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Neuer Job im englischen Fußball "Aus Angst vor Veränderung entsteht selten etwas Gutes": Bibiana Steinhaus-Webb kritisiert DFB zum Abschied

Bibiana Steinhaus während ihres letzten Einsatzes im Supercup zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund im vergangenen Jahr
Bibiana Steinhaus während ihres letzten Einsatzes im Supercup zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund im vergangenen Jahr
© Sven Hoppe / DPA
Bibiana Steinhaus-Webb wird zur Direktorin der Schiedsrichterinnen in der englischen Frauen-Liga. Beim DFB war kein Platz für sie. Zum Abschied fand sie nun deutliche Worte über die Herren-Riege beim deutschen Verband.

Bibiana Steinhaus-Webb, die es für einen neuen Job nach England zieht, hat zum Abschied noch einmal deutliche Kritik am Deutschen Fußball-Bund (DFB) geübt: "Fußball kann so viel mehr. Er nutzt vor allem seine gesellschaftliche Rolle nicht ausreichend, weil er die Gesellschaft nicht mehr abbildet", sagte die 42-Jährige in Richtung des DFB. Genauso verwies sie auf die Schwierigkeiten, die sie beim Verband hatte. "Aber natürlich gab es in all der Zeit auch ein paar Hürden, die nicht nötig gewesen wären, und mir fehlte eine Vision davon, was wir in Zukunft gemeinsam anstreben."

Steinhaus-Webb übernimmt in England die Leitung der Schiedsrichterinnen für die beiden ersten Ligen ("Women's Select Group Director"). Der englische Verband verfolge "dazu eine ganz konkrete Idee". Beim DFB verspüre sie dagegen "in Teilbereichen" Widerstände. "Doch aus Angst vor Veränderung entsteht selten etwas Gutes", sagte Steinhaus-Webb, die mit dem früheren englischen Weltklasse-Schiedsrichter Howard Webb verheiratet ist.

Kritik gilt besonders Interimspräsident Rainer Koch

Die Spitze gilt besonders Interimspräsident Rainer Koch, mit dem Steinhaus wegen ihrer Unterstützung der Frauen-Initiative "Fußball kann mehr" in einen heftigen Konflikt geraten war. Die Initiative, der unter anderem auch die Nationaltorhüterin Almuth Schult und die Sport-Managerin Katja Kraus angehören, fordert mehr Frauen in Führungspositionen des DFB und eine neue Führungskultur. Deswegen habe es "Interventionen" gegeben, sagt Steinhaus-Webb. "Das empfand ich als inakzeptabel." Gemeint sind massiver Druck durch den Verband und Interimspräsident Koch.

Steinhaus-Webb war 2017 die erste Frau, die in der Fußball-Bundesliga der Männer ein Spiel leitete wie auch später auf internationaler Bühne Männer-Partien. Sie kam bei WM- und EM-Turnieren der Frauen zum Einsatz und pfiff das Olympia-Finale der Frauen 2012 in London.

Quellen:"Frankfurter Allgemeine Zeitung"

tis

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