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Fünf Thesen zum Spitzenspiel: Warum Leipzig den Bayern in diesem Jahr gefährlich werden könnte

RB Leipzig empfängt die Bayern zum Spitzenspiel des 4. Spieltages. Vieles spricht dafür, dass die Mannschaft von Julian Nagelsmann das Duell gewinnt und ein ernsthafter Titelrivale der Münchner sein kann.

Video: Nagelsmann fordert Mut gegen Bayern

Es ist das Spitzenspiel des 4. Spieltages: RB Leipzig gegen Bayern München, Erster gegen Zweiter. Die Ausgangslage ist für beide Clubs unterschiedlich. Leipzig empfängt die Bayern als Tabellenführer mit zwei Punkten Vorsprung. Damit liegt der Druck auf Seiten der Münchner, und da besonders auf Trainer Niko Kovac. Eine Niederlage des Rekordmeisters wäre zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison sportlich verkraftbar, aber fünf Punkte Rückstand würden die Unruhe in München verstärken.

In Leipzig sieht man dem Duell entspannt entgegen – zumindest offiziell. Grundsätzlich wähnt man sich auf dem richtigen Weg, eine Niederlage gegen den Rekordmeister wäre zwar ärgerlich, aber kein Rückschlag. Trotzdem ist der Ehrgeiz bei den Bullen groß. Trainer Julian Nagelsmann und seine Mannschaft haben den Anspruch, die Bayern zu schlagen und möglichst lange um den Titel mitzuspielen – und es gibt gute Gründe, warum das durchaus möglich ist. 

Das Spitzenspiel zwischen Leipzig und den Bayern ist auch in Duell der Trainer Julian Nagelsmann (l.) und Niko Kovac

Die Partie zwischen Leipzig und den Bayern ist auch ein Duell der Trainer Julian Nagelsmann (l.) und Niko Kovac

Getty Images

1. Trainer Julian Nagelsmann

Nagelsmanns Verpflichtung wurde schon vor über einem Jahr bekannt gegeben. Der 32-Jährige soll dem Red-Bull-Club den letzten Schub geben und endlich den ersten Titel gewinnen. Der Saisonstart lief nach Plan, in drei Spielen gab es drei Siege. Die deutliche 0:3-Niederlage gegen die Bayern im Pokalfinale ist noch im Gedächtnis, dürfte aber aktuell kein Gradmesser für das Kräfteverhältnis sein. Die Mannschaft wirkt unter Nagelsmann gereifter und souveräner. Der Trainer selbst präsentierte sich vor dem Duell gegen die Bayern entspannt. "Erfolgreiche Spiele gegen Bayern können einen tragen. Wir werden bestätigen, dass wir gut drauf sind und eine gute Mannschaft haben", sagte Nagelsmann auf der Pressekonferenz. Über den von Kovac zum "Abnutzungskampf" auserkorenen Gipfel sagte er lächelnd: "Die Spieler werden das Spiel in den Knochen merken, sowohl bei den Bayern als auch bei uns."

2. Die effiziente Offensive

Eines der großen Probleme in der Vergangenheit war eins um andere Mal die Chancenvertwertung der Bullen. Das hat sich in der aktuellen Saison deutlich verbessert. 31 Prozent der Torschüsse landeten laut "transfermarkt.de" im gegnerischen Netz. Damit ist Leipzig sogar einen Tick besser als die Bayern (28,2 Prozent). Angreifer Timo Werner hat in drei Spielen fünf Treffer erzielt, auch weil er mit Yussuf Poulsen, Marcel Sabitzer und Emil Forsberg eine bärenstarke Unterstützung hat. 

3.  Das Team ist zusammengewachsen

Auch wenn RB die jüngste Mannschaft der Bundesliga stellt, spielt der Kern der Truppe seit Jahren zusammen und hat in Ruhe reifen können. Damit sind die Leipziger in diesem Punkt gegenüber den Bayern ebenfalls im Vorteil, weil die Bayern in den vergangenen zwei Jahren zahlreiche neue Spieler geholt haben. Zu RB sind etliche Spieler schon gekommen, als der Verein noch in der 2. oder sogar in der 3. Liga spielte, darunter zum Beispiel Poulsen (seit 2013), Forsberg (2015) Sabitzer (seit 2015) oder Verteidiger Willy Orban (2015). Die Eingespieltheit der "Bullen" ist ein bedeutsamer Faktor. Zudem dürfte der Titel-Hunger der jungen Spieler sehr groß sein, schließlich ist RB bislang leer ausgegangen. 

4. Das Umfeld ist ruhiger

Ein weiterer Vorteil, den die Leipziger gegenüber dem Konkurrenten aus München haben, ist das deutlich ruhigere Umfeld. Das liegt natürlich daran, dass die Unterschiede zwischen den Vereinen extrem sind. RB ist trotz gegenteiliger Beteuerungen eine Art Retortenclub, der aus gerademal 17 Mitgliedern besteht. Da ist automatisch eine größere Ruhe garantiert. Zum Vergleich: Die Bayern haben 290.000 Mitglieder. Kurz: Die Vereine sind in dieser wie in jeder anderen Hinsicht (Geschichte, Erfolge, Medienlandschaft, Anzahl der Fans etc.) nicht zu vergleichen. Ein weiteres Beispiel: Während Bayern-Trainer Kovac nach jedem schwächeren Spiel sofort unter Rechtfertigungsdruck gerät, hat Nagelsmann quasi eine Jobgarantie. Das kann im Konkurrenzkampf ein Faktor sein. 

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5. Der Druck ist in Leipzig geringer

Mit dem ruhigeren Umfeld geht eine geringere Erwartungshaltung einher. Leipzig ist ja eher das Fußball-Projekt eines Weltkonzerns und nicht so sehr ein klassischer Fußball-Verein. Das kann (muss aber nicht) in der Saison ein Vorteil gegenüber den Bayern werden. Dort steht Niko Kovac in seinem zweiten Jahr unter größerem Druck, weil er in Champions League erfolgreicher als in der vergangenen Saison (Achtelfinale) abschneiden muss. Das ist der Anspruch in München. In Leipzig ist die Erwartungshaltung im Vergleich zu den vergangenen Jahren sicherlich größer geworden, aber sie ist nicht so hoch wie bei den Bayern. Für Nagelsmann und sein Team heißt das, dass sie befreiter aufspielen können als der Konkurrent.

Quellen: "kicker", "Leipziger Volkszeitung", "Bild", "Süddeutsche Zeitung", "transfermarkt.de", DPA

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