noch viel Arbeit.

Als es noch echte Geisterspiele ganz ohne Zuschauer gab, war es eine der interessantesten Erkenntnisse, wie Fußball-Profis so auf dem Platz miteinander umgehen. Was normalerweise nicht zu hören war, bekam nun jeder TV-Zuschauer über die Stadionmikrofone mit. Was man vorher nur erahnte, wurde nun deutlich hörbar: In der Bundesliga geht es genauso zu wie in der Kreisliga. Es gibt Kommandos, es wird gemotzt und gepöbelt und das alles laut. Typisch Fußballplatz eben. 

Beim Auftaktspiel des FC Bayern gegen Borussia Mönchengladbach war es hingegen fast wie früher. 22.995 Fans waren im Stadion und machten ordentlich Krach. Für die Stimmung war das natürlich prächtig. "Endlich mal wieder ein richtig geiler, gelungener Abend im Borussia-Park. Es hat sich angefühlt, als wären hier 50.000 im Stadion", schwärmte der Gladbacher Lars Stindl nach dem Spiel.

Nagelsmann laute Stimme war dennoch zu hören

Trotz des Lautstärkepegels vernahm man aber während des Spiels immer wieder eine hohe, fast kreischende Stimme. Verstehen konnte man sie nicht, aber zuordnen. Es waren die Rufe des neuen FC-Bayern-Trainers Julian Nagelsmann, der mit aller Macht das Spiel seiner Mannschaft von außen zu beeinflussen versuchte.

Doch das gelang nur zum Teil. Offensiv lieferte sein Team wie der Gegner eine beeindruckende Leistung ab. Es gab Torchancen auf beiden Seiten, es war ein großartiges Fußballspiel, in dem besonders der Gladbacher Torwart Yann Sommer mit vielen Paraden glänzte. Aber defensiv bot der Rekordmeister eine eher besorgniserregende Leistung. Da schrie sich Nagelsmann vergeblich die Seele aus dem Leib. Der genaue Wortlaut wäre sicherlich interessant gewesen. Es war nur der mangelnden Abschlussschwäche der Gladbacher Angreifer zu verdanken, dass die Bayern nicht noch ein Gegentor mehr kassierten.

Die Erkenntnis des Abends für die Bayern lautet: Auf Nagelsmann wartet viel Arbeit. "Da kriegen wir schon noch eine bissl bessere Struktur rein", sagte Nagelsmann, den wie sein Kollege Adi Hütter als neuer Coach der Borussia dasselbe Problem plagt: Etliche EM-Teilnehmer kamen zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlicher Verfassung im Sommer zurück und sorgten für eine herausfordernde Vorbereitung. "Man hat gesehen, dass beide Teams noch Luft nach oben haben. Es war uns vorher schon bewusst, dass wir noch ein paar Schritte zu gehen haben", sagte Nagelsmann.

Bayern-Abwehr wirkt teilweise orientierungslos

Die neuformierte Bayern-Abwehr wirkte teilweise orientierungslos und alles andere als titelreif. Der von Nagelsmann aus Leipzig für über 40 Millionen Euro mitgebrachte Upamecano agierte nicht nur in den strittigen Szenen mit Thuram zumindest ungeschickt. Da die französischen Weltmeister Benjamin Pavard und Lucas Hernandez noch verletzt fehlen, kam der erst 21 Jahre alte Josip Stanisic aus dem Regionalliga-Kader der Bayern zu seinem zweiten Bundesliga-Einsatz.

"Das wird ein Top-Bundesligaspieler", sagte Nagelsmann über das Talent, das freilich noch etwas Zeit benötigt - so wie das gesamte Spiel der Bayern, in dem es noch an Automatismen des neuen Trainers mangelt. "Dass wir uns defensiv verbessern wollen, ist völlig klar", gestand Nagelsmann, dem seine Akteure noch zu wild "kreuz und quer" liefen: "Danach wird es schwierig, die Räume zu schließen."

Und dann war da noch die Sache mit dem Videoassistenten. Während die zurückliegende Europameisterschaft zeigte, dass ein geräuschlose und zügige Anwendung möglich ist, hat das Auftaktspiel der Bundesliga gleich wieder ein anderes Bild geliefert. Gleich zwei Mal wurde den Gladbachern in der Schlussphase die Anwendung des Var verweigert, weil Schiedsrichter Marco Fritz und die Assistenten im Kölner Keller darauf verzichteten.

Dabei hätte Fritz ihn den strittigen Szenen auf Strafstoß entscheiden können, ja müssen. In beiden Fällen ging es um Zweikämpfe zwischen dem neuen Bayern-Verteidiger Upamecano und dem Gladbacher Angreifer Thuram. Besonders der erste Zweikampf war definitiv ein Strafstoß, aber Fritz verzichtete auf eine Blick auf die Szene und ließ die Partie weiterlaufen. "Wenn so viel darüber diskutiert wird, ist es meistens ein Zeichen dafür, dass man sie geben kann", sagte Nagelsmann. So profitierten der 34-jährige Trainer und sein Team von etwas, dass es lange nicht gegeben hatte: dem Bayern-Dusel. Es kann also eine interessante Saison werden, wenn man dieses Spiel zum Maßstab nimmt.

Mit DPA

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