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Coronavirus, Schulden, Rassismus-Vorwurf: Tönnies tritt als Schalke-Aufsichtsrat zurück – war der Druck zu groß?

Schalker Fans protestierten gegen ihn, nun wirft er hin: Clemens Tönnies zieht sich aus dem Aufsichtsrat von Schalke 04 zurück. Der Unternehmer steht gleich an mehreren Fronten in der Kritik.

Clemens Tönnies

Gleich an zwei Fronten ist Clemens Tönnies schwer unter Beschuss geraten: Als Unternehmer wegen des riesigen Coronavirus-Ausbruches in einem seiner Schlachthöfe und als Fußball-Funktionär wegen des sportlichen und finanziellen Misserfolgs von Schalke 04.

Im Fall des Bundesligisten zog Tönnies jetzt die Reißleine. Der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende habe dem Verein mitgeteilt  "dass er mit sofortiger Wirkung von diesem Amt zurücktritt und das Gremium verlässt", erklärte Schalke 04 – ohne auf die Gründe für den Rückzug Tönnies' einzugehen.

Schalke-Fans gingen auf Distanz zu Clemens Tönnies

Die Gründe liegen allerdings auf der Hand. Tönnies hatte zuletzt jeden Rückhalt unter den Fans verloren. Höhepunkt der Entwicklung war eine Demonstration am vergangenen Wochenende von rund 1000 Anhängern, die ihrem Ärger über Tönnies Luft machten. Unter den Teilnehmern hieß es, das Verhalten des Fleischunternehmers gegenüber seinen Schlachhofmitarbeitern sei nicht mit den Vereinswerten zu vereinbaren. Zudem äußerten sie Kritik an Plänen, die Profiabteilung aus dem eingetragenen Verein auszugliedern.

Zur Wut auf Tönnies trug ebenfalls das Kommunikationsdesaster des Vereins bei, als er eine sofortige Rückerstattung bezahlter Tickets an "Härtefallanträge" koppelte (der Klub hat sich dafür später entschuldigt). Die Entlassung aller 24 Fahrdienstmitarbeiter der Nachwuchsabteilung Knappenschmiede drückte genauso auf die Stimmung.

Zuletzt machte der Bundesligist Schlagzeilen, weil der Klub eine Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen beantragt haben soll, um seinen Fortbestand zu sichern. Schon vor der Coronakrise lasteten fast 200 Millionen Euro Verbindlichkeiten auf den "Knappen".

Hinzu kommt eine völlig verkorkste Bundesliga-Saison, die Schalke 04 nur als Tabellenzwölfter und damit weit unter den eigenen Ansprüchen abschloss.

Tönnies war bereits im vergangenen August auf Schalke massiv in die Kritik geraten. In einem Vortrag sagte er: Der Bundesentwicklungsminister solle Kraftwerke in Afrika finanzieren, "dann hören die (Afrikaner) auf, die Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, wenn wir die nämlich elektrifizieren, Kinder zu produzieren".

19 Jahre an Spitze des Aufsichstrats

Die Aussage des Unternehmers und Hobby-Jägers ("In Afrika habe ich so ziemlich die gesamte Palette bejagt.") wurde vielfach als rassistisch bewertet. Der Schalker Ehrenrat stufte die Vorwürfe jedoch als "unbegründet" ein. Tönnies legte sein Aufsichtsratsmandat drei Monate nieder und kehrte dann zurück, als sei nichts gewesen. 

Der 64-Jährige war seit 1994 Mitglied des Aufsichtsrats und stand dem Gremium seit 2001 vor. Wie es nun auf Schalke weitergeht, ist noch vollkommen unklar.

Einen Rückzug aus seinem Fleisch-Unternehmen schloss Tönnies dagegen kürzlich aus. Dem Milliardär wird vorgeworfen, auch unter der Ausnutzung des Subunternehmertums katastrophale Arbeits- und Wohnverhältnisse für Schlachthofbeschäftigte zu forcieren und zu tolerieren und so den Coronavirus-Ausbruch unter mehr als 1400 Mitarbeitern ermöglicht zu haben. Über die Landkreise Gütersloh und Warendorf war in der Folge ein weiterer Lockdown verhängt worden. Tönnies kündigte an, die Fleischbranche in Deutschland verändern zu wollen.

Quellen: FC Schalke 04"Deutsche Jagdzeitung", Nachrichtenagentur DPA

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