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Bayern-Niederlage in Rostow: Die drei großen Probleme des Carlo Ancelotti

Drei Pflichtspiele in Folge sieglos, den Gruppensieg in der Champions League verspielt, in der Bundesliga drei Punkte hinter RB Leipzig: Der FC Bayern hinkt unter dem neuen Trainer Carlo Ancelotti noch den Ansprüchen hinterher. Warum eigentlich?

Carlo Ancelotti

Carlo Ancelotti nach der Bayern-Niederlage in Rostow

Nach einem Traumstart mit acht Siegen in Serie und 23:1 Toren schien der FC Bayern München unter Neu-Trainer Carlo Ancelotti nahtlos an die Dominanz der vergangenen Jahre anzuknüpfen. Doch danach hat ein krasser Abwärtstrend eingesetzt, der seinen vorläufigen Tiefpunkt am Mittwoch in Russland mit dem 2:3 in der Champions League gegen FK Rostow fand. Erstmals seit Mai 2015 verlor der deutsche Rekordmeister zwei Pflichtspiele hintereinander. Seit drei Partien sind die Bayern nun sieglos. In den letzten elf Spielen spielten die Münchner nur einmal zu Null. In Rostow gab es im 19. Pflichtspiel unter Ancelotti sogar erstmals drei Gegentreffer.

Es gibt drei Baustellen, die Carlo Ancelotti nun dringend bearbeiten muss, um den Trend zu wenden - sonst wird der Herbst noch härter an der Säbener Straße.

System

"Unser Problem ist, dass wir zu sorglos sind", sagte Lahm nach dem Spiel in Rostow deutlich. Defensive Stabilität und offensive Dominanz sind verschwunden, eine überzeugende Spielidee ist im veränderten 4-3-3-Spielsystem unter Ancelotti nicht zu erkennen. "Wir sind auseinandergebrochen", lautete die alarmierende Erkenntnis von Boateng nach dem 2:3. Und das gegen eine Mannschaft, die nicht zur Weltspitze gehöre, wie Lahm hervorhob. Allerdings schloss Ancelotti schon vor Rostow aus, sein bevorzugtes System zu ändern. An sich kein Problem - bloß müssen die Spieler es auch langsam annehmen und nicht den Eindruck vermitteln, als wären sie nicht so recht überzeugt von des Trainers Taktik.

Stimmung

Die frostigen Temperaturen in Rostow sind durchaus symptomatisch für die Stimmung rund ums Team: Karl-Heinz Rummenigge empfiehlt dem fahrigen Jerome Boateng, mal wieder "down to earth" zu kommen; Spieler wie Robben, Lahm oder Mülller zeigten sich zuletzt über Nichtberücksichtigungen mehr oder minder diskret verärgert; der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft, die in den letzten Erfolgsjahren immer auch den Eindruck einer verschworenen Einheit machte, scheint längst nicht mehr so bedingungslos. Carlo Ancelotti ist bekannt dafür, seinen Spielern die lange Leine zu lassen und war damit bisher überall erfolgreich. Den Bayern-Kader hat er mit seiner Philosophie offenbar noch nicht erreicht. So langsam wird es Zeit.

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Siegeswillen

Vor dem Leverkusen-Spiel findet am Freitagabend noch die Mitgliederversammlung statt, auf der Uli Hoeneß wieder zum Präsidenten des deutschen Rekordmeisters gewählt werden soll. "Ich weiß nicht, ob das einen Push gibt", sagte Lahm skeptisch. Es wäre auch schlimm, wenn die Mannschaft auf derartige Einflüsse von außen angewiesen wäre. Schon nach der Niederlage in Dortmund forderte Ancelotti mehr Härte und Einsatz, die Grundtugenden für jeglichen Erfolg. "Jeder sollte in sich hineinhorchen", sagte auch Jerome Boateng nach dem Rostow-Spiel. "Es kommt so rüber, als wäre es eine Einstellungssache." Und die richtige Einstellung ist auch Sache des Trainers.

tim mit DPA

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